In 10 Schritten zum Focus-Kommentator

Wer schon immer mal wissen wollte, wie man krude Kommentare gegen die Konkurrenz verfasst, dem bietet Focus-Korrespondent Kayhan Özgenc nun eine Gebrauchsanleitung in 10 Schritten. Als Thema dafür hat er sich die Riester-Rente ausgesucht.
Der Titel: Riester-Rente: Anleitung zum Staatsbetrug

1. Rühren Sie zur Einstimmung ruhig zusammen, was nicht das Geringste miteinander zu tun hat, zum Beispiel Gewaltbilder im Privatfernsehen und Riester-Renten-Berichte bei der ARD.

Scheiß-Privatfernsehen“, entfuhr es vor einigen Tagen Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) angesichts von Gewaltexzessen auf der Mattscheibe. Ähnlich verbale Prügel müsste auch die öffentlich-rechtliche Konkurrenz beziehen. Denn was sich das ARD-Magazin „Monitor“ gerade leistete…

2. Rücken Sie Ihre Konkurrenz ohne jeglichen Beleg in die Nähe von politischen Außenseitern.

Am Abend dann machte „Monitor“-Frontfrau Sonia Mikich, der Oskar Lafontaine angesichts ihrer linkslastigen Moderationen sofort einen Aufnahmeantrag zuschicken müsste, die Panikstimmung perfekt.

3. Deklarieren Sie öffentliche Debatten, mitunter als Säule der Meinungsbildung und Demokratie betrachtet, kurzerhand als schädlich.

Ein Fall von tendenziösem Kampagnen-Journalismus. Allerdings einer mit gravierenden Folgen. Der Beitrag löste eine Debatte über die Riester-Förderung aus. Zeitungen titelten etwa: „Lohnt sich Riestern noch?“

4. Behaupten Sie irgendwas unter Bezug auf „Experten“, ohne auch nur einen Experten namentlich zu nennen,

Dabei gilt die staatlich geförderte Zusatzrente selbst unter Experten als eine der wenigen wirklich gelungenen Reformen der Politik in den vergangenen Jahren.

5. Falls Ihr Konkurrent nicht bei den Tatsachen zu kritisieren ist, lassen Sie zwischendurch immer wieder Zweifel an der rechten Gesinnung aufkommen.

Das WDR-Magazin, nicht zu Unrecht als Rotfunktruppe berüchtigt, prangerte Folgendes an.

6. Falls Sie als Journalist einfach sauer sein sollten, weil andere das Top-Thema der Woche ausgegraben haben, erklären sie das Ganze als Altbekannt. Lassen Sie dabei einfach aus, wem es vorher bekannt war.

Klingt alles ungeheuerlich, ist aber ziemlicher Nonsens. Erstens ist die Anrechnung der Riester-Förderung auf die Grundsicherung keine neue Enthüllung, sondern seit Langem bekannt.

7.Wenn Sie nicht so im Thema drin sind und von Nachgelagerter Besteuerung noch nie was gehört haben oder davon, dass 10 Millionen Riester-Verträge nicht 10 Millionen Zulagen-Empfänger bedeuten, dann appellieren Sie einfach an die gerechte Wut des Steuerzahlers. Passt immer.

Mithilfe unserer Steuergelder wird auch die hohe Förderung bei der Riester-Rente bezahlt. Knapp zehn Millionen Deutsche nutzen derzeit diese Zulagen. Ist es da nicht mehr als legitim, wenn staatliche Leistungen miteinander verrechnet werden?

8. Wenn das Erfolgsmodell Ihrer Anzeigenabteilung in Misskredit gerät, dann halten Sie dagegen, private Altersvorsorge werde mit Kritik an der Riester-Rente generell für unnötig erklärt. Verschweigen Sie am besten dabei, dass es viele Möglichkeiten gibt, privat fürs Alter vorzusorgen und dass man nicht unbedingt die Riester-Rente dafür braucht.

Es ist eine Anleitung zum Staatsbetrug. Private Altersvorsorge? Nicht nötig, der Staat garantiert mir doch eine Mindestzahlung bis zum Tod. Warum soll ich jeden Monat Geld beiseite legen, wenn ich im Alter sowieso auf Kosten der Allgemeinheit leben kann? Genau diese Frage haben die „Monitor-Macher“, die sich selbst als Hort des kritisch-seriösen Journalismus betrachten, fatalerweise aufgeworfen und damit ein Erfolgsmodell in Misskredit gebracht.

9. Wenn Ihnen bis zum Schluss immer noch keine falschen Fakten bei der Konkurrenz aufgefallen sind, dann führen als Sie Beleg für schlechten Journalismus neben der falschen Gesinnung noch Zweifel an der Arbeitsweise an. Tun Sie einfach so, es sei bei Konkurrenz Meinung unterdrückt worden, auch wenn ein SPD-Mann eigentlich ganz gut zu einer Rotfunktruppe passen würde.

Erhebliche Zweifel sind auch bei der Arbeitsweise der ARD-Redakteure angebracht. Zur These ihres Beitrages passten offenbar nicht die Äußerungen von Walter Riester, Ex-Arbeitsminister und Namensgeber der Reform. Nach eigenen Angaben nahm Riester eine Stunde und 20 Minuten lang vor der Kamera Stellung zur Altersvorsorge. In dem dann gesendeten Beitrag tauchten seine Statements allerdings nicht auf – Riester wurde rausgeschnitten.

10. Zitieren Sie den Unterdrückten, dessen Argumente angeblich überhört wurden. Es macht gar nichts, wenn auch in Ihrem Text der Unterdrückte gar keine Argumente anführt, sondern nur um sich schlägt. Das passt wunderbar zu Ihrem Text.

Der SPD-Politiker empörte sich später, seine Argumente seien unterdrückt worden. „Das habe ich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch nie erlebt“, zürnte Riester weiter, „ich bin für Information der Öffentlichkeit, aber ich bin nicht für eine gnadenlose Verunsicherung gerade gering verdienender Menschen.“

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