Rauchfrei dank GDV-„Arschloch“

Heute ist Weltnichtraucher-Tag, und dieser Tag erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit für den Versichererverband GDV. Denn es war ein „Arschloch“ dieses Vereins, das mich bei der Entwöhnung vor gut fünf Jahren wirkungsvoll unterstützt hat.
Das kam so: Wieder mal hatte ich einen Urlaub dazu genutzt, um von den Kippen loszukommen. Mehr als zwei Schachteln pro Tag waren es am Tag gewesen. Der erneute Versuch war gründlich vorbereitet, vor allem war es ein gemeinsames Projekt von Deutschlands bester Ehefrau und mir.
Doch schon am ersten Tag nach dem dreiwöchigem Urlaub wäre es beinahe wieder losgegangen. Auf dem Schreibtisch im „Handelsblatt“ fand ich neben viel anderer Post eine Notiz der Chefredaktion mit der Bitte um Rücksprache wegen eines bösen Briefes des Versichererverbandes GDV. Der Präsident höchstpersönlich hatte sich in meiner Abwesenheit über mich beschwert. Auslöser dafür war ein Leitartikel gewesen, der sich mit dem Pleiterisiko von deutschen Lebensversicherern beschäftigt hatte (es hatte zu diesem Zeitpunkt einige Pleiten in Japan gegeben und so kam die Frage auf, ob das auch in Deutschland möglich sei). Mein Fazit war: Ja, das Risiko besteht auch in Deutschland, wenngleich aus anderen Gründen. Ich hielt es für notwendig, dass endlich wie für Banken ein Sicherungfonds geschaffen würde.

Die Art und Weise wie GDV-Präsident in seinem Brief über mich herzog, war beleidigend. Über etwa drei Seiten erklärte er meinen Vorgesetzten sinngemäß, ich sei ein ahnungsloser Dummkopf. Es war genau die Art und Weise, wie ich die Pressearbeit des Versichererverbandes über Jahre eingeschätzt hatte: Linientreue Journalisten werden, sagen wir mal, „gefördert“, die anderen, sagen wir mal, „blockiert“.

Ich hatte diese präsidiale Journalisten-Diffamierung gerade gelesen, da setzte das ein, was viele Neu-Nichtraucher kennen: dieses Verlangen, sich eine anzuzünden. Weil man innerlich so aufgewühlt ist. Weil man sich in solchen Situationen immer eine anzündet. Ich stand schon bei der Kollegin im Zimmer, um mir eine zu schnorren. Da brach es aus mir raus: „Nicht wegen diesem Arschloch“, sagte ich ziemlich laut. In mehreren Variationen erklärte ich, ich würde wegen diesem Arschloch nicht wieder anfangen zu rauchen. Schließlich ging ich eine Stunde spazieren, schimpfte fortwährend auf das „Arschloch“ – aber blieb clean.
Im Nachhinhein kann ich sagen, dass es die entscheidende Bewährungsprobe für mich als Nichtraucher war. Ich habe sie mit unzähligen Archlochflüchen überstanden und alles was danach kam, war nicht mehr so wild. Eine Zigarette habe ich nie wieder in die Hand genommen.

Ach ja: Gut zwei Jahre später baute der GDV eine freiwillige Sicherungseinrichtung für Lebenversicherer auf, wenig später kollabierte die Mannheimer Leben, weitere Gesellschaften standen kurz davor. Seit Jahresanfang 2005 ist ein Sicherungsfonds gesetzlich vorgeschrieben.

3 Kommentare

  1. Veröffentlich von Peter Fisch am 1. Juni 2005 um 10:07

    Gl

  2. Veröffentlich von Raider am 1. Juni 2005 um 01:48

    Hast Du den Handelsblatt-Artikel noch ?

  3. Veröffentlich von Volker am 31. Mai 2005 um 19:21

    Interessante Story. Ich bin zwar seit einem Monat "nur" Jetzt-viel-weniger-Raucher(von 50 runter auf 10-15), kenne aber das Gef

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