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„Plusminus“ lobt die Riester-Rente

Dass die Riester-Rente promotet wird, daran haben derzeit vor allem zwei Seiten Interesse:
Einerseits ist das die Versicherungswirtschaft, denn die Kapiallebensversicherung mit Steuerpflicht ist kaum noch verkäuflich. Andererseits ist das die Bundesregierung, die sich natürlich gerade in Wahlkampfzeiten ungern nachsagen lassen möchte, einen gewaltigen Flopp verantworten zu müssen.

Passend dazu erklärte gestern Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) in Berlin, nach 300. 000 Neuabschlüssen im ersten Halbjahr 2005 gebe es nun über 4,5 Millionen Riester-Verträge. In den ersten sechs Monaten seien mehr Neuabschlüsse zu verzeichnen gewesen als im Gesamtjahr 2004. Ebenfalls passend dazu brachte „Plusminus“ vom WDR in Köln gestern eine Eloge auf die Riester-Rente.

In bester Drückerkolonnen-Rethorik hieß es da, Sparer könnten“kaum vorstellbare 866 Prozent“ Rendite erreichen. Um das unter Beweis zu stellen, präsentierte der WDR eine Familie mit vier Kindernund einem Minieinkommen. Bei 60 Euro Eigenleistung pro Jahr kämen 520 Euro dann vom Staat hinzu. „Am Jahresende liegen 580 Euro auf dem Riester-Konto“, heißt es im Begleittext.

Der Schönheitsfehler an dieser Rechnung: Es gibt gar kein „Riester-Konto“. Richtig wäre lediglich die Aussage, dass die Familie innerhalb eines Jahres 580 Euro für einen (Versicherungs-)Vertrag eingezahlt hat, wovon lediglich 60 Euro aus der eigenen Geldbörse stammen. Wie viel nach Abzug der Kosten usw. übrig bleibt, ist derzeit unbekannt (Besserung ist ab 2008 in Sicht).

Außerdem wird die Kinderzulage nur so lange gezahlt wie Anspruch auf Kindergeld besteht. Unsere fortpflanzungsfreudige Familie wird daher eines Tages einen deutlich höheren Eigenanteil zahlen müssen. Sollte die Mutter dann vielleicht noch arbeiten und das Familieneinkommen erhöhen, gerät die WDR-Rechnung noch mehr aus den Fugen.
Vor allem kann die Familie nicht etwa über das Geld verfügen – sie hat lediglich die Anwartschaft auf eine später voll zu versteuernde Rente erworben.

Eine Rendite lässt sich daher leider erst feststellen, wenn das Ehepaar tot ist – dann erst weiß man, wie viel Eigenanteil tatsächlich zu zahlen war und wie lange die Rente als Kapitalrückfluss gezahlt wurde.


Kommentare

AKU 19. August 2005 um 08:51

@Versicherungsvermittler:

Das gesamte Beispiel im Filmbeitrag ist m.E. absurd und (politisch) tendenzi

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Der_Jan 18. August 2005 um 17:19

Bei dem Beitrag bin ich beim Durchschalten (leider) auch h

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AKU 18. August 2005 um 00:32

@Peter: Gesetzliche und private Versicherer haben eine unterschiedliche Definition von Berufsunf

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Peter 18. August 2005 um 00:00

Mir fehlte nach dem Beitrag der Hinweis des PM-Moderators: "Liebe Zuschauer, gerade haben wir Ihnen in bester Dr

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