Skip to main content

Lebensversicherung: Sonderkündigung erst nach 3 Jahren (Focus.de)

Eine Vielzahl von Medien beschäftigt sich seit vergangenem Freitag mit der nun endgültig beschlossenen Reform des Versicherungsrechts, dem neuen Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Eigentlich steht überall das Gleiche drin: Mehr Rechte für Kunden, alles wird schöner, bunter und besser. Ein Artikel bei Focus.de lässt allerdings vermuten, dass den Kunden von Lebensversicherungen eine ziemliche Kröte reingewürgt wird: Focus.de schreibt:

Die Vertragslaufzeit soll grundsätzlich der freien Entscheidung zwischen Versicherern und Kunden überlassen bleiben. Im Interesse des Versicherten wird aber ein  Sonderkündigungsrecht zum Ende des dritten und jedes folgenden Versicherungsjahres vorgeschrieben.

Ein Sonderkündigungsrecht zum Ende des dritten Versicherungsjahres???
Das wäre eine grandiose Verschlechterung für die Kunden von Lebensversicherungen (dazu gehören auch Renten- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen). Das könnte man dann auch als eine neue gesetzliche Mindestvertragslaufzeit betrachten.

Bislang kann nämlich eine Lebensversicherung jederzeit gekündigt werden, und zwar Schluss der laufenden Versicherungsperiode (§ 165 VVG). Bei monatlicher Zahlungsweise gilt der Monat als Periode, so dass der Kunde jederzeit aussteigen kann, sei es nach drei Monaten oder einem Jahr. Nachteil bislang: Wer innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre kündigt, kriegt wegen der Prämien-Verrechnung mit Abschlusskosten nichts oder fast nichts von seinem Geld zurück.

Künftig soll der Kunde wenigstens einen Teil seiner Prämien zurückbekommen – das wird auch gar kein Problem für die Lebensversicherer sein, wenn der Kunde mindestens drei Jahre Prämien einzahlen muss. Er kriegt dann etwa die Hälfte seiner Einzahlungen zurück, die andere Hälfte ist wie bisher für den Vertreter und die Versicherung.

Nachtrag (10.30 Uhr): Nach Ansicht des Bundes der Versicherten (BdV) wird es auch künftig möglich sein, eine Lebensversicherung zum Ende der Versicherungsperiode zu kündigen. Die 3-Jahres-Regelung stünde im neu gefassten § 5 VVG – eine allgemeine Regelung, durch die bislang z.B. lang laufende Unfallversicherungen vorzeitig nach fünf Jahren beendet werden können. Dieses Sonderkündigungsrecht wird auf drei Jahre verkürzt.

Entfallen werde der Satz, dass diese Vorschrift ausdrücklich nicht für Lebens-und Krankenversicherungen gilt. Es gebe es weiterhin aber auch eine Spezialvorschrift für Lebensversicherungen, und zwar nach § 168 VVG, wonach weiterhin eine Kündigung zum Ende einer Versicherungsperiode möglich ist.
Der Gesetzgeber schafft also, wenn ich das richtig verstehe, zwei Kündigungsvorschriften für Lebensversicherungen. Man kann sich dann die aussuchen, die einem besser gefällt.

Nachtrag (15 Uhr): Das Bundesjustizministerium hat mir gerade bestätigt, dass es künftig zwei Kündigungsvorschriften für Lebensversicherungen geben wird, als allgemeine Vorschrift für alle Versicherungen (nach 3 Jahre möglich) und als besondere Vorschrift (zum Ende einer Versicherungsperiode möglich). Eine Änderung der Rechtslage sei damit aber nicht beabsichtigt gewesen.


Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


Beliebte Suchen mit Google


was ist eine versicherungsperiode (32)versicherungsperiode lebensversicherung (24)versicherungsperiode (23)sonderkündigungsrecht lebensversicherung (11)versicherungsperiode was ist das (10)
Bewertungen & Erfahrungen: Finanzexperte Andreas Kunze » Finanzwissen » Lebensversicherung: Sonderkündigung erst nach 3 Jahren (Focus.de)