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Festgeld vorzeitig auflösen: Der Trick, wann eine Kündigung erlaubt ist

Sparbuch und Tagesgeldkonten bringen derzeit teilweise gar keine Zinsen. Etwas mehr Ertrag würde eine Festgeld-Anlage bringen. Allerdings scheuen einige Sparer davor zurück, weil sie sich gerade nicht fest binden wollen. Vielen unbekannt: In Notfällen kann selbst ein Festgeld jederzeit aufgelöst werden, und zwar per fristloser Kündigung.

Banken und Sparkassen bieten Festgeld-Anlagen meist mit Laufzeiten von drei, sechs, neun und zwölf Monaten an. In der Regel wird ein Mindestanlagebetrag gefordert. Die eine Bank begnügt sich mit 500 Euro, die andere will mindestens 2.000 Euro sehen. Einige wenige Anbieter fordern sogar 5.000 Euro Mindestbetrag für die Eröffnung eines Festgeld-Kontos (auch „Termingeld“ genannt).

Für den vereinbarten Anlagezeitraum hat der Sparer den Zinssatz sicher. Das ist der große Vorteil. Die Bank wiederum kann in der Zeit mit dem Geld arbeiten. Verfügungen, etwa eine teilweise Auszahlung, sind anders als bei einem Tagesgeldkonto nicht möglich. Genau das lässt jene Sparer zögern, die gerne für alle Unwägbarkeiten des Lebens gewappnet sein sollen. Möglicherweise kommt eine dicke Steuer-Nachzahlung, der Job wird gekündigt oder aber es findet sich die Traum-Immobilie, für die das Geld dringend benötigt wird.

Fristlose Kündigung des Tagesgeldes bei wichtigem Grund

Gut zu wissen: Bei einem „wichtigen Grund“ kann die Festgeldanlage als ein so genanntes Dauerschuldverhältnis fristlos gekündigt werden. Das ist ein gesetzlicher Anspruch (Paragraf 314 Bürgerliches Gesetzbuch), den die Bank oder Sparkasse nicht im Kleingedruckten ausschließen darf.

Aber was ist ein wichtiger Grund? Der Gesetzgeber hat das wie folgt geregelt. Er liegt vor, „wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann“. Viele Institute haben diese Formulierung weitgehend wörtlich in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) übernommen.

Das Festgeld im Todesfall: Erben können Anlage auflösem

Den Tod des Kontoinhabers sehen Bankjuristen ganz klar als einen „wichtigen Grund“. Erben könnten somit das Festgeld vorzeitig beenden. Ebenso wäre nach überwiegender Ansicht eine drohende Insolvenz eines Institutes zu sehen. Ob Arbeitslosigkeit oder eine hohe Steuernachzahlung als „wichtiger Grund“ zu werten sind, darüber lässt sich streiten. Sofern jemand als Hartz IV-Antragsteller von der Arbeitsagentur zur Vermögensverwertung gezwungen wird, dürfte dies zu bejahen sein, meinen Anwälte.

Bei den Banken heißt es, es werde jeweils der Einzelfall geprüft, was als wichtiger Grund anerkannt werde. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, es komme neben dem wichtigen Grund auf die Dauer der Geschäftsbeziehung sowie weitere Anlagen bei dem Institut an. Guten Kunden kommt man also eher entgegen. Ebenso gibt es einigen Spielraum, wie mit dem Zinsanspruch des Kunden bei vorzeitiger Kündigung verfahren werden. Von vollständigem Verlust bis anteiliger Gutschrift ist alles möglich.

Mein Finanztip: Banken im EU-Ausland bieten derzeit deutlich bessere Festgeld-Zinsen. Eine Anlage dort ist bequem über Zinsbroker möglich. Allerdings gilt in Tschechien, Bulgarien, Italien oder Malta natürlich nicht das BGB. Welche Möglichkeiten der Festgeld-Auflösung es dort gibt, sollte vorher beim Zinsbroker erfragt werden. Hier geht es zum Zinsbroker-Vergleich im Finblog.

Übrigens: Wer ohne besonderen Anlass sein Geld nach dem vereinbarten Anlagezeitraum wiederhaben will, muss unter Umständen rechtzeitig aktiv werden und einer Verlängerung widersprechen. Der Grund: Einige Institute haben Verlängerungsklauseln in die ihren AGBs. Dort heißt es, der Kunde erhalte z.B. zwei Wochen vor Ablauf des Festgeldes ein neues Angebot. Reagiere er darauf nicht, werde das Geld mit gleicher Dauer wieder neu angelegt. Bei solchen Klauseln muss der Festgeldkunde also deutlich sagen, dass er eine Auszahlung wünscht.


Kommentare

Anika 16. Februar 2021 um 04:46

Hallo, ich habe ein Depokonto bei der Sparkasse. Da liegen über 10.000 €. Durch Corona ist alles ziemlich schwierig geworden. Ich komme aus meinen Schulden gerade nicht mehr raus. Kann meine vereinbarten Raten mit Gläubigern nicht mehr einhalten. Damit ist das ein unendlicher Kreislauf. Ich habe ja das Geld, aber die Bank sagt ich muss mich an die Kündigungsfrist von 1 Jahr halten, vorher ist nichts zu machen… Gekündigt ist es schon. Löst sich dann aber erst nächstes Jahr auf. Bis dahin wird mein Haufen nicht weniger. Kann ich da etwas machen? Schließlich wurde das Geld eh schon gepfändet. Es ist zwar nur ein kleiner Betrag, aber die Zinsen von dem Gläubiger wird ja auch nicht wenige bis sich das Konto nächstes Jahr auflöst. Meine Frage deshalb: Kann ich eine Zwangsöffnung erwirken oder sieht es da schlecht aus? Habe nur Angst, dass noch mehr Pfändungen kommen oder mein Lohn irgendwann gepfändet wird.
Danke und liebe Grüße

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Tina 16. April 2019 um 14:50

Hallo ! Ich habe vor 3 jahren 30.000€ in Festgeld angelegt Laufzeit noch 3 Jahre! Nun haben wir aber die Möglichkeit ein Haus zu Kauf! Brauche also das Geld ! Nach Kündigung soll ich nun knapp 1800€ weniger ausgezahlt bekommen ! Von Zinsen ganz zu schweigen

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