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Lärm durch Fußballplatz: Was Nachbarn jetzt hinnehmen müssen

Zuletzt aktualisiert: 7. Februar 2019

Die neue Fußball-Bundesliga-Saison beginnt, damit wird Lärm durch Fußballplatz wieder aktuell. Aber ebenso der Lärm, weil Hobby-Fußballer selber dem runden Leder nachzujagen, mal im Innenhof vor dem Garagentor, mal auf der Straße vor dem Haus, mal auf dem Bolzplatz nebenan. Ich beschreibe hier, wie für Nachbarn die Rechtslage aussieht, wenn Fußball-Lärm unerträglich wird.

Lärm-Quelle 1: Nicht offizieller Fußballplatz

Immer wieder umstritten ist es, ob Gemeinschaftsflächen einer Hausgemeinschaft zum lautstarken (Fußball-)Spielen genutzt werden können, etwa der Hinterhof. Solange es sich bei den Hobby-Kickern um Kinder handelt, urteilen die Gerichte meist großzügig – jedenfalls dann, wenn es in der Nähe keinen Spielplatz gibt. Die Nachbarschaft müsse die Lärmbelästigung hinnehmen (Landgericht Berlin, Az: 61 S 288/1985, Landgericht München, Az: 1 T 14129/88), Lärm sei auf Grund des natürlichen Spiel- und Bewegungsdrangs der Kinder unvermeidbar (OLG Düsseldorf, Az: AZ 9 U 51 /95).

Andererseits müssen die Ruhezeiten beachtet werden. Per Hausordnung gilt in der Regel 13.00 bis 15.00 Uhr als Ruhezeit, die Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. Danach müssen sich generell auch Kindern richten. Fehlt ihnen wegen geringen Alters selber das Verständnis dafür, so müssen die Eltern als Aufsichtspflichtige dafür sorgen, dass die Kinder nicht stören.

Werden Nachbarn unzumutbar belästigt, so können sie entweder direkt bei den Kindern und ihren Eltern Druck machen und „Unterlassung“ verlangen oder indirekt beim Vermieter: Zu viel Lärm kann ein Grund sein, die Miete zu mindern. Das Amtsgericht Frankfurt sah fünf Prozent Mietminderung als angemessen an, weil Kinder auf Rasen zwischen zwei Wohnblöcken Kinder ständig Fußball spielten und Radau machten (Az: 33 C 1726704-13).

Lärm-Quelle 2: Offizieller Fußballplatz (für Kinder)

Geht der Lärm allerdings von öffentlichen Spielplätzen aus, ist es auf Grund eines Urteiles des Bundesgerichtshofes (BGH) in diesem Jahr sehr schwer geworden, eine Mietminderung zu erreichen (VIII ZR 197/14). Grundlage des Urteils war das 2011 geänderte Bundesimmissionsschutzgesetz. In § 22 heißt es da nun:

Geräuscheinwirkungen, die von Kindertageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen wie beispielsweise Ballspielplätzen durch Kinder hervorgerufen werden, sind im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung. Bei der Beurteilung der Geräuscheinwirkungen dürfen Immissionsgrenz- und -richtwerte nicht herangezogen werden.

Kinderlärm auf Spielplätzen kein Lärm

Kinderlärm ist demnach kein Lärm. Allerdings zieht der Gesetzgeber enge Grenzen, wie der Wortlaut zeigt. Nur wenn es sich um „Einrichtungen“ handelt, also etwa einen städtischen Bolzplatz, gilt das Recht auf Kinderlärm. Wird aber auf der Straße gekickt, was Nachbarn ebenfalls nerven kann, greift die Regelung nicht.

Das Recht auf Kinderlärm gilt für Kinder – nicht aber für Jugendliche oder junge Erwachsene. Wann ist ein Kind noch ein Kind? In älteren Entscheidungen zu Lärm durch Fußball haben sich Gerichte damit bereits beschäftigt. Zwei Beispiele:

  • Das Verwaltungsgericht Braunschweig fand zum Beispiel bei Kindern bis zwölf Jahren lautstarkes Spielen hinnehmbar (Az: 9 A 9014/91).
  • Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz erlaubte Ballspielen bis 20 Uhr – aber nur für Kinder bis 14 Jahre (Az: 8 B 10784/07).

Die Altersgrenze für erlaubten Kinderlärm dürfte demnach etwa bei 12 bis 14 Jahren anzusetzen sein. Für Streitereien rund um Fußball-Lärm in der Nachbarschaft ist somit auch noch nach dem höchstrichterlichen Fußball-Urteil viel Raum. Wenn Erwachsene Lärm machen oder gar der Fußballplatz der Profis nervt, können Nachbarn sich mit den o.g. Maßnahmen wehren.

Lese-Tip: Mehr Rechtsprechung zu Lärm hier im Finblog.



Kommentare

Angelika Gatzemeier 10. Juli 2017 um 07:26

Unser NachbarSohn ist 20.Jahre alt und kloppt mit dem Ball immer auf einer Stelle bum bum bum stundenlang das ist unerträglich muss ich das hinnehmen der hat doch ein Problem sollte sich eine Freundin zu legen und an der sich abreagieren!

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Sabine Hoffmann 26. Januar 2017 um 20:56

Guten Abend,
ich habe eben im Autoradio gehört, dass ein neues Gesetz auf den Weg gebracht werden soll, dem lediglich noch der Bundesrat zustimmen muss. Fußballvereine hätten sich beschwert, dass ihre Spielzeiten auf Plätzen in Wohngebieten zu kurz bzw. zeitlich eingeschränkt seien. Nun sollen die Zeiten ausgedehnt werden – abends bis 22:00 Uhr, zu den Mittagszeiten, an Sonn- und Feiertagen … Ich wohne in einer Wohnsiedlung, ca. 20 m von einem Bolzplatz entfernt. Wenn dort gespielt wird, ist das ziemlich laut und hallt zwischen den Häusern verstärkt wider. Neben dem Bolzen wird auch laut gerufen oder sogar laut Musik (mitgebrachtes Radio) gemacht. Als Anwohnerin empfinde ich dies oft unerträglich. Ein Bespielen des Platzes sollte höchstens von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr erlaubt sein, nicht in der Mittagszeit und nicht an Feier- und Sonntagen. Wir wohnen hier alle so dicht gedrängt und es gibt so viel Lärm, da braucht man auch einmal (Ruhe-) Pausen und Erholung.
Ich hoffe, der Bundesrat stimmt dem beabsichtigten Gesetz nicht zu. Freundliche Grüße, Sabine aus Solingen

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Ringo 26. November 2016 um 10:34

Das kann ich auch verstehen als Leidtragender warum immer dieses Argument Fußball ist gesund, muss man dabei so viel Lärm machen? Das ist nämlich nicht mehr gesund!!!

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Deckert 17. Oktober 2016 um 07:57

Wenn ich dieses Entscheidungen lese steigt mein Blutdruck noch höher. Wer entscheidet dies. Ich glaube nicht, dass sie sich mit den Beeinträchtigungen auf den gesundheitlichen Zustand beschäftigt haben. Uns hat man 12 meter unter Wohn- und Schlafzimmer Fussballtore aufgestellt. Jeden Tag 8 Stunden Fußballdonnern. Wer soll das aushalten?. Dazu wurden diese Tore noch so installiert, dass sie als Lautsprecherbox hallen. 2 spielende Kinder 80 dB. Es spielen aber regelmäßig 15 Kinder und Jugendliche. Dazu kommt noch Technobeschallung. Irgendwo sind doch Grenzen. Die, die diese Entscheidungen treffen, wohnen schön ruhig im Grünen. In unserem Wohnblock sind seit bestehen dieser Anlage massive gesundheitliche Beeinträchtigungen zu verzeichnen. Blutdruckerhöhung, Tinitus, Gürtelrose etc. Man sollte sich doch auch mal mit den Schäden durch Lärm und deren Folgen beschäftigen. Man nimmt uns die Lebensqualität.

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