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Aktien kaufen: Das Märchen vom „richtigen Zeitpunkt“

Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt!“ Dieses Zitat stammt von Warren Buffett. Er ist einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten und heute der weltweit drittreichste Mensch. Aber wann ist denn nun der beste Kauf-Zeitpunkt für Aktien?

Theoretisch ist es kein Problem, mit Aktien und Aktienfonds Gewinne zu machen. Die Zauberformel lautet: Einfach billig kaufen und später (viel) teurer wieder verkaufen. Alles nur eine Frage des richtigen „Timings“, so der Fachbegriff. „In Wirklichkeit bekommt das so gut wie kein Privatanleger hin. Und falls doch einmal, dann nur mit einigem Glück“, sagt Reinhard Berben, Geschäftsführer Deutschland der Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments.

Dennoch versuchen Anleger immer wieder, die künftige Entwicklung der Aktienmärkte vorwegzunehmen und dadurch bessere Gewinne zu machen. Gutes „Timing“ wäre, in Erwartung künftig steigender Kurse früh zu kaufen und zu verkaufen, wenn es nach fallenden Kursen aussieht. Doch es bleibt meist ein Versuch, denn anders als etwa Fondsmanager hat der Privatanleger als Laie in der Regel zu wenige Informationen, um Märkte kurzfristig beurteilen zu können. So muss man u.a. zwischen den Zeilen lesen können, um zu verstehen, was die Aktien-Analysten wirklich sagen wollen.

Was geschicktes Timing beim Aktienkauf bringt…

So sind wissenschaftliche Untersuchungen übereinstimmend zu dem Ergebnis gelangt, dass Investmententscheidungen auf Grundlage eines – wie sich herausstellte – nur vermeintlichen Markttimings weniger Rendite einbrachten als langfristig angelegte Investitionen. Die beiden US-amerikanischen Wissenschaftler Geoffrey C. Friesen und Travis R. A. Sapp analysierten in ihrer im Jahr 2007 veröffentlichten Studie die Anlageerfolge privater Fondsinvestoren, die in den Jahren 1994 bis 2004 versucht hatten, durch geschicktes Timing den US-amerikanischen Markt zu schlagen. Ergebnis: Die jährliche Wertentwicklung war rund 1,6 Prozent niedriger als bei ununterbrochenen Fondsinvestments in den genannten Jahren.

Cost Average Franklin-Templeton

Der Cost-Average-Effekt bringt langfristig einen besseren Einstandspreis.

Weitaus sinnvoller als die ewige Suche nach dem richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt ist der langfristige Vermögensaufbau mit Aktienfonds-Sparplänen. Wer regelmäßig für einen gleich hohen Betrag Fondsanteile erwirbt, beispielsweise 50 Euro im Monat, kann die an den Aktienmärkten üblichen Kursausschläge nach oben und nach unten spürbar glätten (siehe Tabelle). Das lässt sich finanzmathematisch nachweisen. Der Fachbegriff dafür lautet „Cost-Average-Effekt“. Das Prinzip: Entsprechend höheren und niedrigeren Aktienkursen erwirbt der Anleger für eine stets gleich hohe Sparrate mehr oder auch weniger Fondsanteile. Auf Dauer erreicht er dadurch einen vergleichsweise günstigen durchschnittlichen Kaufpreis je Fondsanteil, was sich insbesondere bei langfristigen Sparplänen, die auf mehrere Jahrzehnte angelegt sind, positiv bemerkbar machen kann. Durch den Automatismus eines Sparplans erübrigt sich also die Frage nach dem richtigen Timing. „Wodurch letztlich dann auch falsche sowie bisweilen auch teure Anlageentscheidungen vermieden werden“, so Berben.

Dieser Artikel wurde verfasst von Hajo Simons, und zwar für die Franklin-Templeton-Artikelserie „Zeit für Aktien„.

 


Kommentare

Daniel Schneider 16. März 2013 um 16:18

Wenn ma jetzt von den Finanziel schlechten Regionen die Aktien günstig abkauft , wäre das doch eine gute Idee oder.Da es ja nicht mehr schlechter werden kann.

Antworten

maxrheub 13. Februar 2013 um 09:58

Den Nutzen des "Cost-Average-Effekts" für den Anleger bei einem gemanagten Fonds konnte mir noch niemand erklären. Warum sollte ich bei hohen Kursen überhaupt kaufen – nur um durch Gebühren etc. mein Depot sogar noch zu schwächen? In dem Falle wäre es sinvoller, mein Geld auf die hohe Kante zu legen, um später billig nachzukaufen (wenn ich denn nicht ob des realisierbaren Gewinns sogar besser meine Fondsanteile verkaufen sollte).

Bei einem Fonds -so wird dem Anleger gemeinhin erklärt- sorgt doch der nahezu allmächtige Fondsmanager schon dafür, daß stets billige Aktien gekauft und teuer gewordene Aktien gewinnbringend abgestoßen werden. Wo sollte dann dort ein "Cost-Average-Effekt" liegen? Das würde doch nur bedeuten, daß der Fondsmanager so allmächtig auch wieder nicht ist. Aber das kann nicht sein, denn das darf nicht sein. Der Fondsmanager IST der Allmächtige. Immer. Der "Cost-Average-Effect" ist das Opium, mit dem die Banker den Kleinanleger anfixen, damit er möglichst lange bei der Stange bleibt. Sonst nichts.

Wer das Buch "Fraktale und Finanzen" des alten Benoit Mandelbrot gelesen hat, der läßt sich von solch schönen Begriffen nicht mehr einlullen – die Verkleidung von echten finanziellen Abläufen in der Maske von schönen und vor allem unverständlichen Worten hat die Finanzkrise hervorgerufen.

@Investor: Ein "Kleinanleger" kann sich das nicht erlauben – aber kann er sich rational betrachtet überhaupt einen Aktienfonds erlauben? Der Kleinanleger hat wahrscheinlich mit der Beteiligung an seiner lokalen Raiffeisenbank oder einer lokalen Energiegenossenschaft eine definitv gleichmäßigere, kalkulierbarere und in den letzten jahren auch deutlich höhere Rendite als mit einem Aktienfonds oder sogar dem mehr oder weniger wahllosen Kauf von Einzelaktien.

Die Aktie als Instrument für den Kleinanleger dient nur dazu, einen Haufen "Broker" zu bezahlen und die Kurse für die Großanleger künstlich hoch zu halten (wieviel Prozent der Aktien der großen DAX-Unternehmen sind denn an der Börse tatsächlich verfügbar? Und wieviele werden gar nicht gehandelt, weil die Eigentümer gar nicht handeln wollen?). Ob diese hohen Buchkurse dann erzielbar sind oder nur fiktiv als Blase in den Büchern der Großanleger stehen, sei einmal dahingestellt.
Aber daß sich durch derartige Blasen die Inflationsrate kleinrechnen läßt, das ist Fakt und wird auch von den Zentralbanken begrüßt – in einem solchen großen Spiel sollte der Kostolany-bewaffnete Kleinanleger als CashCow gar nicht freiwillig mitspielen wollen. Denn die Welt ist nicht mehr so wie sie es bei Kostolany mal war.

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Nils 13. Februar 2013 um 10:22

Stimme ich voll und ganz zu. Das Marketing der Banken und Fondsgesellschaften suggeriert immer wieder dass der Handel mit Aktien:
a) Mit ein paar einfachen (oft widersprüchlichen) Regeln a la Buffet erklärt ist
und b) einem hochbezahlten Profi zu überlassen ist

Einfach jeden Monat fix was überweisen und der Manager kümmert sich. Natürlich gegen Vorschuss. Eine Sache nur soll der Kunde nie machen: Verkaufen. Der Fondsmanager macht es allerdings auch nicht wenn die Konditionen im Markt schlechter werden. Und so wird aus "cost average" sehr schnell "throwing good money after bad". Der Privatanleger hat dann den Rest seines Geldes abgezogen ziemlich exakt dort wo der Markt wieder beginnt zu steigen. So heißt es zumindest in Wall Street Folklore…

maxrheub 13. Februar 2013 um 10:48

Und genau das bedeutet makroökonomisch eine Verringerung der kurzfristig verfügbaren umlaufenden Geldmenge und damit ist der Aufbau einer solchen Blase für diejenigen Zentralbanken hilfreich, die sich vorwiegend der Inflationseindämmung widmen.
Daß man damit aber die unbedingt notwendige Binnenkonjunktur durch den direkten Konsum der etwas wohlhabenderen Bevölkerung einschränkt und damit die Konjunktur von unten abwürgt, das steht alles in den aggregierten Zahlen nicht mehr drin …


Ulrich 12. Februar 2013 um 16:59

Der Cost Average Effekt wird extrem überbewertet und bringt gerade "auf Dauer" (Zitat Reinhard Berben) absolut gar nichts, weil der Anteil der Zukäufe am Gesamtvermögen immer kleiner wird. Viel wichtiger ist eben doch der richtige Ein- und Ausstiegszeitpunkt.

Antworten

Nils 12. Februar 2013 um 15:35

Das ist natürlich klar dass ein Fondsmanager sagt "gib uns das Geld und wir kümmern uns drum". Fakt ist auch, und auch dies wurde hingehend erforscht, dass die meisten Investmentfonds keinen Mehrwert bringen, im Gegenteil schlagen sie ihren Benchmark nicht und nehmen dafür noch extra Gebühren. Aus tausenden Investmentfonds den richtigen zu wählen erscheint mir eine genauso schwere Aufgabe wie aus tausenden Aktien eine Gute zu finden.

Sich auf Herrn Buffet als ein Vorbild für Kleinanleger zu berufen ist natürlich auch cleveres Marketing, sowohl Buffet als auch Wall Street pflegen gerne das Image vom kauzigen buy & hold value Investor. Hier sind einige Dinge die Herr Buffet tut, der Kleinanleger jedoch nicht:
1. Statt Aktien kauft Warren Buffet lieber ganze Firmen und krempelt dort evtl. das Managment um. Zumindest aber kann er Einfluss ausüben.
2. Buffet hat Milliarden aus Versicherungsprämien zu investieren
3. Buffet verkauft Optionen und andere Derivate – mir sind nicht viele Deutsche Broker bekannt bei denen man Optionskontrakte schreiben oder gar nur kaufen kann (i.d.R. nur Optionsscheine).
4. Buffet arbeitet auch sonst mit erheblichen Mengen an Fremdkapital
5. Buffet hat einen Anlagehorizont der weit über seine eigene Lebenszeit hinausgeht und keine Sorgen was einen eventuellen Ruhestand angeht. Ein Sparer möchte irgendwann sein Erspartes auch wieder abrufen.
6. Der Großteil von Buffets Einkommen kommt aus US Staatsanleihen 😉

Sehr lehrreich hier sind seine Briefe an Berkshire Anleger sowie die Anlegerbriefe seines vorherigen Hedgefonds.

Antworten

Investor 12. Februar 2013 um 15:42

Zur Risikostreuung finde ich Fonds schon geeignet. Wer kann es sich erlauben, gleich 20, 30 verschiedene Aktien zu kaufen?

Nils 13. Februar 2013 um 10:06

ETF wäre eine Alternative. Ist zwar auch ein Fonds aber zumeist nicht aktiv gemanaged und recht günstig bei den Gebühren. Und in Deutschland gibt es davon so wenige dass das Suchen auch nicht weiter schwer fällt 😉


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