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Wenn Anwälte Content klauen

Der Hamburger Rechtsanwalt und Power-Publizist Dr. Martin Bahr beklagte in seinem aktuellen Newsletter das fehlende Unrechtsbewußtsein seiner Berufskollegen. Unter dem Titel „Wenn Anwälte Content klauen“ schreibt er:

Es vergeht derzeit kaum ein Tag, an dem wir nicht feststellen müssen, dass Teile unseres Contents ungefragt übernommen und als eigene Inhalte ausgegebenen werden. In aller Regel sind es – und dies ist das richtig Belustigende und Traurige zugleich – Rechtsanwälte, die klauen. Und zwar nicht selten Fachanwälte für Urheberrecht und/oder IT-Recht, die interessanterweise auf ihren Seiten selbst über die Gefahren von Urheberrechtsverletzungen warnen.

Ein Dutzend Strafverfahren gegen Urheberrechtsverletzer hat Dr. Bahr den Angaben zufolge bereits angeleiert. Das ist offenbar auch der einzige Weg, der kriminellen Energie einiger Rechtsanwälte zu begegnen. Denn das, was Dr. Bahr schildet, habe ich vor ein paar Wochen noch eine Spur drastischer erlebt:

Durch Zufall fand ich einen meiner Artikel auf der Kanzlei-Homepage eines Düsseldorfer Rechtsanwaltes – ebenso wörtlich wie vollständig übernommen aus einer überregionalen Sonntagszeitung. Aber nicht nur das: Die gleiche Raubkopie hat der Rechtsanwalt ebenfalls in einem Anwaltsportal als Expertenbeitrag veröffentlicht – mit einem Foto von sich dazu (sein debiler Gesichtsausdruck neben einem meiner Artikel hat mich eigentlich am meisten geärgert).

Zunächst bekam der Rechtanwalt von mir – ohne Anwaltskosten – eine Abmahnung plus Nutzungsgebühren-Rechnung. Keine Reaktion. Dann gab mein Rechtsanwalt eine Kostprobe seiner Kunst, diesmal mit Anwaltskosten. Keine Reaktion. Eine letzte anwaltliche Mahnung blieb ebenfalls ohne Antwort – die Raubkopien werden bis heute verwendet.

Sollte der Düsseldorf Rechtsanwalt die Drohung mit der Strafanzeige nicht ernst genommen haben, so dürfte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ihn inzwischen eines Besseren belehrt haben. Selbstverständlich wurde in der Strafanzeige erwähnt, dass offenkundig sämtliche Veröffentlichungen dieses Herrn auf Urheberrechtsverletzungen basieren – bei praktisch allen seinen Texten ließ sich feststellen, dass sie zuvor von anderen Autoren in Publikationen wie „Focus“ oder „Versicherungsmagazin“ veröffentlicht worden waren.

Mit größtem Vergnügen werde ich über diesen Rechtsanwalt hier weiter berichten.


Kommentare

Michael 26. August 2008 um 14:27

Was hilft denn das ganze, wenn Du hier keine Namen nennst?

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Volker 21. August 2008 um 18:41

Das ist wirklich ein Hammer. Bitte unbedingt weiter berichten!

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Andreas Kunze 20. August 2008 um 16:13

@T: Die zivilrechtlichen Anspr

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T 20. August 2008 um 16:06

Warum nicht gegen den Content-Dieb klagen? Bei Strafanzeigen ist doch das Risiko dass die mit Hinweis auf den Privatklageweg eingestellt wird. Und schon ist die Frist f

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bosch 20. August 2008 um 15:32

Eigentlich unglaublich. Ich dachte, soetwas k

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