Abfindung vor der Steuer retten

Arbeitnehmer, die im vergangenen Jahr 2004 eine Entlassungsabfindung erhalten haben, sollten die diesjährige Steuererklärung besonders sorgfältig angehen. Unter Umständen müssen sie die gekürzten Freibeträge nicht hinnehmen.

Der Einschnitt war erheblich: Der generelle Freibetrag für begünstigte Abfindungen liegt nun nur noch bei 7.200 Euro (zuvor 8.181 Euro). Hat der Mitarbeiter das 50. Lebensjahr vollendet und hat sein Arbeitsverhältnis mindestens 15 Jahre bestanden, so beläuft sich der Höchstbetrag auf 9.000 Euro (zuvor 10.226 Euro) Ab Vollendung des 55. Lebensjahres nach mindestens 20jährigem Arbeitsverhältnis steigt der Höchstfreibetrag auf 11.000 Euro (zuvor 12.271 Euro).

Nach Ansicht der Finanzverwaltung gelten die gekürzten Freibeträge für alle in 2004 gezahlten Abfindungen – selbst wenn die Vereinbarung darüber noch im Vorjahr geschlossen wurde (BMF-Schreiben vom 27.1.2004, IV C 5 – S 2000 – 2/04). Das Problematische daran: Die Kürzung war erst kurz vor dem Jahreswechsel beschlossen worden. Die allermeisten Arbeitnehmer konnten das in ihren Planungen nicht mehr berücksichtigen, sofern sie ihre Abfindungsvereinbarungen in 2003 geschlossen hatten. „Deshalb könnte es sich in solchen Fällen um eine Verletzung des Rechtsgrundsatzes des Vertrauensschutzes handeln“, meint der Münsteraner Steuerrechtsprofessor Jürgen Hidien.
In einer vergleichbaren Konstellation, die die Besteuerung einer 1998 vereinbarten, aber 1999 ausgezahlten Abfindung betraf, habe der Bundesfinanzhof (Az: XI R 42/01) entschieden, neue Steuergesetze dürften grundsätzlich nicht rückwirkend angewendet werden.

Der Experte verweist außerdem auf einen weiteren Vorlagebeschluss des Bundesfinanzhofes (Az: IX R 46/02), mit dem die rückwirkende Verlängerung der Spekulationsfrist für Immobilien von zwei auf zehn Jahre ohne Übergangsregelung als verfassungswidrig beurteilt worden war – ebenfalls wegen Verletzung des Vertrauensschutzes. „Beide Entscheidungen, über die abschließend noch das Bundesverfassungsgericht urteilen muss, können eine gute Basis sein, um sich gegen eine höhere Besteuerung der Abfindung mittels Einspruch zu wehren“, so Professor Hidien. Dafür muss aber zunächst der Steuerbescheid für 2004 vorliegen.

Um Steuern bei der Abfindungen zu sparen, gibt es noch weitere Möglichkeiten:

  • Wer im Zusammenhang mit der Abfindung Aufwendungen hatte, etwa Honorare für den Steuerberater oder Rechtsanwalt, kann diese als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen.
  • Für den Abfindungsbetrag, der den jeweiligen Freibetrag übersteigt, kann die so genannte Fünftel-Regelung in Anspruch genommen werden (§ 34 I, II Einkommensteuergesetz). Dadurch sinkt die Steuerprogression, den konkreten Nutzen muss aber ein Steuerberater errechnen.
  • Kirchenmitglieder können nachträglich die auf die Abfindung entfallende Kirchensteuer senken. Dafür reicht ein formloser Antrag beim Kirchensteueramt. In der Regel sind 50 Prozent Erlass kein Problem.

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