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S&K:Interview mit Anleger-Anwalt Reime (Fortsetzung)

Lesen Sie hier weitere Fragen und Antworten zur S&K-Gruppe aus dem Interview mit dem Anleger-Anwalt Jens Reime.

Wer hat die Geschlossenen Immobilienfonds verkauft?

Auch hier sind die Ermittlungen noch im Gange. Derzeit scheint festzustehen, dass die S&K-Gruppe sich folgender Vertriebswege bediente:

  • Vertriebsfirmen, die direkt zur S&K-Unternehmensgruppe gehör(t)en
  • Online-Vermittler
  • Freie Finanzberater
  • So genannte Makler-Pools sowie auch
  • Banken und Sparkassen.

Wie können gegen Vermittler Schadenersatzansprüche durchgesetzt werden?

Die Begründung lautet „fehlerhafte Anlageberatung“. Nach dem bekannten „Bond-Urteil“ des Bundesgerichtshofes aus Juli 1993 (Az.: XI ZR 12/93) muss die Beratung „anlage- und anlegergerecht“ sein. Falls sie dies nachweislich nicht ist bzw. war, bestehen ausgezeichnete Chancen, Schadenersatzansprüche vor Gericht durchzusetzen.

Was bedeutet dies konkret?

Anlageberater sind letztlich dazu verpflichtet, die in den Verkaufsprospekten genannten Daten etwa zur Rendite sorgfältig und vor allem im Hinblick auf die Plausibilität zu prüfen. Ich befürchte, dass dies viele Vertriebe nicht getan haben. Denn sobald für Provisionen und andere Kosten rund 20 Prozent des von Investoren aufgebrachten Eigenkapitals verwendet werden, müsste sich jeder Berater die Frage stellen, wie denn mit dem Rest zehn Prozent und mehr Rendite im Jahr – und zwar auf das gesamte investierte Kapital – erreicht werden sollen. Manche Vertriebler waren da ziemlich blauäugig. Und ich unterstelle, dass auch nicht wenige Anlageberater billigend in Kauf genommen haben, dass bei den von S&K angebotenen Fonds etwas nicht in Ordnung sein konnte.

Gibt es sonst noch eine Möglichkeit, den Vertrieb  haftbar zu machen?

Eine ausgezeichnete Chance, Schadenersatzansprüche vor Gericht erfolgreich durchzusetzen, beruht auf den so genannten Kick-back-Entscheidungen des Bundesgerichtshofs ab Januar 2009 (Az. u.a.: XI ZR 510/07). Konkret bedeutet dies: Falls ein Vermittler seinem Kunden nachweislich verschweigt, dass er für den erfolgreichen Verkauf der Fondsbeteiligung eine Rückvergütung, den so genannten Kick-back, erhält, liegt in der Regel fehlerhafte Anlageberatung vor, die zu einer erfolgreichen Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen führt.

Glauben Sie, dass bei S&K- Vermittlern viel zu holen ist?

Am grünen Tisch lässt sich diese Frage nicht beantworten. Die Chancen für Anleger, ihr Geld wegen fehlerhafter Anlageberatung zurückzubekommen, sind unterschiedlich groß. Arbeitet der Anlageberater unter einem so genannten Haftungsdach, gehört er beispielsweise zu einem Makler-Pool, sollte sich die Klage gegen diese Organisation richten.

Bei den Einzelkämpfern unter den Anlageberatern, die keiner Haftungsorganisation angehören, sollten geschädigte Investoren gemeinsam mit ihren Anwälten überprüfen, ob der Vermittler eine Vermögensschadenshaftplicht-Versicherung zum Zeitpunkt des Beteiligungsverkaufs hatte. In allen anderen Fällen entscheidet das Windhundprinzip. Einen rechtskräftigen Titel kann man 30 Jahre lang vollstrecken.

Welche S&K-Unternehmen sind im Einzelnen betroffen?

Selbstverständlich sind die Ermittlungen längst nicht abgeschlossen. Nach derzeitigen Erkenntnisse sind folgende Firmen der S&K-Unternehmensgruppe betroffen:

  • S&K Sachwert AG
  • S&K Immobilienhandels GmbH
  • S&K Real Estate Value GmbH
  • Asset Trust AG

Überdies hat es auch Private Placements, die auf besonders vermögende Investoren zielten, in Form von Nachrangdarlehen gegeben. Das dabei aufgenommene Kapital, für das Investoren sehr hohe Renditen versprochen wurden, sollte in die S&K-Unternehmensgruppe investiert werden. Diese Private Placements erfolgten unter der Federführung der
Deutsche Sachwerte Emissionshaus AG.

Schließlich hat die S&K-Gruppe zusammen mit dem Hamburger Emissionshaus United Investors Geschlossene Fondsbeteiligungen platziert. Für das Emissionshaus United Investors wurde kürzlich das Insolvenzverfahren eröffnet.

Welche  Fonds sind betroffen?

Nach bisherigem Stand sind dies folgenden Geschlossenen Immobilienfonds:

  • S&K Real Estate Value Added Fondsgesellschaft mbH & Co. KG
  • Deutsche S&K Sachwerte GmbH & Co. KG
  • Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 GmbH & Co. KG
  • S&K Investmentplan GmbH & Co. KG

Nach den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft hat die S&K Unternehmensgruppe zu weiteren Fondshäusern geschäftliche Beziehungen unterhalten respektive angebahnt, und zwar:

  • MIDAS (Köln)
  • DCM (München) sowie
  • SHB (ebenfalls München)

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