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Lehman und die Versagerzentralen

Der Jahrestag der Lehman-Pleite ist eine prima Gelegenheit, etwas Lobbyarbeit zu betreiben. Das dachte sich offenbar der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) und veröffentlichte eine Pressemitteilung mit dem Titel „Verbraucherschutz muss Teil der Finanzaufsicht werden“. Einige Themen müssten, so der vzbv, nach der Wahl „umgehend wieder auf den Tisch“.

Zwar ist nicht mehr davon die Rede, dass Verbraucherzentralen „Finanzmarktwächter“ werden wollen, aber Honig saugen möchten die Verbraucherzentralisten schon ein wenig aus dem Jahrestag des Desasters. Neben einer „Veränderung der Anreiz- und Provisionssysteme von Finanzvermittlern“ fordert der vzbv zum Schluss:

Stärkung der anbieterunabhängigen Verbraucherberatung, insbesondere durch einen massiven Ausbau des Finanzberatungsangebots in den Verbraucherzentralen der Länder

Also mehr Steuergeld für Verbraucherzentralen soll her. Das wäre allerdings vermutlich die nächste Fehlinvestition, denn gerade der Fall Lehman lässt m.E. die Verbraucherzentralen als nutzlose Versagerzentralen erscheinen.

Dass Zertifikate ein Emittentenrisiko haben, wusste jeder, der sich ein wenig Finanzen beschäftigt. Aber wo waren die Warnungen an die Verbraucher VOR dem Crash? In dem Millionen-Budgets wären doch zwei, drei Pressemitteilungen drin gewesen, etwa: „Run auf Zertifikate – Vorsicht, Totalverlustrisiko!“

Ich habe beim vzbv online nach Infos zu Zertifikaten gesucht. Außer einer Buchempfehlung „Richtig investieren in Wertpapiere“ waren Zertifikate vor dem Crash nur als CO2-Zertifikathandel ein Thema.

Ich habe bei der Verbrauchzentrale NRW, der größten Verbraucherzentrale, nach Zertifikate-Infos gesucht. Fundstellen vor dem Crash: Wieder nur Werbung für das Buch aus 2005. Per Google fand ich schließlich eine Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Brandenburg aus dem Jahr 2007, die mit Zertifikaten zu tun hatte. Mit einem Hinweis auf das Risiko von Zertifiakten? Nein, es ging um die Provisionen.

Sollten die Nachher-Sind-Wir-Schlauer-Experten zum Todestag der Kaupthing Bank Deutschland eine ähnliche Pressemitteilung herausgeben, werde ich mal danach suchen, welche Verbraucherzentrale rechtzeitig die Öffentlichkeit vor Geldanlagen dort gewarnt hat.


Kommentare

DPW 20. September 2009 um 20:41

Vor ein paar Wochen war ein kritischer Artikel zu Verbarucherzentralen in der SoFAZ – auch das Thema Kaupting wurde dort erw

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Janet 16. September 2009 um 14:46

Das ist ja das Problem. Die die sich als die Berater und Experten hervortun sind meist genauso Ahnungslos wie die K

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Pr 16. September 2009 um 10:48

dann d

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Jochen 16. September 2009 um 00:47

Auch andere Stellen lernen kaum dazu. Gerade gestern kam eine 30-min

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