PSD Bank Rhein Ruhr: Neue Märchen vom Garantiezins

Im nächsten Jahr (2012) sinkt der „Höchstrechnungszins“ für neu abgeschlossene Lebensversicherungen von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent. Davon betroffen sind ebenfalls Rentenversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Der Höchstrechnungszins gibt an, wie viel Zins maximal ein Lebensversicherer versprechen darf (s. auch Finblog vom 24.2.11) Der Höchstrechnungszins wird gerne auch „Garantiezins“ genannt, obwohl kein Lebensversicherer verpflichtet ist, diesen Zins zu garantieren.

Es war zu erwarten, dass manche Vertreter den sinkenden Höchstrechnungszins nutzen werden, um mögliche viele neue Lebens- und Rentenversicherung in diesem Jahr noch zu vermitteln.
Was für Geschichten rund um den „Garantiezins“ aufgetischt werden, zeigt aber auch die genossenschaftliche PSD Bank Rhein Ruhr, die Policen der RuV-Versicherung vermittelt. Für ihre aktuellen „Verbraucherinfos“ hat die PSD Bank Rhein Ruhr offenbar alle Milchmädchen der Region zusammengetrommelt:

Was es bedeutet, wenn man zu spät mit der Altersvorsorge beginnt, zeigen kurze Rechenbeispiele mit dem aktuellen Garantiezinssatz von Rentenversicherungen: Um bei einem jährlichen Zinssatz von 2,25 Prozent bis zum Alter von 65 Jahren 100.000 Euro anzusparen, muss ein 30-Jähriger monatlich 157 Euro anlegen. Bis zum 65. Lebensjahr hat er damit 66.003 Euro aufgebracht. Beginnt ein 40-Jähriger mit dem Sparen, muss er bei der gleichen Zielsumme monatlich bereits 249 Euro zahlen. Sein Eigenanteil beträgt insgesamt 74.679 Euro. Noch einmal zehn Jahre später wird es richtig teuer: Ein 50-Jähriger muss monatlich 468 Euro zurücklegen und damit insgesamt 84.157 Euro, um auf 100.000 Euro zu kommen. Im Vergleich zu einem 30-Jährigen muss er also knapp 18.000 Euro mehr aufbringen und hat monatlich eine weitaus höhere finanzielle Belastung.

Die Zahlen sind vollkommen richtig – haben allerdings einen entscheidenden Haken: Anders als die Rechenbeispiele suggerieren, werden nicht die monatlichen Einzahlungen des Kunden mit dem „Garantiezins“ verzinst. Lediglich der Sparanteil der Prämie wird verzinst. Das sind abhängig von den Kosten der Versicherungsgesellschaft mal 80, mal nur 70 Prozent der monatlichen Prämie. Die Stiftung Warentest schreibt:

Schon heute bleibt bei teuren Versicherern von den derzeit geltenden 2,25 Prozent Garantiezins nur 1 Prozent und weniger übrig – auf den Beitrag gesehen.

Die Rechenbeispiele der PSD Bank Rhein Ruhr sollte man also nicht so verstehen, dass nach 35 Jahren monatlicher Einzahlung von 157 Euro garantiert 100.000 Euro rauskommen. Das garantierte Kapital wird bei einer Renten- oder Lebensversicherung garantiert deutlich geringer sein.
Zum Nachrechnen konkreter Angebote empfehle ich diesen Fintext-Rechner.

Im letzten Absatz der „Verbraucherinfo“ kommt die PSD Rhein Ruhr dann zum Appell, doch möglichst bald eine Rentenversicherung abzuschließen:

Ein weiterer Grund, bald mit dem Sparen fürs Alter zu beginnen: Derzeit liegt die Garantieverzinsung für Rentenversicherungen noch bei 2,25 Prozent pro Jahr, ab 2012 hat der Gesetzgeber für Neuverträge einen Satz von 1,75 Prozent vorgegeben. Dadurch dauert es insgesamt länger, sein Sparziel zu erreichen.

Wenn der Höchstrechnungszins sinkt, müssen neue Kunden nicht zwangsläufig länger einzahlen oder mehr einzahlen. Entscheidend ist die Gesamtverzinsung. Ob davon 2,25 oder 1,75 Prozent garantiert sind, ist egal. Selbst der Versichererverband GDV sagt klipp und klar:

Der sogenannte Garantiezins bestimmt nur einen Teil der tatsächlichen Ablaufleistungen und entscheidet nicht darüber, wie rentabel eine Lebensversicherung tatsächlich ist.

Viel wichtiger als der Garantiezins ist es, ein Unternehmen mit geringen Kosten und guter Ertragslage zu finden.

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