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Strukturierte Anleihen: Zinsen mit Zocker-Effekt

Mancher von miesen Zinsen frustrierte Anleger reibt sich verwundert die Augen: Mit sechs oder sogar acht Prozent garantiertem Zins locken immer öfter Sparkassen und Banken für neue Angebote, die sich zum Beispiel „Frühlingsanleihe“ oder „Zinsperle“ nennen. Dahinter verbergen sich Spekulationsgeschäfte mit unkalkulierbarem Ergebnis.

Im Fachjargon heißen die Angebote „strukturierte Anleihen“ (s. auch Definition Wikipedia zu strukturiertes Finanzprodukt). Mit herkömmlichen Anleihen haben sie nur so viel gemein, dass die Rückzahlung des Geldes zum Ende der Laufzeit gewährleist wird (Bonität des Schuldners vorausgesetzt). Die Unbekannte ist aber die Rendite. Die hohen Prozente sind in der Regel nur für die ersten beiden Jahre der Anleihen-Laufzeit garantiert – wie es weitergeht, hängt von Kapitalmarktentwicklungen ab. Im schlimmsten Fall kann die weitere Verzinsung in den Folgejahren auf Null sinken. Am Ende hat der Anleger dann möglicherweise nur eine Rendite auf Sparbuch-Niveau erzielt.

Welche Kapitalmarktentwicklungen über die Rendite entscheiden sollen, hängt vom jeweiligen Angebot ab. Drei Spekulationstypen sind derzeit am Markt verbreitet:

Wette auf die Zinsentwicklung: Oft wird der Euribor als Referenzwert herangezogen, also der Zinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander Geld leihen. Steigt der Euribor über einen festgelegten Satz, sinkt beispielsweise die folgende Anleihenverzinsung oder kann komplett gestrichen werden.

Wette auf die Währungsentwickung: Bei solchen strukturierten Anleihen wird der Zins zum Beispiel davon abhängig gemacht, wie sich der Euro zum US-Dollar entwickelt. Wird eine fixierte Schwankungsbreite über- oder unterschritten, so kann wiederum die Verzinsung sinken oder ausfallen.

Wette auf die Aktien-Entwickung: Die Höhe des jährlichen Anleihen-Kupons ergibt sich bei diesen Angeboten zumeist aus der Performance eines Aktienkorbes, den die Bank zusammengestellt hat. Laufen die Aktien schlecht, so kann auch hier der Zins bis auf Null sinken; laufen die Aktien gut, so ist der Zins in der Regel nach oben auf zum Beispiel acht Prozent limitiert. Eine Top-Performance der Aktien katapultiert den Zins also nicht in unendliche Höhen.

Stiftung Warentest rät zum Rendite-Check

Selbst für durchschnittliche Anleger dürften manche Emissionsbedingungen und Berechnungsarten ein Rätsel bleiben. Stephan Kühnlenz, Geld-Experte der Stiftung Warentest in Berlin, rät daher: „Wer sich für die Produkte interessiert, sollte sich die Minimal- und die Maximalrendite errechnen lassen, um so seine Chancen und Risiken überblicken zu können.“

Ohne Blick in das Kleingedruckte geht es aber nicht. Einerseits sollte der Interessent klären, ob sich der Emittent eine vorzeitige Kündigungsmöglichkeit einräumt. Das kann dann ärgerlich sein, wenn es gut für den Anleger läuft – und die Anleihe dann vorzeitig getilgt wird. Andererseits ist wichtig, ob die Anleihe als „Finanzinnovation“ eingestuft wird. Ist das der Fall, müsste der Anleger bei einem vorzeitigen Verkauf über die Börse etwaige Kursgewinne der Anleihe versteuern – auch wenn die einjährige Spekulationsfrist bereits abgelaufen ist.

Achtung: Ins Leere läuft die Idee, man könne nach den zwei Anfangsjahren mit hohen Zinsen die Anleihe einfach schnell verkaufen. Das geht zwar, aber wenn der Kapitalmarkt gegen die Anleihe läuft, dann ist das natürlich als Abschlag im Verkaufskurs eingepreist. Eine etwaige Kapitalgarantie gilt nur für das Laufzeitende.


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