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Bizarre Abmahnung der Verbraucherzentrale NRW

Heise.de berichtet: „Ungläubiges Kopfschütteln löste bei den Betreibern des Verbraucherschutzportals Antispam.de eine Abmahnung aus, die sie am gestrigen Freitag im Briefkasten fanden: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen moniert darin, dass im Antispam-Forum ein Artikel von der Verbraucherzentrale-Website ohne Quellenangabe komplett übernommen worden sei.“

Laut Heise.de-Link bezieht sich die Abmahnung der Verbraucherzentrale NRW auf diesen Artikel , der das Thema unerwünschte Werbung behandelt. Der Artikel auf der Homepage der Verbraucherzentrale NRW hat keine Autorenangabe und ist laut Fußnote im Januar 2005 veröffentlicht worden.

Bizarr daran wirkt allerdings auf mich: Ein in weiten Teilen wortgleicher Artikel ist bereits im Oktober 2001 vom WDR veröffentlicht worden, und zwar mit Autorenangabe „Von Edith Dietrich und Katja Krebbers“. Mahnt also die Verbraucherzentrale NRW etwa eine Urheberrechtsverletzung bei einem Artikel ab, den sie selber abgekupfert hat?

Vergleichen wir nur mal den Einstieg.
Text Verbraucherzentrale NRW (2005):

Wer keine Werbung im Briefkasten wünscht, muss dies erkennbar machen. Dazu genügt es, einen Aufkleber „Keine Werbung einwerfen“ gut sichtbar am Briefkasten oder an der Haustür anzubringen. Der Bundesgerichtshof hat entschieden (Urteil vom 20.12.1988, Aktenzeichen VI ZR 182/88), dass werbende Unternehmen diesen oder inhaltsgleiche Aufkleber beachten müssen.

Text WDR Servicezeit Geld (2001):

Wer keine Werbung im Briefkasten wünscht, braucht das nur erkennbar zu machen. Dazu genügt ein Aufkleber „Keine Werbung einwerfen“ am Briefkasten. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden (Urteil vom 20. Dezember 1988, AZ VI ZR 182/88), dass werbende Unternehmen diesen oder inhaltsgleiche Aufkleber beachten müssen.

Wer hat denn nun vom wem abgeschrieben? Schon wegen des Datums könnte man mutmaßen, dass sich die Verbraucherzentrale NRW beim WDR bedient hat. Außerdem gibt es noch eine Vermutungsregelung nach dem Urheberrechtsgesetz (§ 10):

Vermutung der Urheberschaft

(1) Wer auf den Vervielfältigungsstücken eines erschienenen Werkes oder auf dem Original eines Werkes der bildenden Künste in der üblichen Weise als Urheber bezeichnet ist, wird bis zum Beweis des Gegenteils als Urheber des Werkes angesehen; dies gilt auch für eine Bezeichnung, die als Deckname oder Künstlerzeichen des Urhebers bekannt ist.

Da der WDR-Artikel eine Urheberkennzeichung hat („Von Edith Dietrich und Katja Krebbers“) ist jedenfalls für die identischen Passagen der beiden Artikel davon zunächst auszugehen, dass die beiden WDR-Mitarbeiter die Urheber sind.



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