Private Krankenversicherung: Risikozuschläge

Wie hoch die Prämie bei einer privaten Krankenversicherung ausfällt, hängt unter anderem ab vom Gesundheitszustand. Etwa jeder 10. Kunde muss deswegen einen Risikozuschlag zahlen – nach einigen Jahren lässt sich aber neu verhandeln und Geld sparen.

Während gesetzliche Krankenkassen grundsätzlich jeden nehmen müssen, der zur Mitgliedschaft berechtigt ist, können die 50 privaten Krankenversicherer auf Vertragsfreiheit pochen: Es ist jeweils eine Einzelfall-Entscheidung, ob ein Antragssteller überhaupt versichert wird – oder zu welchen Konditionen. Ein wichtiges Kriterium dabei ist die Risikoprüfung: Schon vermeintlich harmlos wirkende Vorerkrankungen können dazu führen, dass der Antrag abgelehnt, nur mit Risikoausschlüssen oder mit Prämienzuschlägen angenommen wird.

Risikoausschluss bedeutet: Der private Versicherer ist bei bestimmten Erkrankungen leistungsfrei. Hatte der Antragssteller zum Beispiel Behandlungen wegen auffälliger Muttermale, kann es ihm passieren, dass die Gesellschaft das Risiko von Hautkrebs-Behandlungen ausschließen will. „Selbst wenn der Ausschluss auf drei oder fünf Jahre nach Vertragsbeginn befristet wird, geht der Kunde dabei meist ein unkalkulierbares Risiko ein“, sagte der gerichtlich zugelassene Versicherungsberater Andreas Kutschera. „Denn wenn was passiert, muss er alles aus eigener Tasche zahlen.“

Jeder 10. PKV-Kunde hat Risikozuschlag

Die andere Variante ist der Risikozuschlag. Immerhin jeder 10. der rund acht Millionen Vollversicherten ist davon betroffen, ergab die Studie einer Ratingagentur. Ein Heuschnupfen, ein Bandscheibenvorfall, Gastritis oder Krampfadern sind zum Beispiel Vorerkrankungen, für die die privaten Versicherungen üblicherweise eine Extra-Prämie verlangen. Der Zuschlag beträgt allein für Krampfadern oft schon 50 Prozent auf die Prämie, die ein vollständig gesunder Kunde zu zahlen hätte.

Deswegen im Antrag zu schummeln und solche Vorerkrankungen zu verschweigen ist kein Ausweg: Erfährt die Gesellschaft später davon (etwa durch Arztberichte), kann sie dem unehrlichen Kunden Leistungen verweigern, unter Umständen sogar vom Vertrag zurücktreten – der Kunde steht dann trotz jahrelanger Prämienzahlung ohne Versicherungsschutz da.
Wer eine Extra-Prämie aufgebrummt bekam, muss sich aber nicht dauerhaft damit abfinden. „Oft werden die Risikozuschläge zeitlich begrenzt, etwa auf drei Jahre“, sagt Experte Kutschera. „Nach Ablauf dieser Zeit kann der Kunde verlangen, dass der Zuschlag entfällt. Leider machen viele Gesellschaften nicht darauf aufmerksam, wenn die Zeit rum ist. Der Kunde muss dann schon selber aktiv werden.“

Gibt es keine vertragliche Regelung über die Dauer eines Risikozuschlages, sollte der Kunde dann auf einen Nachlass bestehen, wenn seine frühere Erkrankungen ausgeheilt ist, zum Beispiel eine überwundene Gastritis. „Da lohnt sich Hartnäckigkeit des Kunden“, weiß Kutschera. „Die Gesellschaften verzichten zwar nur ungerne auf Prämieneinnahmen, aber wenn kein zusätzliches Risiko mehr besteht, dann fehlt auch die Rechtsgrundlage für eine erhöhte Prämie.“
Zeigt sich der private Versicherer übrigens bei der Gesundheitsprüfung und Risikozuschlägen äußerst großzügig, ist das kein gutes Zeichen: Denn er lockt dann all jene an, die woanders gar nicht oder nur zu höheren Prämien versichert würden. Es entsteht ein Club der Kranken – und nach einiger Zeit explodieren die Prämien für alle Versicherten.

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