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Ausbildungskosten absetzen – so sieht es die Finanzverwaltung

Mit dem Schreiben des Bundesministerium der Finanzen (BMF) vom 22. September 2010, Az. IV C 4-S 2227/07/10002:002 , ist die Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für Berufsausbildungskosten neu geregelt worden.

Nach diesem BMF-Schreiben sind  Aufwendungen für die erstmalige Berufsausbildung und ein Erststudium direkt nach der Schulausbildung gem. § 12 Nr. 5 Einkommensteuergesetz (EStG) nicht als Werbungskosten in voller Höhe abzugsfähig. Eine Abzugsmöglichkeit besteht in soweit lediglich bis zu 4.000 Euro als Sonderausgabe gem. § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG. Von dieser Regelung sind die erstmalige Berufsausbildung bzw. das Erststudium im Rahmen eines Dienstverhältnisses ausgenommen.

Ist einer Berufsausbildung oder einem Studium eine abgeschlossene erstmalige Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Erststudium vorausgegangen, handelt es sich bei diesen weiteren Berufsbildungskosten um Werbungskosten oder Betriebsausgaben, wenn ein hinreichend konkreter und objektiv feststellbarer Zusammenhang mit späteren im Inland steuerpflichtigen Einnahmen besteht. Für ein Erststudium nach einer abgeschlossenen nichtakademischen Berufsausbildung ist unter den gleichen Voraussetzungen ein Abzug der Kosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben möglich. Dieses ist Folge des Urteils des Bundesfinanzhofs vom 18. Juni 2009, VI R 14/07.

Fort- und Weiterbildungskosten sind von dieser Regelung nicht betroffen und können weiterhin als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abzugsfähig sein, soweit es sich nicht um eine Berufsausbildung oder ein Erststudium im Sinne des § 12 Nr. 5 EStG handelt.

[highlight]Meine Meinung: Wenn das Bundesfinanzministerium durch einen Erlass etwas „regelt“, heißt das noch lange nicht, dass das richtig sein muss. [/highlight]Mit so einem Erlass werden lediglich Gesetz sowie aktuelle Rechtsprechung interpretiert, natürlich zu Gunsten der Finanzverwaltung. Nicht selten zeigt sich erst nach Klagen in die höchste Instanz, dass die Verwaltung ein Gesetz falsch interpretiert hat. Bestes Beispiel ist das Elterngeld. Die Verwaltung sah es als Missbrauch an, wenn Eltern die Steuerklassen wechselten und so das Elterngeld erhöhten. Das Bundessozialgericht beurteilte diese Gestaltung als gesetzeskonform.


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