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Kopfhöreranschluss: Wie ein Nokia E72 plötzlich wertlos wurde

Bei einer bekannten Versandfirma (nein, nicht Amazon) habe ich vor kurzem ein Handy bestellt, ein Nokia E72. Nach wenigen Tagen war ich entnervt von dem komplizierten Betriebssystem des E72 und schickte das Gerät zurück. Das ist das gute Recht bei jedem Fernabsatzgeschäft. Innerhalb von 14 Tagen kann man den Kauf widerrufen und sein Geld zurückverlangen.

Was fehlte: Ein Pappteiler vom Innenleben des Kartons, wo die einzelnen Teile einsortiert waren. Dieser Pappteiler war abhanden gekommen. Ich machte mir keine großen Gedanken darum, wie um das Widerrufsrecht Onlinekurs.

Nach 10 Tagen bekam ich nun eine Antwort vom Kundenservice: Im Anschlussbereich der Kopfhörer des Nokia E72 sei ein Kontakt verbogen worden (die Kopfhörer hatte ich nicht mal ausgepackt), außerdem weise das Gerät Kratzer auf der Rückseite auf (man fügte ein Extrem-Zoom-Foto bei, weil die Kratzer ansonsten wohl nicht zu erkennen sind). Und weiter:

Weiterhin wurde das Handy von Ihnen nicht vollständig an uns eingesandt, ein Teil der Originalverpackung des Gerätes fehlt. Ist die Originalverpackung für die Ware ein wertsteigernder Faktor, so stellt sie zugleich einen Bestandteil der Ware dar. Sollte diese fehlen oder beschädigt sein, ist das Gerät für uns als Händler nur wertgemindert zu veräußern.

Dann der entscheidende Satz:

Die Ware ist insgesamt wertlos und nicht weiter veräußerbar.

Die Firma bietet an, das Handy kostenfrei zu entsorgen oder auf Wunsch unbearbeitet zurückzusenden.
Wegen des Fehlen eines Pappteilers der Originalverpackung soll nun das Nokia E72 wertlos sein? Selbstverständlich lässt sich das E72 veräußern, dafür reicht ein Blick auf Ebay. Aber offenbar möchte sich die Firma damit nicht rumärgern. Möglicherweise steckt dahinter, dass Rückläufer dort kurz gewienert werden und noch mal als Neuware verkauft werden – was rechtswidrig wäre. Andere Firmen haben eigens Shops für solche B-Ware. Bei dieser Firma habe ich nicht ein einziges gebrauchtes Handy im Angebot gefunden. Haben die sonst keine Rückläufer?

Dass das Widerrufsrecht nicht vom Vorhandensein der Originalverpackung abhängig gemacht werden darf, haben vor Jahren schon Gerichte entschieden, etwa das Landgericht Coburg (Az. 1 HK 0 95/05). Offenbar möchte diese Firma das Widerrufsrecht aushebeln, indem sie wegen (teilweise) fehlender Originalverpackung den Artikel als unverkäuflich erklärt, so Widerrufsrecht Online-Kurs (OLG Hamm, I-4 U 135/12).

Ich habe die Firma gebeten, ihre Entscheidung zu überdenken.


Kommentare

Andreas 9. April 2011 um 08:30

Naja, man hat 14 Tage lang Zeit zu widerrufen, aber man darf das Ger

Antworten

Ingo 5. April 2011 um 22:45

Hoffentlich haben Sie das Handy als Privatmann gekauft… F

Antworten

Andreas Kunze 6. April 2011 um 07:04

Ja, das war ein Privatkauf.


Marc 5. April 2011 um 17:26

Och nenn doch bitte mal den Namen der "Firma"!

Antworten

Andreas Kunze 5. April 2011 um 17:28

Nein, das möchte ich derzeit nicht. Bitte auch keine Spekulationen darueber. Ich habe deshalb die genannte Firma entfernt.


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