Ehrenamt: Minijob und Übungsleiterpauschale kombiniert

Kirchliche Arbeitgeber nutzen laut WirtschaftsWoche zunehmend eine Lücke im Sozialrecht, um sich vor der Zahlung von Sozialabgaben etwa für Krankenkassen zu drücken. Nach Recherchen des Magazins werden immer häufiger Minijob und Übungsleiterpauschale kombiniert. Dabei wird eine Tätigkeit im Minijob zugleich als ehrenamtliche Leistung ausgewiesen. Dieses Schein-Ehrenamt ermöglicht es dann, zusätzliche 2400 Euro im Jahr abgabenfrei auszuzahlen.

Die Voraussetzungen für die Übungsleiterpauschale:

Arbeitnehmer und Selbstständige können mit der Übungsleiter-Pauschale bis zu 2.400 Euro im Jahr steuer- und sozialabgabenfrei dazuverdienen. Der volle Jahres-Freibetrag kann selbst dann beansprucht werden, wenn nur wenige Monate im Jahr gearbeitet wurde.Folgende Voraussetzungen müssen nach Paragraf 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz erfüllt sein:

  • Es handelt sich um einen Nebenjob
  • Der Arbeitgeber ist eine gemeinnützige oder öffentlich-rechtliche Körperschaft
  • Die Tätigkeit dient gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken

Als begünstigte Arbeitgeber kommen alle Vereine, Verbände und Stiftungen in Frage, die von der Steuer befreit sind, weil sie gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Ziele haben. Zu den öffentlich-rechtlichen Körperschaften zählen etwa Volkshochschulen, Religionsgemeinschaften, Innungen, Handwerks-, Industrie- und Handelskammern, Berufsgenossenschaften, Universitäten und Fachhochschulen außerdem Behörden und Einrichtungen des Bundes, der Länder, Kreise, Kreisverbände und Gemeinden.

Typische Tätigkeiten, die der Gesetzgeber fördert, sind zum Beispiel die des Sporttrainers, des Sport- oder Jugendwarts, des Chorleiters oder des Dozenten an einer Volkshochschule. Auch nebenberufliche künstlerische Tätigkeiten oder die nebenberufliche Pflege alter, kranker sowie behinderter Menschen kann begünstigt sein. Bei einer Putzfrau oder einem Hausmeister gilt die Steuerbegünstigung aber in keinem Fall.

In Kombination mit Minijob bis 650 Euro steuerfrei

Die Kombination der Übungsleiterpauschale mit einem Minijob ist zulässig, wodurch bis zu 650 Euro Einkommen im Monat ohne Abzüge möglich werden (450 Euro Minijob-Gehalt plus 200 Euro Übungsleiterpauschale). Für die ersten 450 Euro zahlt der Arbeitgeber Pauschalbeträge zur Kranken- und Rentenversicherung in Höhe von inzwischen 28 Prozent sowie die einheitliche Pauschalsteuer von 2 Prozent. Für die weiteren 200 Euro greift die Übungsleiter-Pauschale. Legt der Nebenjobber eine Steuerkarte vor, kann der Freibetrag schon während des Jahres berücksichtigt werden, ansonsten erst bei der Steuererklärung. Zusätzlich können unter anderem folgende Zahlungen steuerfrei sein:

  • Aufwendungsersatz aus öffentlichen Kassen (§ 3 Nr. 12 Einkommensteuergesetz, EStG)
  • Erstattung von Reisekosten zu auswärtigen Auftritten, Spielen und Einsätzen (§ 3 Nr. 16 EStG).

3 Kommentare

  1. Veröffentlich von Horst Deitenbach am 13. Februar 2020 um 14:58

    Hallo, wenn ich als Regelaltersrentner beispielsweise einen Minijob (450€) in einem Privathaushalt habe, wie würde sich da ein Ehrenamt mit 200€ Übungsleiterpauschale einer sozialen Einrichtung auswirken?
    Freundlich grüßt
    Horst Deitenbach

  2. Veröffentlich von Uli am 14. August 2019 um 18:57

    Hallo Herr Kunze, wie ist die Umsetzung bei Betriebsprüfungen dazu. Wie wird das da gehandhabt. Das wäre eigentlich jetzt interessant und von großem Interesse, da es viele Minijober im sozialen, gefragten Bereich gibt, die das betrifft.

  3. Veröffentlich von Kirstin Young am 8. Juli 2019 um 12:24

    Hallo,
    es ist also möglich, bei dem selben Arbeitgeber einen Minijob und einen Übungsleitervertrag zu haben, auch wenn bei beiden die gleiche Tätigkeit ausgeübt wird?

    Danke
    viele Grüße
    Kirstin

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