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Private Altersvorsorge immer unbeliebter (Postbank-Studie)

Private Altersvorsorge wird laut einer neuen Studie bei den Deutschen zunehmend unbeliebter. Die Bereitschaft zu Neuabschlüssen ist stark gesunken, die monatlichen Vorsorge-Ausgaben fallen immer weiter. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer neuen Postbank-Studie „Altersvorsorge in Deutschland“, die zum 10. Mal erstellt wurde. Vom Institut für Demoskopie Allensbach wurden dafür 1.642 in Deutschland lebende Bürger ab 16 Jahre befragt.

Fast die Hälfte der Berufstätigen in Deutschland, nämlich 42 Prozent, will laut Postbank-Studie die private Altersvorsorge nicht mehr erweitern. In der ersten Studie 2003 waren es nur 30 Prozent der Berufstätigen. Rückläufig sind auch die monatlichen Ausgaben der Berufstätigen, die vorsorgen: Investierten sie für ihre private Altersvorsorge seit der erstmaligen Messung 2005 noch im Schnitt 204 Euro im Monat, sind es jetzt nur noch 185 Euro – ein Minus von fast zehn Prozent. Die Unterschiede zwischen der Vorsorge in Ost und West hat die Postbank in dieser Graphik zusammengestellt:

Eurokrise wirkt auf private Altersvorsorge

Die Postbank-Studie zur Altersvorsorge hat vor allem zwei Gründe ausgemacht. Mehr als die Hälfte aller Berufstätigen in Deutschland (52 Prozent) sorgt sich wegen der Staatsschulden- und der Eurokrise verstärkt um ihre Altersversorgung. Aber auch gute Konjunktur mit einer historisch hohen Beschäftigungslage in Deutschland hätten einen erheblichen Einfluss.

Immobilien für Altersvorsorge gefragt

Immobilien als Altersvorsorge stehen in Deutschland hoch im Kurs. Fast jeder dritte Berufstätige, der seine Altersvorsorge noch erweitern will, plant laut Postbank-Studie den Bau oder Kauf eines Eigenheims. Das ist gut ein Viertel mehr als in der ersten Postbank-Studie im Jahre 2003. Zum Star sind dabei Wohnungen oder Häuser zur Vermietung geworden: 14 Prozent der Berufstätigen wollen künftig in Mietimmobilien investieren, um ihre Altersvorsorge auszubauen. Damit hat sich das Interesse an dieser Form der Altersversorgung gegenüber 2011 glatt verdoppelt.

Riester-Rente zunehmend kritisch betrachtet

Postbank_Studie_AltersvorsorgeGenau entgegengesetzt verläuft die Entwicklung bei der 2002 eingeführten privaten Riester-Rente. Inzwischen sehen hierin nur noch 24 Prozent der Deutschen eine „ideale Form der Alterssicherung“. Vor fünf Jahren waren es noch etwa 31 Prozent – also gut ein Viertel mehr.

Mehrheit für Zwangsrente im Betrieb

Deutlich votieren die Deutschen gegen eine gesetzliche Pflicht zur privaten Altersvorsorge, wie etwa in Form einer privaten Riester-Rente. 48 Prozent halten dies für keine gute Idee, nur halb so viele (24 Prozent) wären dafür (Rest unentschieden). Ganz anders ist aber die Einschätzung einer pflichtmäßigen betrieblichen Altersversorgung (bAV). Mit klarer Mehrheit von 56 Prozent sind die Deutschen dafür und nur 19 Prozent dagegen (Rest unentschieden). Zu einem ähnlichen Ergebnis war vor kurzem das vom Deutsche-Bank-Konzern finanzierte Institut für Altersvorsorge gekommen (s. Finblog-Posting Jeder 2. Deutsche fände Zwangsrente gut).


Kommentare

Nils Meyer 5. Oktober 2012 um 18:40

Klar, wenn so eine Zwangsbetriebsrente für mich einkommensneutral eingeführt werden würde dann wäre mir das Recht, ist ja quasi eine Gehaltserhöhung. Wird aber nicht passieren, kommt wieder aus meiner Tasche und landet dann in Staatsanleihen und den Taschen von den Finanzraffkes. Ich hätte lieber mehr Sparerfreibetrag (ansteigend mit dem Lebensalter). 

Antworten

FinblogRedaktion 5. Oktober 2012 um 10:49

@Marc:Ja und Nein. Auch ohne Stempel Riester / Rürup gibt es geschütztes
Vermögen. Zum einen generelle Freibeträge, zum anderen spezielle für
Sparverträge, die zur Alterssicherung abgeschlossen wurden. Dafür muss
ein Verwertungsausschluss vereinbart sein (geht auch nachträglich). Für die Masse der Geringverdiener,
die vor allem mit der Riester-Rente motiviert werden soll, dürfte das
m.E. völlig ausreichend sein. Gruss, Andreas

Antworten

Marc 5. Oktober 2012 um 15:47

 Ah, danke, das Stichwort ist Verwertungsausschluss.


Marc 4. Oktober 2012 um 20:27

Natürlich ist die Riesterente grenzwertig und solange sie mit der Grundsicherung verrechnet wird für Geringverdiener u.U. uninteressant und nur durch das Prinzip Hoffnung (dass es mal besser läuft) gerechtfertigt. Für die ist eigentlich auch in die Rentenversicherung einzahlen uninteressant, aber das müssen sie halt.

Aber die Riester- und Rüruprenten haben einen Vorteil: Sie sind ALG2-sicher. Bei allen privaten Vorsorgen läuft man Gefahr, dass man mit 60 arbeitslos wird und mit 61 dann seine Rücklagen auflösen muss. Da wird der, der vorsorgen wollte, bestraft. Aber das war ja von der damaligen sozial(!)demokratischen geführten Bundesregierung so gewollt.

Antworten

Finanzjournalist And 5. Oktober 2012 um 10:47

Ja und Nein. Auch ohne Stempel Riester / Rürup gibt es geschütztes Vermögen. Zum einen generelle Freibeträge, zum anderen spezielel für Sparverträge, die zur Alterssicherung abgeschlossen wurden. Dafür muss ein Verwertungsausschluss vereinbart. Für die Masse der Geringverdiener, die vor allem mit der Riester-Rente motiviert werden soll, dürfte das m.E. völlig ausreichend sein.


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