Erststudium: Ausbildungskosten nachträglich absetzbar

Akademiker, aufgepasst: Die Kosten für ein früheres Studium lassen sich unter Umständen noch heute voll absetzen. Zwei Finanzgerichte haben aktuell den Weg dafür freigemacht. Dadurch lassen sich erhebliche Steuerersparnisse erzielen.

Eine wichtige Voraussetzung: Die Kosten müssen vor 2004 entstanden sein.
Für die Zeit ab 2004 hat der Gesetzgeber eine klare Regelung geschaffen: Kosten für ein Erststudium sowie für eine erstmalige Berufsausbildung sind lediglich als Sonderausgaben absetzbar, und zwar bis maximal bis 4.000 Euro jährlich. Die Einstufung als „Sonderausgaben“ ist bedeutsam: Denn steuermindernd sind Sonderausgaben generell nur dann, wenn im gleichen Jahr der Student oder Azubi auch Einkünfte erzielt hat. Bei „Werbungskosten“ ist das anders: Sie können als ein Verlust vorgetragen werden, also von einem Jahr ohne Einkünfte (und ohne Steuern) in ein Jahr mit Einkünften.

Für Ausbildungsaufwendungen vor 2004 ist dieser Werbungskosten-Trick von zwei Finanzgerichten (FG) für zulässig erachtet worden. Das FG Rheinland-Pfalz etwa akzeptierte 15.000 Euro Kosten für ein Wirtschaftsstudium an einer privaten Hochschule im Jahr 2002 (Az: 5 K 2443/04). Das FG Köln wiederum akzeptierte die Kosten aus dem Jahr 2001 für ein Jura-Studium, das sich an das Abitur angeschlossen hatte (Az: 10 K 3712/04).

Verluste aus der Vergangenheit mitnehmen

Als „vorab entstandene Werbungskosten“ führen die Aufwendungen zu einem Verlustabzugs (§ 10d EStG), der so lange vorgetragen werden kann, bis zum ersten Mal Geld verdient wird. Um sich auf die aktuellen Urteile berufen zu können, dürfen Steuerbescheide bis 2003 aber nicht bestandkräftig geworden sein. Das ist dann denkbar, wenn wegen der Diskussion um die Ausbildungskosten Einspruch eingelegt wurde.

Doch selbst ohne Einspruch gibt es noch Chancen: Häufig haben Ex-Studenten für frühere Jahre wegen geringer Einkünfte gar keine Steuererklärung abgegeben – und holen das jetzt nach.

Die rein freiwillige Abgabe einer Steuererklärung ist zwar nur bis zum Ende des übernächsten Jahres nach dem Steuerjahr möglich (§ 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG). Wurden jedoch während des Studiums z.B. Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit bezogen, hätte eine Abgabepflicht bestanden. Dafür gilt die Ausschlussfrist nicht. Das können sich manche Studenten zu Nutze machen und nun doch noch eine Steuererklärung abgeben.

Die Festsetzungsverjährung (§ 169 Abgabenordnung) ist dann ebenfalls kein Problem. Die Frist hierfür beträgt vier Jahre – gerechnet von dem Jahr an, in dem die Erklärung tatsächlich abgegeben wird. Im Klartext: In solchen Fällen ist noch für viele Jahr rückwirkend eine Steuererklärung denkbar, um so alte Ausbildungskosten in die Zukunft zu ziehen.

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