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Mehr Zins mit Unternehmensanleihen direkt

Der Schulbuch-Verlag Ernst Klett hat die Finanzierungsvariante ebenso entdeckt wie der Wurstwaren-Fabrikant Zimbo: Sie platzieren Unternehmensanleihen im Direktverkauf bei privaten Anlegern – an Banken und Börsen vorbei. Damit entfallen einige Kosten, die bei klassischen Emissionen üblich sind: Etwa die Provision für die Bank oder die Gebühr für ein Rating. Von diesem Kostenvorteil profitieren zumindest teilweise die Anleger, die einen erheblichen Renditenaufschlag gegenüber anderen Unternehmensanleihen erzielen können.

Bei einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren werfen mit einem solchen BBB-Rating eingestufte Unternehmensanleihen derzeit knapp vier Prozent Zins jährlich ab. Kleine und mittelständische Firmen mit „Direkt-Anleihen“ stellen hingegen bei vergleichbaren Laufzeiten sechs bis neun Prozent Zins in Aussicht.

Bafin prüft nur formale Voraussetzungen der Anleihen

Das größte Risiko dabei: Der Anleger muss selber die Bonität einschätzen, also der Frage nachgehen, ob er sich auf Zins- als auch Rückzahlung seines Kredits verlassen kann. Geht das Unternehmen pleite, ist das Geld weg. Der Anleger kann sich dann zudem keine Hoffnung machen, wenigstens von der Bank wegen schlechter Beratung einen Schadenersatz zu erhalten.

Wichtig zu wissen: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft Prospekte nur darauf, ob die formalen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Seriosität oder Bonität wird von der Behörde nicht bewertet. Auch eine ISIN-Wertpapiernummer ist kein Indiz dafür, dass von unabhängiger Stelle eine Gütesiegel verliehen wurde.

„Wer genau in die Prospekte und Bilanzen schaut, kann zwar Warnhinweise erkennen – doch der Laie dürfte damit überfordert sein“, sagt Ralf Nomrosky, zertifizierter Finanzplaner aus Düsseldorf. Der Experte rät daher dazu, vor allem bei jungen oder wenig bekannten Unternehmen den gesunden Menschenverstand einzuschalten: „Wenn mir jemand neun Prozent Zinsen verspricht, sollte er plausibel machen können, wie er das überhaupt verdienen will.“
Bedenken sollte der Anleger zudem, dass die „Direkt-Anleihen“ während der Laufzeit kaum veräußerbar sind, da sie nicht an der Börse gehandelt werden. Erst wenn das Papier ausläuft, gibt es – wenn alles gut geht – das Geld zurück.

Noch mehr Vorsicht ist bei Genussscheinen angebracht, die ebenfalls immer öfter im Direktverkauf bei privaten Anlegern platziert werden sollen: Genussscheine gelten als Zwitter aus Aktie und Anleihe, weil zum Beispiel die Ausschüttungen vom Gewinn abhängig gemacht werden können. Inhaber müssen insbesondere berücksichtigen, dass sie im Fall einer Insolvenz in der Gläubiger-Rangliste ganz hinten stehen.


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