Gesetzliche Krankenversicherung: Zuzahlungen bei Steuer absetzen

Gesetzlich Krankenversicherte sollten bei der diesjährigen Steuererklärung an Zuzahlungen und Praxisgebühren denken, die sie in 2004 geleistet haben: Es lassen sich Steuern damit sparen.

Bei der Krankenkasse kann sich von der Zuzahlungspflicht befreien lassen, wer bereits zwei Prozent seines Brutto-Jahreseinkommens für Praxisgebühr, Medikamenten- oder Krankenhaus-Zuzahlungen ausgegeben haben. Bei chronisch Kranke ist die Grenze bereits bei einem Prozent des Bruttoeinkommens erreicht.
Beim Finanzamt kann jeder seine Ausgaben zusätzlich als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Damit es eine Steuererstattung für die Zuzahlungen gibt, muss die zumutbare Belastung überschritten sein. Das Finanzamt verlangt also wie die Krankenkasse einen Eigenanteil, rechnet aber anders: Die zumutbare Belastung richtet sich nach der Höhe der Gesamteinkünfte, dem Familienstand und der Kinderzahl.

Ein Beispiel: Hat ein Ehepaar mit drei Kindern 2004 nach Abzug von Werbungskosten und Betriebsausgaben 30.000 Euro verdient, muss es 300 Euro Krankheitskosten selbst tragen (1 % von 30.000). Der übersteigende Betrag ist als außergewöhnliche Belastung steuerlich abzugsfähig.

[box type=“info“]Wer als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse Zuzahlungen leisten muss, kann gleich doppelt abrechnen: Einerseits bei der Krankenkasse, andererseits beim Finanzamt. Dafür gelten aber unterschiedliche Zumutbarkeitsgrenzen.[/box]

Je geringer das Einkommen und je höher die Kinderzahl ist, desto eher kommen Kassenmitglieder zu einem Steuervorteil. Angerechnet wird praktisch all das, was auch die Krankenkasse anrechnet: Praxisgebühren, Zuzahlungen, Selbstbehalte etwa bei Zahnersatz. Musste jemand wegen Erkrankungen einen Kredit aufnehmen, kann er die Zinsen anderes als bei der Krankenkasse beim Finanzamt geltend machen.

Wichtig: Behinderte können außergewöhnliche Belastung ohne zumutbaren Selbstbehalt geltend machen – jedenfalls so weit, wie sie lediglich die Pauschbeträge ansetzen. Je nach Grad der Behinderung liegen die Pauschbeträge zwischen 310 und 3700 Euro im Jahr. „Höhere Aufwendungen, die unmittelbar infolge der Behinderung erwachsen, können anstatt des Behinderten-Pauschbetrags als außergewöhnliche Belastung unter Berücksichtigung der zumutbaren Eigenbelastung geltend gemacht werden“, so das Bundesfinanzministerium.

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