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Geldanlage 2013: Geht der Aktienboom weiter? (Franklin Templeton Interview)

Mit Aktien konnten Anleger im vergangenen Jahr viel Geld verdienen. Das Jahr 2013 hält neue Herausforderungen für Anleger bereit. Das glaubt Samer Habl, Chef des Global Tactical Asset Allocation Teams bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments, einer der größten Fondsgesellschaften weltweit. Lesen Sie hier das exclusive Interview, das Samer Habl mit dem Finblog führte. Er gibt seine Prognosen zur Eurozone, zur US-Fiskalklippe und zu Staatsanleihen.

Für Geldanleger ist die Bilanz des Jahres 2012 recht gut …

… ja, falls man sich für die richtigen Investments entschieden hatte.

Und das waren offenbar überwiegend Aktien?

Das stimmt mit Einschränkungen. Denn nicht überall waren Aktien im vergangenen Jahr ein gutes Investment. Genauso wie Anleihen nicht überall eine gute oder aber schlechte Geldanlage waren. Ähnliches gilt für Währungsinvestments. Für Geldanleger kam und kommt es auf die ausgewogene und optimale Mischung unterschiedlicher Anlageklassen an. Nur so sind Wertzuwächse möglich, die das eigene Vermögen auf Dauer auch nach Steuern und inflationsbereinigt mehren.

Wie sind die Perspektiven für Geldanleger im Jahr 2013?

Die Wirtschaft dürfte eher langsam wachsen. Wegen der europäischen Staatsschuldenkrise, der eher müden Konjunktur in den USA und auch wegen China, wo sich das Wachstum von rund zehn Prozent im Schnitt der vergangenen Jahre auf sieben bis acht Prozent abschwächen dürfte.

Wie sehen Sie die Lage in den USA?

Bei der so genannten Fiskal-Klippe gab einen Kompromiss in letzter Minute. Doch die Probleme sind nur vertagt bis Ende Februar. Dann geht es um die erneute Anhebung der Schulden-Obergrenze. Die Einigung, die kommen wird oder  kommen muss, hat Folgen für die US-amerikanische Wirtschaft und für die weltweiten Finanzmärkte. Ob diese Folgen eher positiv oder negativ sind, lässt sich noch nicht sagen.

Ist die Krise in der Eurozone ausgestanden?

Wir sind auf einem guten Weg. Das wachsende Vertrauen in die Reformfähigkeit der Krisenstaaten spiegeln etwa die – im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2012 – spürbar niedrigeren Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen. Doch bis zur Lösung der Krise ist es noch ein weiter Weg. Das wird wahrscheinlich viel Geld kosten. Letztlich stellt sich die Frage: Wie viel sind die Menschen bereit, für ein politisch und dann auch fiskalisch vereintes Europa zu bezahlen?

Wird die Politik auch im Jahr 2013 die Finanzmärkte bewegen?

Sobald der Erfolg der Geldanlage maßgeblich von politischen Entscheidungen abhängt, haben Investoren ein schlechtes Gefühl. Ich räume ein, dass es seit dem Ausbruch der Finanzkrise zur Jahresmitte 2008 keine vernünftige Alternative zu jener politischen Einflussnahme gibt, die wir gesehen haben und noch sehen. Auf der anderen Seite dürfte es auch und nicht zuletzt die Politik sein, die die Finanzmärkte in den „Normalzustand“ versetzt.

Bei Staatsanleihen kann von Normalzustand noch nicht die Rede sein, oder?

Die niedrigen Renditen spiegeln den Krisenmodus und sind Folge politischer oder politisch induzierter Entscheidungen. Mit zehnjährigen deutschen und US-Staatsanleihen verdienen Sie momentan noch nicht einmal die aktuelle Inflationsrate. Entsprechend anfällig sind diese Bonds für Korrekturen oder gar drastische Kurseinbrüche.

Was machen Sie und Ihr Team eigentlich genau?

Auf Grundlage des von uns entwickelten aktuellen Szenarios nehmen wir die Gewichtung unterschiedlicher Anlageklassen in gemischt strukturierten Portfolios vor. Etwa Aktien, Anleihen, Liquidität bzw. damit vergleichbare Engagements. Innerhalb des jeweiligen Sektors erfolgt ebenfalls eine Gewichtung anhand unterschiedlicher Kriterien. Etwa bei Aktien unter regionalen und Branchenaspekten, bei Anleihen im Hinblick auf Laufzeit, Währung sowie Emittentenrisiko. Es ist also durchaus möglich, dass wir bei Zinspapieren ein- und desselben Schuldners kurz laufende Anleihen für empfehlenswerter halten als lang laufende. So gesehen sind wir für den taktisch-strategischen Überbau verantwortlich, die Auswahl einzelner Aktien und Anleihen überlassen wir weltweit unseren Analysten und Fondsmanagern.

Wo sehen Sie für Geldanleger im Jahr 2013 die besten Chancen?

Bei Aktien, Anleihen und auch bei Währungen haben wir die Schwellenländer gegenüber den etablierten Industrienationen übergewichtet.

Welchen Ihrer Fonds würden Sie Anlegern in Deutschland empfehlen?

Unsere Multi-Asset Fonds sind eine sinnvolle Ergänzung zu den so genannten Long Only-Klassikern aus dem Haus Franklin Templeton. Insbesondere den Franklin Templeton Global Allocation Fund. Im Jahr 2012 erreichte der Fonds einen Wertzuwachs von 8,6 Prozent – dies bei einer vergleichsweise geringen Schwankungsbreite.

Welche Strategie hat der Multi-Manager-Fonds Franklin Templeton Global Allocation Fund?

Übergeordnetes Ziel ist der langfristige Vermögenszuwachs, der aus Kursgewinnen und Erträgen resultiert. Erreicht werden soll dies durch ein breit diversifiziertes Fondsportfolio unterschiedlicher Anlageklasse. Das sind zum Einen Aktien und Anleihen, andererseits taktische Engagements. Dazu zählen Termingeschäfte und andere derivative Instrumente sowie Liquidität. So können wir sehr flexibel agieren und das Portfolio insbesondere unter regionalen und Währungsgesichtspunkten dem jeweiligen Marktumfeld entsprechend anpassen.

Das Interview führte exclusiv für Finblog: Hajo Simons


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