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Check: Container Select Plus (Solvium Capital)

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Heute: Container Select Plus

Vor kurzem hatte ich hier die Anlage Container Invest 13 05 von Solvium Capital, Hamburg, vorgestellt. Aus dem gleichen Hause kommt nun das Anlageangebot Container Select Plus, das so ähnlich klingt, aber im Detail doch ziemlich anders ist. Worin unterscheiden sich die beiden Container-Investments, was ist besser für den Investoren? Hier mein Check Container Select Plus, kurz CSP.

In Kurzform lautet das Angebot von Container Select Plus wie folgt: Für 3.485 Euro Stückpreis zuzüglich 2 Prozent Agio kann der Investor einen gebrauchten und bereits vermieteten Standardcontainer (40Fuß-High-Cube) kaufen und für 54 Monate an Solvium vermieten, ohne den Container jemals gesehen zu haben. Die Emittentin zahlt eine Basismiete von 4.1 Prozent p.a., als monatliche Auszahlung und einen Bonus je nach Geschäftslage von zusätzlich 0,6 Prozent p.a.

Die Emittentin verpflichtet sich, den oder die Container (der Investor kann mehrere erwerben) zum gleichen Preis am Ende der Laufzeit zurückzukaufen. Laut Solvium handelt es sich steuerlich um eine Geldanlage und nicht um ein Mietverhältnis, weshalb die Einkünfte der pauschalen Abgeltungssteuer unterliegen. Als Sicherheit werden drei Monatsmieten bei einem Treuhänder hinterlegt; für das generell nicht vorzeitig kündbare Vertragsverhältnis gibt es eine Härtefall-Regelung. Der Investor kann demnach seine Anlage versilbern, sofern er zum Beispiel berufsunfähig oder arbeitslos wird.

Drei wesentliche Unterschiede zu Container Invest 13 05 fallen damit auf:

1. Es gibt eine Rückkaufpflicht (bei Container Invest 13 05 nur eine Absicht)
2. Es wird ein Agio (Vertriebsaufgeld) erhoben, das die Investoren-Rendite mindert
3. Es fällt pauschale Abgeltungssteuer an; nicht der persönliche Steuersatz

Wie sieht der Markt für Container und Container-Vermietung aus?

An dieser Stelle kann ich wiederholen, was ich zu Container Invest 13 05 vor einigen Wochen geschrieben habe. Seitdem hat sich am Container-Geschäft nichts geändert. Fast 90 Prozent des weltweiten Handels werden derzeit über Seefracht abgewickelt, die Schiffe kreuzen mit immer gigantischeren Ladungen über die Weltmeere. Allerdings haben die ersten Tage des neuen Jahres auch gezeigt, wie schnell sich das wirtschaftliche Klima eintrüben kann. Sollte nach dem Börsenbeben China tatsächlich in eine Krise stürzen, hätte das zwangsläufig Folgen für den Welthandel und den Container-Bedarf.

Dieses allgemeine Risiko sollte der Investor im Auge haben – es wird im Prospekt von Container Select Plus sehr deutlich beschrieben:

Sofern die Emittentin infolge einer schrumpfenden Nachfrage nach Standardcontainern bzw. eines sich negativ entwickelnden weltweiten Containervermietmarktes geringere als die prognostizierten Mieteinnahmen oder Verkaufserlöse erzielt, kann die Emittentin nach Abzug ihrer laufenden Kosten ihren vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Anlegern auf Zahlung der Basismieten und der Rückkaufpreise gegebenenfalls nicht, nicht fristgemäß oder nicht vollständig nachkommen In diesem Fall wäre die Emittentin auch nicht in der Lage, die in Aussicht gestellte jährliche Bonusmiete an die Anleger zu zahlen.

Wer ist wer bei Container Select Plus?

Der Investor sollte Anbieterin und Emittentin bei dieser Geldanlage auseinander halten. Anbieterin ist die Solvium Capital GmbH in Hamburg, Emittentin die Solvium Capital Vermögensanlagen GmbH & Co. KG. Beide haben die gleiche Adresse und sind miteinander verwoben. Die Einzelheiten dazu sind m.E. für den Investor nicht bedeutsam – wohl aber die Tatsache, dass die Solvium Capital Vermögensanlagen GmbH & Co. KG erst im Jahr 2015 für das Angebot Container Select Plus gegründet wurde und noch keinen Jahresabschluss erstellt hat.

Die Emittentin ist der alleinige Vertragspartner des Investors, der sich auf Grund fehlender „Geschäftshistorie“ somit darauf verlassen muss, dass die Planzahlen des Unternehmens in etwa hinkommen.  Neben dem allgemeinen Risiko im Hinblick auf die Wirtschaftsentwicklung sehe ich das als ein spezielles Risiko: Der Investor kann nicht überprüfen, wie sein Vertragspartner bislang gewirtschaftet hat (in den anderen „Produktgesellschaften“ vermeldet Solvium  allerdings bislang eine 100{c4d35b5792cc51988bd071904680d4e9fed7c45edf4ebb9d0c6fbda6f40d0c1b}-Erfüllungsquote).

Wie viel Rendite bringt Container Select Plus?

Angesichts einer Basis-Miete von 4,1 Prozent und einem möglichen Bonus von 0,6 Prozent beträgt die Vorsteuer-Rendite bis zu 4,7 Prozent p.a. über die Laufzeit von 4,5 Jahren – allerdings ist das Agio von zwei Prozent aus dem Kaufpreis rauszurechnen, denn das Agio wird nicht erstattet.
Unterstellt man nur die fest zugesagte Miete von 4,1 Prozent p.a., um auf der sicheren Seite zu sein, so ergibt sich nach meinen Berechnungen ein interner Zinsfuß von 3,59 Prozent. Sofern die Sparer-Freibeträge von 801 Euro für Ledige, 1.602 Euro für Verheiratete nicht überschritten werden, bleibt der Ertrag auch von Abgeltungssteuer verschont. Ansonsten werden 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Soli sowie – bei Kirchenmitgliedern – Kirchensteuer abgezogen.

Sind die Freibeträge ausgeschöpft, so ergibt eine Nachsteuer-Rendite von etwa 2.6 Prozent. Der mögliche Miet-Bonus würde die Nachsteuer-Rendite auf gut 3 Prozent erhöhen. Allerdings ist mir anhand der Unterlagen nicht wirklich klar geworden, unter welchen Voraussetzungen ein solcher Bonus gezahlt wird. Ich habe Solvium-Geschäftsführer Marc Schumann in einem Interview dazu befragt (siehe unten).

Was ist steuerlich zu beachten?

Obwohl die Einnahmen als Mieten deklariert werden, ist laut Anbieter diese Investition steuerlich als Kapitalanlage vergleichbar einem Darlehen zu sehen. Das hat zur Folge, dass die Erträge der pauschalen Abgeltungssteuer unterworfen werden (sofern die Freibeträge überschritten sind), nicht dem meist höheren persönlichen Steuersatz wie bei Vermietung und Verpachtung. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung des Anbieters, der dazu ein Gutachten hat erstellen lassen. Das Finanzamt könnte meiner Erachtens das auch anders sehen – und Solvium weist auf dieses Risiko ebenfalls sehr ausdrücklich hin:

Die Finanzverwaltung könnte entgegen der hier vertretenen Rechtsauffassung die Auffassung vertreten, dass der Anleger wirtschaftlicher Eigentümer der Standardcontainer ist und die von diesem erzielten Einkünfte daher nicht solche aus Kapitalvermögen darstellen und daher nicht dem Abgeltungssteuersatz von 25{c4d35b5792cc51988bd071904680d4e9fed7c45edf4ebb9d0c6fbda6f40d0c1b} zzgl. Solidaritätszuschlag (und ggf. Kirchensteuer) unterliegen. In diesem Fall wären die Einkünfte als sonstige Einkünfte im Sinne des § 22 Nr. 3 EStG mit dem individuellenSteuersatz von bis zu 45 {c4d35b5792cc51988bd071904680d4e9fed7c45edf4ebb9d0c6fbda6f40d0c1b} zzgl. Solidaritätszuschlag (und ggf. Kirchensteuer) zu versteuern, so dass sich entsprechend höhere Steuerzahlungen ergeben.

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Sollte die Finanzverwaltung die Auffassung vertreten, dass der Anleger wirtschaftlicher Eigentümer der Standardcontainer ist, würden deren Vermietung und gegebenenfalls auch deren Verkauf umsatzsteuerbare und – mangels Steuerbefreiungsvorschrift – umsatzsteuerpflichtige Leistungen darstellen. Der Anleger müsste in diesem Fall den umsatzsteuerlichen Voranmeldungs-und Erklärungspflichten nachkommen und die in den Erträgen enthaltene gesetzliche Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Muss der Anleger Umsatzsteuer abführen, reduziert sich der vom Anleger erwartete Ertrag um die abzuführende Umsatzsteuer und ist entsprechend geringer.

Was nutzt die Sicherheitshinterlegung beim Treuhänder?

Die Anbieterin will bei einem unabhängigen Treuhänder drei Basismonatsmieten für die Anleger als Puffer für Mietausfall oder niedriger Kaufpreisrückzahlung hinterlegen. Im Verhältnis zum Kapitaleinsatz des Anlegers ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber die Idee ist nicht schlecht: Die Risiken des Geschäfts sind  vor allem Mietausfälle und die Dauer, die Stahlkisten wieder neu zu vermieten. Eine Neuvermietung dauert laut Solvium in der Regel etwa drei  Monate. Die Sicherheitshinterlegung über drei  Monate kann somit Totalausfall aller Mieter auffangen oder einen Ausfall von 25 Prozent aller Mieter für ein Jahr.

Welche sonstigen Risiken sehe ich bei Container Select Plus?

Einige wichtige Risiken hatte ich hier schon erwähnt:

  1. Das allgemeine Risiko, wie die Welt-Wirtschaft sich entwickelt und damit der Bedarf an Containern für Warentransporte.
  2. Das besondere Risiko beim Vertragspartner, der Emittentin, und dessen Geschäftserfolg. Selbst bei bester Konjunktur könne es z.B. Misswirtschaft geben. Dann sind nicht nur die Mieten in Gefahr, sondern auch der Rückkauf der Container.
  3. Das steuerliche Risiko, dass die Investition nicht als Geldanlage anerkannt wird. Die Nachsteuer-Rendite würde dann je nach persönlichem Steuersatz erheblich schlechter aufallen.

Ein weiteres Risiko sehe ich bei den Containern selbst. Sie können beschädigt oder gestohlen werden. Auf der einen Seite heißt es im Prospekt, die Container würden durch die Endnutzer bzw. die Containerleasingmanager mittels einer branchenüblichen AllRisk-Versicherung gegen alle typischen Risiken versichert. Andererseits wird auch eine Einschränkung deutlich gemacht:

Die Emittentin wird eine solche Versicherung nicht selbst abschließen. Ansprüche des Anlegers gegen die Emittentin wegen der Verschlechterung der Standardcontainer im Rahmen ihres bestimmungsgemäßen Verbrauchs bestehen nicht.

Das bedeutet: Wenn z.B. ein Container verschwindet und der Endnutzer oder Leasingmanager entgegen der vertraglichen Verpflichtung keine Versicherung abgeschlossen hat, dann geht das zu Lasten des Anlegers: Er hat keinen Container, den er zurückgeben kann, folglich hat er keinen Anspruch auf Kaufpreisrückzahlung. Einen irgendwo in der Welt ansässigen Container-Nutzer werden Vertragsverletzung haftbar zu mache, dürfte für den Anleger kaum realistisch sein.

Mein Fazit zu Container Select Plus:

Das Angebot hat für mich Elemente einer Unternehmensanleihe: Der Anleger gibt Summe X, erhält dafür laufende Ausschüttungen (in diesem Fall Mieterlöse statt Zinsen) und Ende sein Geld zurück, nicht jedoch das Agio. Wie bei einer Unternehmensanleihe besteht für den Anleger vor allem das Risiko, ob die Geschäfte so gut laufen, dass die Ausschüttungen gezahlt und der Kapitaleinsatz zurückgezahlt werden können. Das Geschäft ist in diesem Fall der Container-Handel, also Vermietung und Verkauf.

Anders als bei einer typischen Unternehmensanleihe wird ein Bonus in Aussicht gestellt, wenn das Geschäft besonders gut läuft. Der Anleger ist aber nicht an dem Unternehmen beteiligt. Bei einer Unternehmensanleihe wird üblicherweise die Verzinsung und die Bonität gegeneinander abgewogen. Eine Verzinsung in diesem Fall von 3,6 Prozent p.a. (Agio berücksichtigt, den möglichen Bonus nicht), ist attraktiv angesichts des aktuellen Marktniveaus. Die Bonität der Emmitentin als neu neugegründetes Unternehmen lässt sich aber nicht einschätzen.

Ein wesentlicher Unterschied zur Investition in eine Unternehmensanleihe ist gleichwohl die Tatsache, dass der Anleger einen Sach- und Vermögenswert kauft, nämlich den Container. Sollte die Emittentin nicht zahlen können, bleibt der Anleger Eigentümer. Das reduziert das Risiko. So hat der Anleger im Insolvenzfall eine Grundlage, seine Miet- und Rückkaufansprüche anzumelden. Seine Container fallen nicht in die Insolvenzmasse.

Im Vergleich zu „Container Invest 13 05“ würde ich sagen: Ein Vorteil ist, dass es eine Rücknahmepflicht gibt. Ein Nachteil ist, dass auf Grund des Agios die Vorsteuer-Rendite geringer ist. Während bei 13-05 der Schwerpunkt auf hohe monatliche Mietzahlungen liegt, spricht Container Select Plus Anleger an, die am Laufzeitende ihr volles Geld wieder haben möchten.

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Marc Schumann, Geschäftsführer von Solvium Capital  im Interview zu Container Select Plus.

Interview mit Marc Schumann, Geschäftsführer Solvium Capital:

In zwei Sätzen: Warum ist Container Select Plus, kurz CSP, für Geldanleger aus Ihrer Sicht interessant?

Anleger haben damit die Möglichkeit, am weltweiten Containervermietmarkt zu partizipieren und attraktive Renditen zu erwirtschaften. Im Gegensatz zu vielen anderen Container-Direktinvestments bietet CSP die Möglichkeit monatliche Mieteinnahmen und zum Ende der Laufzeit den vollen Kaufpreis zurück zuerhalten.

Sie stellen einen zusätzlichen Mietzins von 0,6 Prozent in Aussicht, ermessensabhängig. Gibt es für das Ermessen irgendwelche greifbaren Kriterien?

Einzelheiten sind auf Seite 38 im Prospekt geregelt. Das stellt den Rahmen. In diesem gibt es jedoch Spielräume für die Geschäftsführung. Prioritäten haben die Zahlung der Basismiete und des Rückkaufpreises. Sind diese in Gefahr, dient der Bonus als Sicherheitspuffer. Da die Zahlung des Bonus reputationsrelevant ist, wird dieser auch nur genutzt, wenn es wirklich nötig ist und nicht um beispielsweise Margen zu erhöhen. Solvium hat ein hohes Interesse an dem Erhalt der bisherigen 100 {c4d35b5792cc51988bd071904680d4e9fed7c45edf4ebb9d0c6fbda6f40d0c1b}-Erfüllungsquote aller Angebote unseres Hauses.

Der Vertrag ist kompliziert: Kauf, Vermietung, Rückkauf. Warum bieten Sie das nicht einfach als Unternehmensanleihe an?

Der Vertrag ist umfangreich, regelt aber alle nötigen Details, ähnlich dem Kauf und der Vermietung einer Wohnung. Es ist alles geregelt. Und dem Anleger bleibt im Falle eines Falles sein Eigentum – das ist ein Insolvenzschutz. Das hat er bei einer Unternehmensanleihe nicht. Wir sind der Überzeugung, dass dieses Direktinvestment transparenter und sicherer für Anleger ist. Auch eine Zweckentfremdung ist nicht möglich. Zudem bieten u.a. Härtefallschutz und Sicherheitshinterlegung besondere Vorteile.

Bei Mietzahlung und Rücknahme muss ich mich auf eine Firma verlassen, die noch keinen Jahresabschluss aufgestellt hat. Was jemanden sagen, der das Besorgnis erregend findet?

Es hat sich zur „Assethygiene“ bewährt, einzelne Verwaltungsgesellschaften zu verwenden. So läuft ein Anleger nicht Gefahr für seine Investment, wenn es anderes Produkt, aus welchem Grund auch immer, in Schieflage geraten würde. Diese Gesellschaft hat außer 2.000 Euro p.a. Haftungsvergütung keinerlei Kosten. Alle Kosten werden durch die Anbieterin übernommen. Zudem werden die zukünftigen Jahresabschlüsse durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft und der Verlauf des Angebots durch unseren jährlichen Portfoliobericht dargestellt. Jeder Investor erhält zudem als Eigentumsnachweis ein Eigentumszertifikat mit den Seriennummern seiner Container. Wenn die Besorgnis trotzdem bleibt, sollte ein Anleger nicht zeichnen.

Warum sollte ein Anlerger Container Select Plus wählen und nicht Container Invest 13-05?

Es ist ein anderes Konzept, nämlich 100{c4d35b5792cc51988bd071904680d4e9fed7c45edf4ebb9d0c6fbda6f40d0c1b} Kapitalrückzahlung, dafür weniger laufende Auszahlungen; Abgeltungssteuer, dafür keine AfA-Möglichkeit; fester Rückkaufpreis statt Option, zusätzlich Härtefallschutz sowie eine Sicherheitshinterlegung bei einem Treuhänder. Keines der beiden Konzepte ist besser, es gibt aber Anleger, zu deren Wünsche und Ziele eines der Beiden besser geeignet ist.



Bewertungen & Erfahrungen: Finanzexperte Andreas Kunze » Allgemein » Check: Container Select Plus (Solvium Capital)