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Mit dem „Riester-Trick“ schon jetzt die Abgeltungsteuer umgehen

In der Bundesregierung gibt es Pläne, das Steuerprivileg der Lebensversicherung auf andere langfristige Geldanlagen zu übertragen. Die Abgeltungssteuer würde dann entfallen. Möglich ist das schon heute: Wenn Sparer in ungeförderte Riester-Verträge investieren. Was ist davon zu halten?

Einen handfesten Nachteil bedeutet die Abgeltungssteuer für Anleger, die in Aktien oder in Investmentfonds anlegen. Früher waren Kursgewinne bei solchen Papieren komplett steuerfrei, wenn der Anleger die Papiere länger als ein Jahr im Depot hielt. Diese Spekulationsfrist ist entfallen – auch auf Kursgewinne wird grundsätzlich die 25prozentige Abgeltungssteuer fällig.

Die Finanzindustrie hat einen Ausweg gefunden: mit ungeförderten Riester-Verträgen. Wer in einen bestehenden Riester-Vertrag mehr einzahlt als notwendig (vier Prozent vom Vorjahreseinkommen für volle Förderung) oder einen separaten Riester-Vertrag ohne Anspruch auf Zulagen abschließt, kann über die gesamte Ansparphase den Steuerabzug verhindern. Ab dem 60. Lebensjahr kann das gesamte Geld in einer Summe ausgezahlt werden, anders als regulären Riester-Verträgen gibt es keine Begrenzung auf 30 Prozent des Kapitals.

Steuervorteil ohne Riester-Einschränkungen

Erst mit der Auszahlung greift der Fiskus zu. Die Hälfte des gesamten Kapitalertrages ist auf einen Schlag mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Das entspricht der Regelung für Lebensversicherungen. „Der Vorteil besteht vor allem darin, dass sich das Guthaben bis dahin mit Zinseszinseffekt ungestört vermehren kann und nicht jedes Jahr durch den Abzug von Abgeltungssteuer vermindert wird“, sagt Rainer Zuppe, Fondsexperte der Stiftung Warentest. Unterm Strich kann dadurch das Nachsteuer-Guthaben eines zweckentfremdeten Riester-Vertrages tatsächlich deutlich höher ausfallen (s. Berechnung).

Bei diesem Steuerspar-Modell gibt es jedoch einige Punkte zu berücksichtigen:
– Sparerfreibetrag:
Wenn die Kapitalerträge in den Grenzen der jährlichen Sparerfreibeträge bleiben (801 Euro Ledige, 1602 Euro Verheiratete) und dadurch keine Abgeltungssteuer anfällt, nutzt der Riester-Trick gar nichts. Der Anleger würde sogar unnötig viel Steuern zahlen, weil er am Ende der Ansparphase die Hälfte aller Kapitalerträge auf einen Schlag versteuert – dann nämlich wird der Sparerfreibetrag nicht mehr ausreichen.
– Fondsauswahl:
Während der normale Fondssparer aus Tausenden Fonds wählen kann, muss der Riester-Kunde sich mit einer beschränkten Fondsauswahl zufrieden geben. Die besten Fonds, wie sie die Zeitschrift Finanztest regelmäßig auflistet, sind so möglicherweise gar nicht zu bekommen. „Eine langfristig gute Performance des Fonds ist wichtiger als steuerliche Überlegungen“, so Experte Zuppe.
– Fondskosten:

Einen wesentlichen Einfluss auf das Endergebnis haben die Fondskosten, insbesondere die Ausgabeaufschläge und Verwaltungskosten. Riester-Fonds sind zwar nicht zwangsläufig teurer als gewöhnliche Fonds. Es gibt aber auch Riester-Fondssparpläne, bei denen die Abschlusskosten für die gesamte Laufzeit dem Kunden bereits in den ersten Jahren belastet werden (Brachenjargon: „gezillmert“). Den Nachteil bemerkt er dann, wenn vorzeitig aussteigt. Wie bei einer frühzeitig gekündigten Lebensversicherung gibt es weniger zurück als eingezahlt, unabhängig von etwaigen Kursverlusten. Experte Zuppe: „Von gezillmerten Riester-Fondssparplänen sollte der Anleger besser die Finger lassen.“


Kommentare

Nils 18. Februar 2011 um 23:52

Irgendwie erscheint mir die Abgeltungssteuer da wirklich als geringeres

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