Gebrauchte Immobilien: Worauf Käufer beim Haus oder bei der Wohnung achten sollten

Bei der größten Investition ihres Lebens sind die Bundesbürger im Kauf-Boom mitunter leichtfertig geworden: Sie prüfen nur, ob die Wohnung oder das Haus einen guten Eindruck macht – Profis indes achten viel mehr auf den Keller und das Dach des Gebäudes. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Check achten sollten.

Wer eine Wohnung in einem typischen Mehrfamilienhaus kauft, bekommt nicht nur eine Wohnung: Er erwirbt zugleich Gemeinschaftseigentum am Haus. Die Eigentümergemeinschaft muss dafür sorgen, dass das Haus in Ordnung bleibt. Die Kosten etwa für ein neues Dach tragen die Wohnungseigentümer gemeinschaftlich, umgelegt auf den einzelnen nach den Miteigentumsanteilen.

Werden bei gebrauchten Objekten mehrere Sanierungen solcher Art fällig, kann das Wohnungseigentümer schnell finanziell überfordern. Vor allem dann, wenn die Finanzierung ohnehin knapp kalkuliert wurde. Gerade bei möglichen Großrisiken schauen viele Privatleute nur flüchtig hin. Statt auf Schimmel im Keller wird eher auf die Löcher in den Badezimmerfliesen geachtet. Bei professionellem Real Estate Management werden ganz andere Schwerpunkte gesetzt.

Diese 4 Großrisiken sollten Sie bei einer gebrauchten Immobilie checken

  • Keller: Muss Mauerwerk wegen von außen eindringender Feuchte trockengelegt werden, so kostet das schnell ein Vermögen. Pro Quadratmeter sind über 500 Euro zu veranschlagen. Modriger Geruch sowie aufgequollener Putz deuten auf einen feuchten Keller hin. Ein gutes Zeichen ist es, wenn viele Spinnweben zu sehen sind: Feuchte mögen die Tierchen gar nicht. Ein schlechtes Zeichen: Frische Anstriche im Keller – damit sollen vermutlich Feuchtigkeitsschäden übertüncht werden.
  • Dach: Kaputte Dachpfannen und Holzwurmbefall im Gebälk können ebenfalls kostspielige Sanierungen bedeuten. Eine Dämmung sollte vorhanden sein, denn sonst geht in dem Haus viel Energie verloren. Durch die Pflicht zum „Energiepass“ ist das Kriterium Energieverbrauch ohnehin wichtiger für den Objektwert. Fehlt eine Dämmung, so bietet das zumindest einen Vorteil: Es lässt sich erkennen, ob Licht durch die Dachpfannen durchschimmert oder nicht. Kommt kein Licht durch, sind die Dachpfannen vermutlich in Ordnung. Achtung bei Umrissen von getrockneten Pfützen auf dem Boden – es hat reingeregnet.
  • Innen: Die Fenster sollten dicht sein und leicht schließen. Feuchtigkeit oder Umrisse von Pfützen auf der Fensterbank innen sind verdächtig. Ein Blick sollte zudem den Elektroleitungen gelten. Sind sie alt, könnten sie bei Überlastung schmoren. Dreiadrige Stromkabel sind ein gutes Zeichen, außerdem sollten in allen Räumen ausreichend Steckdosen vorhanden sein. Baufällige Balkone oder marode Wasserleitungen sind ebenso ein Kostenrisiko.
  • Protokolle: Der vorsichtige Kaufinteressent lässt sich bei einer Wohnung vom Verwalter die Protokolle der Eigentümerversammlungen der letzten drei Jahre zeigen. Wurde bereits über Sanierungsvorhaben gesprochen, so lässt sich das darin erkennen. Der Verwalter hat in der Regel bereits Kostenvoranschläge eingeholt. Daran denken: Wer möglichst viele Schwachstellen eines Hauses entdeckt, verschafft sich nur eine bessere Kalkulationsbasis – er hat auch mehr für die Preisverhandlung in der Hand.

Hinterlassen Sie einen Kommentar