Wo ist der GDV?

Am Wochenende traf ich in Hamburg beim Kongress von Netzwerk Recherche Ulrich Müller von Lobbycontrol. Er erzählte mir, der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) habe Rügen wegen der Schleichwerbung in ARD-Marienhof verteilt. Erstaunlicherweise sei aber der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht dabei gewesen.

Das ist in der Tat erstaunlich, denn der GDV hat laut Bericht der ARD-Clearingstelle mit Abstand das meiste Geld für Schleichwerbung im Marienhof gezahlt. Auszug der mehrseitigen Liste. Ein Sprecher des DRPR erklärte mir dazu heute auf Anfrage:

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir als ehrenamtlich tätige Mitglieder des DRPR aus Kapazitätsgründen nicht alle Fälle möglicher Schleichwerbung gleichzeitig verfolgen können. Manche Verfahren ziehen sich zudem länger hin als andere. Insofern bitten wir um ein wenig Geduld. Es sind noch einige Fälle anhängig.

Mit dem GDV beschäftigen sich die PR-Leute also vermutlich noch. Zumal auch beim SAT1-Schleichwerbeskandal der Versichererverband prominent erwähnt wurde.

Bemerkenswert finde ich, wie selbst die PR-Leute mittlerweile Schmuddelpraktiken anprangern. Auszug aus einem Text des DRPR:

Schleichwerbung ist aber weder auf die ARD noch auf das Fernsehen generell beschränkt. Das Magazin ZAPP brachte am 2.11. dieses Jahres 45 Minuten lang die diversesten und skurrilsten Fälle von Schleichwerbung – wenn sie denn solche sind; denn Geldzahlungen und Werbeabsicht (die beiden entscheidenden Kriterien) sind nicht immer nachweisbar.

Und PR-Agenturen beklagen vermehrt das Ansinnen von Fachzeitschriftenverlagen an Produkthersteller, für „PR-Veröffentlichungen“ die Kosten zu übernehmen. Eine schrieb in ihrer Beschwerde: „Aus unserer Sicht ist diese Entwicklung gerade für kleinere und mittlere Agenturen existenzgefährdend.“ Es scheint ein immenser Sumpf zu sein, der kaum auszutrocknen ist.

Nie war ich mit PR-Leuten so einer Meinung.

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