Bauer werden: Das sollten Sie können

TV-Sendungen wie “Bauer sucht Frau” lassen manche davon träumen, wie schön doch ein (Arbeits-)Leben in der Natur sein könnte, mit einem eigenen Hof und einem großen Stück eigenem Land. Dass nun wegen des Krieges in der Ukraine davon die Rede ist, die Versorgung mit Lebensmitteln wäre auch hier bedroht sein, könnte solchen Plänen noch einen Schub geben. Aber wie wird man eigentlich Bauer?

Wer einen Eindruck bekommen möchte, wie ein Einstieg in die Landwirtschaft aussehen könnte, der sollte mal einen Blick auf Portale wie www.hofsuchtbauer.de oder www.hof-gesucht-gefunden.de werfen. Dort gibt es Angebote sowohl zum Kauf eines landwirtschaftlichen Betriebes als auch zur Pacht (der Unterschied von Pacht zu Miete ist, dass ein Pächter die Erträge einer Immobilie behalten darf. Würde Land gemietet, müsste der Mieter die Ernte dem Eigentümer überlassen.
Einige Bauern suchen Partner, die mit Geld und Arbeitskraft in einen Betrieb einsteigen.

Folgende Fähigkeiten und Neigungen sollten laut Branchenkennern vorhanden sein, um den Beruf als Landwirt auszuüben:

  • Freude an körperlicher Arbeit
  • Freude am Umgang mit Natur und Tieren
  • Interesse an moderner Technik und Handwerk
  • Interesse an Naturwissenschaften (Biologie und Chemie)
  • Interesse an Betriebswirtschaft und Organisation
  • Spaß an selbstständiger Arbeit und an Übernahme von Verantwortung

Da zeigt sich schon, dass nur die Liebe zur Natur und der Wille, kräftig anzupacken, bei weitem nicht ausreicht. Der moderne Bauer ist ein gebildeter Unternehmer, der viel können muss, um selber satt zu werden. Das hat auch damit zu tun, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit den 70-er Jahren in Deutschland rapide gesunken ist, auf nur noch rund 260.000, während die bewirtschaftete Fläche erheblich gestiegen ist, wie diese Grafik sehr gut zeigt.

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Der Bauer von heute führt immer öfter ein Großunternehmen. Natürlich gibt es nach wie vor kleine Betriebe, diese werden aber häufig im Nebenerwerb geführt oder haben noch andere Einnahmequellen: Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hat mittlerweile jeder zweite Bauernhof ein Business über die eigentliche Arbeit hinaus, sei es Ferienvermietung oder Erzeugung erneuerbarer Energien.

Wer einen landwirtschaftlichen Betrieb als Unternehmerin oder Angestellter einsteigt, bringt meistens einen Abschluss als Techniker, als Landwirtschaftsmeisterin oder als Fachagrarwirt mit. Ohne Kenntnis von Betriebswirtschaft geht es kaum, denn der Bauer muss sich viel mehr mit Finanzen beschäftigen, als Laien sich das vorstellen können.

Der Landwirt als Betriebswirt

So muss der Bauer eine präzise Kalkulation erstellen können, um Kosten und Ertrag gegeneinander abzuwägen. Das sind zum Beispiel die Kosten für den Kauf von Saatgut und Pflanzen, für Bewässerung, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel – und ganz besonders Arbeitskräfte, wenn die Bewirtschaftung nicht alleine geschafft werden kann. Die Preise können sich verändern, wie derzeit zum Preise von Düngemitteln. Auch das muss in einer Kalkulation berücksichtigt werden.

Die Finanzierung ist eine weitere wichtige Komponente. Dabei geht es nicht nur darum, Kredite zu bekommen, um überhaupt einen Bauernhof kaufen zu können. Die regelmäßige Arbeit muss meist ebenfalls für etwa sechs Monate vorfinanziert werden, da zwischen Aussaat und Ernte einige Zeit vergeht, in der kein Geld reinkommt, aber der laufende Betrieb bezahlt werden muss, unter anderem das Einkommen für den Lebensunterhalt. Das Gleiche gilt bei Viehzucht, denn es dauert nunmal etwas, bis ein Schwein so gewachsen ist, bis es an einen Schlachter verkauft werden kann.

Darüber hinaus muss der Landwirt die üblichen Risiken im Blick haben und sich dagegen bestmöglich mit absichern. Da ist nicht nur an das Feuer zu denken, dass einen Stall in kurzer Zeit vollständig vernichten könnte oder das Risiko einer Tierseuche, sondern in zunehmend mit High-Tech ausgestatteten Betrieben ist auch mit Schäden an Computern (“Cyberrisk”) oder Maschinen zu rechnen.

Was in Deutschland Mangelware ist

Eine entscheidende Frage steht am Anfang: Was will der Bauer produzieren? Will er eher den Massenmarkt bedienen, bei dem ein harter Preiskampf üblich ist oder einen Nischenmarkt, bei dem die Konkurrenz geringer ist und höhere Preise erzielt werden können?

Futterbau und Ackerbau sind laut Statischem Bundesamt weiterhin die dominierenden Produktionsschwerpunkte. Knapp drei Viertel aller landwirtschaftlichen Betriebe (194 800 Betriebe) haben ihre Produktion dementsprechend ausgerichtet und erwirtschaften mit 25,3 Milliarden Euro mehr als die Hälfte (55 %) des so genannten “Standardoutputs” (46,5 Milliarden Euro) aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland (Standardoutput ist der durchschnittliche Geldwert der landwirtschaftlichen Bruttoerzeugung).

An Standardprodukten wiederum besteht auch in Deutschland eigentlich kein Mangel; der Grad der Selbstversorgung ist trotz des erheblichen Rückganges bei der Zahl der Betriebe recht hoch. Der Grad der Selbstversorgung gibt an, wie viel eines verkauften Produktes in Deutschland erzeugt wird – bis auf Obst, Gemüse, Eier und Honig wird genug produziert, um von Importen unabhängig zu sein, siehe Schaubild:

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Wer also darauf setzt, dass bald mehr auf die Selbstversorgung geachtet wird, um von Importen unabhängiger zu sein, sollte vielleicht eher Obst und Gemüse in Erwägung ziehen – wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass manche gefragte Produkte wie Zitronen und Orangen des Klimas wegen eben besser in Spanien oder Italien wachsen als im kalten Deutschland. Um Bauer für Zitrusfrüchte zu werden, wäre dann eher der Fincakauf auf Mallorca sinnvoll. Als Landwirt auf der Sonneninsel dürften die Chancen bei „Bauer sucht Frau“ zudem deutlich steigen.

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