IBG-Insolvenz: Was raten Sie, Herr Haas? (Interview)

IBG Insolvenz Tipps

Die Insolvenz von der Gesellschaften der Eigenheimbau spezialisierten IBG-Gruppe ist für Hunderte Bauherren ein Desaster. Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber  spricht von rund 670 unvollendeten IBG-Baustellen (Finblog-Link). Es geht aber nicht nur um geleistete Anzahlungen, sondern ebenso um die Mängelbeseitigung innerhalb des fünfjährigen Garantiezeitraumes.

Florian Haas, Vorsitzender der Verbraucherorganisation „Schutzgemeinschaft für Baufinanzierende e. V.“ in München, beantwortet im Finblog-Interview die Fragen, die nicht nur IBG-Bauherren unter den Nägeln brennen dürften. Außerdem gibt er Tipps, worauf künftige Bauherren bei der Auswahl des geeigneten Baupartners achten sollten – damit ihnen ein Insolvenz-Desaster wie bei der IBG möglichst erspart bleibt.

Was sollten IBG-Bauherren mit unfertigen Baustellen tun?

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Florian Haas im Finblog-Interview

Florian Haas: Um die Forderungen stichhaltig belegen zu können, aber auch um gegebenenfalls Nachzahlungen vom Insolvenzverwalter zu verhindern, ist es sehr wichtig, den Baustand zum Zeitpunkt der Insolvenz so genau wie möglich zu dokumentieren. Laut Insolvenzverwalter ergibt sich der Umfang der von IBG abgerechneten Leistungen aus dem Bauvertrag und den Abschlagsrechnungen. Besonders, wenn Mängel am Haus vorliegen oder Schäden entstanden sind, ist die Beurteilung durch einen Sachverständigen zu empfehlen. Bei Baumängeln besteht trotz offener Rechnungen ein Zurückbehaltungsrecht.

Mit ihrem Kooperationspartner VQC – „Verein zur Qualitätscontrolle am Bau e. V.“ hat die Schutzgemeinschaft speziell für IBG-Bauherren einen Sonderpreis vereinbart. Der VQC mit mehr als zwanzig unabhängigen Sachverständigen hat bereits 10.000 Einfamilienhäuser mit baubegleitenden Qualitätskontrollen betreut und ist bestens für die Bestandsaufnahme geeignet.

Was sollten Bauherren unbedingt klären?

Florian Haas: Bei der IBG-Insolvenz liegt das Augenmerk der Betroffenen Bauherren eindeutig auf Schadenbegrenzung. Deshalb ist Klarheit bei den Finanzen der erste Schritt zur Lösung. Folgendes sollten IBG-Bauherren recherchieren:

  • Welche Zahlungen wurden wann geleistet?
  • Wurden die entsprechenden Leistungen erbracht?
  • Welche Vorschüsse wurden geleistet?
  • Welche offenen Forderungen gibt es seitens IBG?
  • Welche offenen Forderungen gibt es an die IBG?
  • Welcher Betrag steht IBG-Bauherren zur Fertigstellung zur Verfügung?
  • Wie hoch schätzen IBG-Bauherren den zur Fertigstellung tatsächlich benötigten Betrag?
  • Welchen Spielraum haben IBG-Bauherren noch bei ihrer Finanzierung?
  • Welche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten haben IBG-Bauherren?

Was müssen IBG-Bauherren bei neuen Baupartner beachten?

Florian Haas: Nach der IBG-Insolvenz müssen betroffene Bauherren faire, zuverlässige Partner finden. Doch bevor man sich einen neuen Baupartner sucht, muss unbedingt die rechtliche Lage geklärt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der IBG-Bauherr auf den Kosten sitzen bleibt, da das Vertragsverhältnis in der Regel nach wie vor besteht. Der Insolvenzverwalter muss entscheiden, ob der Vertrag erfüllt werden soll oder nicht.

Zwar können betroffene Bauherren ihre Verträge jederzeit kündigen. Nach Aussagen des Insolvenzverwalters müssen sie dann trotzdem den vereinbarten Preis an IBG zahlen. Abzüglich dessen, was IBG durch die Nichtausführung des Bauvorhabens einspart. Vorab sollten IBG-Bauherren Folgendes tun:

  1. Die noch zu erledigenden Arbeiten auflisten.
  2. Der Schutzgemeinschaft ein vorhandenes Sachverständigen-Gutachten zuzuleiten.
  3. Schließlich sollte die Schutzgemeinschaft nach einem Kassensturz über die individuelle Finanzierungssituation des IBG-Bauherren informiert werden.

Was erwartet Bauherren nach der IBG-Insolvenz?

Florian Haas: Um die schlechte Nachricht vorwegzunehmen, es bestehen praktische keine – und falls, nur geringe – Chancen auf Schadensersatz. Laut Insolvenzverwalter gibt die zu erwartende Quote keinen Anlass zur Hoffnung, dass IBG-Bauherren einen angemessenen Betrag erhalten. Diese „Quote“ wird, so ebenfalls der Insolvenzverwalter, „bestenfalls“ im einstelligen Prozentbereich liegen. Mit einer Auszahlung dieser Quote sei nicht vor Ablauf der Gewährleistungsfristen bei den jüngsten Bauvorhaben zu rechnen, also nicht vor Ablauf von fünf Jahren.

[quote style=“boxed“ float=“right“]Es geht bei IBG vor allem um Schaden-begrenzung![/quote]

 Das traurige Fazit der „Schutzgemeinschaft für Baufinanzierende e. V.“ lautet deshalb: Hoffnung auf Schadenersatz oder gar ein Rechtsstreit lösen die gegenwärtigen Probleme der IBG-Bauherren nicht, weil bei IBG offenbar nichts zu holen ist. Bauherren sollten deshalb ihre Aktivitäten auf die Schadensbegrenzung konzentrieren. Wichtig: Wer einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung seiner Rechte betraut, sollte sicherstellen, dass es sich dabei um einen erfahrenen Baurechtsexperten handelt. Doch Vorsicht: Die Kosten für den Anwalt werden Bauherren mit größter Wahrscheinlichkeit selbst übernehmen müssen.

Worauf sollen zukünftige Bauherren besonders achten?

Florian Haas: Zum einen auf die Vertragserfüllungssicherheit bei einer etwaigen Insolvenz des Bauunternehmens. Die Mindestanforderung steht im so genannten Forderungssicherungsgesetz, das für alle ab dem 1. Januar 2009 abgeschlossenen Werkverträge über die Errichtung oder den Umbau eines Hauses gilt, soweit der Bauherr ein Verbraucher ist. Danach muss der Unternehmer dem Bauherrn eine Sicherheit (häufig eine Bürgschaft) in Höhe von fünf Prozent der vereinbarten Vergütung stellen. Wichtig: Achten Sie unbedingt darauf, dass diese Bürgschaft von einer Bank oder Versicherung in Deutschland gegeben wird. Nur so können Sie gewiss sein, dass zuvor eine Bonitätsprüfung Ihres Baupartners gemacht wurde.

Auf Verlangen des Unternehmers kann der Bauherr diese Sicherheit auch durch einen Einbehalt von den Abschlagszahlungen realisieren. Nach Erfahrungen der „Schutzgemeinschaft für Baufinanzierende e. V.“ reicht diese gesetzliche Sicherheit regelmäßig nicht aus, um sämtliche Schäden des privaten Bauherrn abzudecken. Wir empfehlend dringendst die Wahl eines Baupartners, der deutlich mehr als jene fünf Prozent gesetzliche Sicherheit bietet. Für angemessen hält die Schutzgemeinschaft zwanzig Prozent.

Was sollte bei der Gewährleistungssicherheit beachtet werde?

Florian Haas: Jeder Bauherr hat während der fünfjährigen Gewährleistungsfrist, insbesondere bei Insolvenz des Bauunternehmers, ein Interesse im Hinblick auf die etwaigen Mängelbeseitigungskosten. Allerdings hat der Gesetzgeber in dieser Hinsicht bislang keine Vorgaben gemacht. Deshalb sollten Bauherren zwingend besagte Gewährleistungssicherheit vertraglich mit ihrem Baupartner vereinbaren. Nach unseren Erkenntnissen gibt es in jedem fair ausgehandelten Bauwerkvertrag eine Vereinbarung, die die Verpflichtung des Bauunternehmens im Hinblick auf die Mängel- bzw. Gewährleistungssicherheit beinhaltet. Ausschlaggebend ist, dass diese Verpflichtung, selbstverständlich in Euro und Cent berechnet, ausreichend hoch ist. Nach Erkenntnissen der Schutzgemeinschaft sollte die so genannte Baugewährleistungsbürgschaft (Wikipedia-Link) 75.000 Euro betragen.

[box type=“info“ ]Tipp: Speziell für IBG-Bauherren hat die „Schutzgemeinschaft für Baufinanzierende e. V.“ eine Internetseite eingerichtet. Deren Adresse lautet: www.ibg-insolvenz.de. Die Schutzgemeinschaft selbst erreichen Interessierte im Internet unter www.finanzierungsschutz.de.[/box]

Video-Tip: Der SWR über verzweifelte Bauherren nach der IBG-Pleite

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Rühmkorb am 25. Juni 2013 um 10:52

    Hilfe für Bauherren

    Die Deutsche Bauberatung bietet Bauherren, die in Not geraten sind durch die Insolvenz Ihres Bauträgers bzw. Bauunternehmers, eine einzigartige Hilfe an. Ziel dieser Hilfe ist es, das Bauvorhaben in dem zu Anfang geplanten Kostenrahmen zu erstellen.
    Mit Hilfe einer detaillierten Bautenstands- und Finanzanalyse wird ein Konzept zur Fertigstellung des Bauvorhabens erstellt. Dieses Konzept beinhaltet unter anderem auch die erweiterten Eigenleistungen der Bauherren, die auf Grund von Schulungen und beratendes Fachpersonal durchgeführt werden können.

    Durch geschickte Verhandlungen mit Banken und Handwerkern kann so in den meisten Fällen das Bauvorhaben doch noch abgeschlossen werden, ohne das es zu einer Überschuldung der Bauherren kommt.

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