Lebenserwartung: So alt werden Sie (BILD)

Zum Wochenende hatte der Renten-Fachinformationsdienst BILD noch einen Schocker parat. Am Freitag lautete die Schlagzeile: „So alt werden Sie“. BILD berief sich dabei auf das Statistische Bundesamt: „Die Statistiker haben mit den Zahlen eine Lebenserwartungs-Tabelle errechnet.“ Und schon mal ganz vorsorglich schrieb BILD dazu: „Alle Zahlen sind pure Mathematik – und haben mit dem echten Leben wenig zu tun.“ Trotz dieser eindeutigen Warnung haben offenbar BILD-Leser die Zahlen geglaubt. Denn heute am Samstag legte BILD nach:

„Die Lebensdauer-Tabelle des Statistischen Bundesamtes – unzählige Deutsche hat sie erschreckt. Wer 1945 geboren wurde, hat danach z. B. als Mann nur noch sechs Jahre (Durchschnitt).“

Fürsorglich gab BILD deshalb Lebensverlängerungstipps („Überlisten Sie die BILD-Tabelle“). Die einfachste List wäre natürlich, die richtigen Zahlen zu lesen. Denn wer 1945 geboren wurde und heute somit heute 61 Jahre alt ist, hat nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Sterbetafel 2002/ 2004) noch rund 19 Jahre restliche Lebenserwartung und wird 80 Jahre alt – das sind mithin 13 Jahre mehr als in der „BILD-Tabelle“. Was war da los? Ich sehe zwei Möglichkeiten:

1. Die BILD hat eine modifizierte Tabelle verwendet, die die spezielle Lebenserwartung von BILD-Lesern ausweist. Da die ganzen Aufregerthemen irgendwann auf die Pumpe gehen, wäre es m.E. gut denkbar, dass BILD-Leser früher sterben.
2. BILD hat eine falsche Statistik abgetippt oder eine richtige Statistik falsch verstanden.

Es ist nämlich so: Die restliche Lebenserwartung hängt davon ab, wie alt man schon ist. Klingt erst mal seltsam, ist aber logisch: Wer schon 61 Jahre erreicht hat, wird voraussichtlich nicht mehr besoffen von der Disco nach Hause fahren und sich mit dem Auto um den Baum wickeln. Einige Lebensgefahren seines Jahrganges hat der 61-jährige also erfolgreich gemeistert. Andere seines Jahrganges nicht. Die liegen bereits auf dem Friedhof und ziehen den Durchschnitt in der Statistik runter.

Bei einem Jahrgang wie 1945 dürfte sich außerdem besonders bemerkbar machen, dass durch den Krieg bedingt die Versorgung von Kinder schlecht war und zahlreiche frühzeitig gestorben sind. Dem heute 61-jährigen kann aber dieser Statistik-Effekt egal sein. Um seine durchschnittliche Restlaufzeit abzulesen, schaut er in die aktuelle „Perioden-Sterbetafel 2002/2004“ vom Statistischen Bundesamt, kostenlos hier abrufbar19,24 Jahre bleiben dem 61-jährigen demnach – das ist doch was. 

Welche Statistik BILD verwendet hat, um auf „nur noch sechs Jahre“ zu kommen, ist mir unklar. Vielleicht war es die in diesem Zusammenhang unsinnige „Generationen-Sterbetafel. Unsinnig, weil die Generationen-Sterbetafel nicht erstellt wird, um restliche Lebenserwartung auszuweisen, sondern die Lebenserwartung von ganzen Geburtsjahrgängen. 

4 Kommentare

  1. Veröffentlich von Andreas Kunze am 24. April 2006 um 17:48

    @Jean: Bei uns sagt man tolerant, jeder Jeck ist anders. Manchmal schreibt auch jeder anders. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich einen gesch

  2. Veröffentlich von Jean M. am 24. April 2006 um 17:31

    So, so … am RHEIM, ja? Na, das mu

  3. Veröffentlich von Andreas Kunze am 24. April 2006 um 12:21

    @Jean: Nein, nein, nein, da liegst Du v

  4. Veröffentlich von Jean M. am 24. April 2006 um 11:58

    Ja, ich lese FINBLOG erst am Montagmorgen. Ja, ich bin ein schlechter Mensch. Nichtsdestotrotz best

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