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“Legal Tech”: So können Sie klagen, ohne etwas zu wagen

Eine Entschädigung für Flugverspätung geltend machen, die Miete mit Hinweis auf die Mietpreisbremse senken, im Online-Casino verlorenes Geld zurückholen: Das sind einige der Rechtsdienstleistungen, die mittlerweile immer öfter von einem sogenannten Legal Tech angeboten wird. Kosten fallen nur an, wenn der Kunde wirklich etwas davon hat. Wie funktioniert das? Was sagen Verbraucherschützer?

Ein Legal Tech ist ein Unternehmen, die über das Internet bundesweit tätig ist und sich auf ein bestimmtes Rechtsproblem spezialisiert hat, das es mit der Unterstützung von Rechtsanwälten in großer Zahl bearbeitet. Dabei hilft ihnen moderne Technologie und teils automatisierte Bearbeitung – daher der Name (Legal = Recht).

Aufgrund der Spezialisierung können Legal Techs Chancen und Risiken eines Rechtsstreits gut einschätzen und sind deshalb bereit, in Vorleistung zu treten: Sie bekommen nur im Erfolgsfall ein Honorar, und zwar meist etwa ein Drittel dessen, was für den Kunden erstritten wird. Geht ein Streit verloren, trägt das Legal Tech alle Kosten. Einige interessante Beispiele.

  • Flugverspätung: Legal Techs wie Flightright.de, Euclaim.de, Refund.me oder Flug-verspaetet.de kümmern sich um Entschädigungen bei Flugverspätungen ab drei Stunden.
  • Glücksspiel-Verluste: Wer online Geld verzockt hat (z.B. Sportwette, Casino, Poker), hat laut wirholendeingeld.de einen Erstattungsanspruch – und zwar gegen Banken oder Zahlungsdienstleister, über die Geld zum Anbieter transferiert wurde. Denn verbotenes Glücksspiel wurde so erst möglich. Drei Millionen Euro wurden laut wirholendeingeld.de bereits erfolgreich geltend gemacht.
  • Hohe Miete: Mieter können bei wenigermiete.de, prüfen lassen, ob bei ihrem Vertrag gegen die Mietpreisbremse verstoßen wurde. Wenn ja, verhandelt das Legal Tech mit dem Vermieter und verklagt ihn notfalls.
  • Diesel-Betrug: myRight.de unterstützt Eigentümer von Diesel-Fahrzeugen dabei, Schadenersatz geltend zu machen, wenn bei den Abgaswerten manipuliert wurde. Allein gegen VW wurden die Forderungen von 15.000 Kunden vor Gericht gebracht, so die Verbraucherschützer von der Stiftung Warentest.
  • Hartz4-Bezieher: Bei hartz4widerspruch.de kann man Bescheide kostenlos prüfen lassen. Werden Fehler entdeckt, ergeht ein Widerspruch. Bekommt der Hartz4-Bezieher dadurch mehr Leistungen, muss er davon nichts an den Rechtsdienstleister abgeben. Das Legal Tech hat in diesem Fall einen Honoraranspruch gegen die Arbeitsagentur.
  • Bahnkunden: Bei Verspätungen von mehr als 60 Minuten haben Bahnkunden einen Entschädigungsanspruch. Bahn-buddy.de bietet an, das Online-Ticket und damit den Anspruch abzukaufen; die Auszahlung erfolge innerhalb von 24 Stunden. Wie viel angeboten wird, hängt vom jeweiligen Ticket ab.

Weitere Legal Techs gibt es bereits zu Abfindungen, Bußgeldern oder Verkehrsunfällen. Die Stiftung Warentest sieht das positiv und geht davon aus: “Das Angebot an Rechtsdienstleistern im Internet wird weiter wachsen.” Sonstige Rechtsanwälte würden allerdings nicht überflüssig. “Sobald Fälle komplexer sind und eine Standardlösung nicht passt, stoßen die Legal Techs an ihre Grenzen.” 

Legal Tech vs. Prozessfinanzierer

Seit über 10 Jahren sind in Deutschland Prozessfinanzierer auf dem Markt, teils Tochterunternehmen von Rechtsschutzversicherungen. Sie sichern wie Legal Techs zu, dass der Anspruchsteller keine Kosten eines Verfahrens zu tragen hat, im Erfolgsfall aber einen Anteil abgeben muss. Anders als bei Legal Techs kommen generell alle Arten von Ansprüchen in Frage – allerdings liegen die Hürden meist sehr hoch. Vielfach wird ein Streitwert von mindestens 100.000 Euro erwartet.


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