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WGF AG: Insolvenz-Antrag – 71 Mio Bilanzverlust – Rückzahlung Anleihe WGFH06 ausgesetzt

Zuletzt aktualisiert: 7. Juli 2013

Die WGF AG hat heute beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenzantrag gestellt. Der Jahresabschluss für 2011 weist nach Angaben der WGF einen Bilanzverlust von etwa 71 Millionen Euro aus. Die Rückzahlung der am 15.12.2012 fälligen Anleihe WGFH06 über nominal 50 Millionen Euro wurde ausgesetzt. Nach Ansicht der Anlegerschutz-Kanzlei Baum, Reiter & Collegen in Düsseldorf droht Anlegern ein dreistelliger Millionenschaden.

Anwälte raten: „Anleger sollten sich organisieren“

„WGF-Anleger sollten nicht dem Irrglauben unterliegen, dass die erstrangige Immobilienanleihe mündelsicher war oder ist“, schreiben die Anwälte in einer Mitteilung. „Die Besicherung der Anleihevolumina durch Grundschulden erfolgte nicht zu hundert Prozent, sondern im Falle der ersten Anleihe z.B. nur bis zu einer Beleihungsgrenze von maximal 90 Prozent des Verkehrswertes. Wenn sich nunmehr herausstellen sollte, dass die Immobilien überbewertet waren, werden die Anleger über die Besicherungslücke hinaus weitere Verluste erleiden.“ Die Kanzlei empfiehlt Anlegern, sich zu organisieren, um ihre Gläubigerrechte gemeinsam wahrzunehmen.

Laut einer Mitteilung der WGF resultiert der Jahresverlust im Wesentlichen „aus strategischen Desinvestments und bilanztechnische Maßnahmen, insbesondere Abschreibungen auf das Anlagevermögen“. Es wurde der WGF-Mitteilung zu Folge ein Antrag auf Eigenverwaltung gemäß §§ 270, 270 a der Insolvenzordnung (InsO) gestellt. Ziel sei es, „die Bevorzugung von Einzelinteressen zu vermeiden und zu verhindern, dass die Immobiliensubstanz der WGF AG durch Bedienung kurzfristiger Interessen (z.B. mit Notverkäufen werthaltiger Immobilien) beschädigt wird“.


„Anleger müssen geplante Eigenverwaltung bei WGF verhindern“

Die Anleger-Anwälte von Baum, Reiter & Collegen raten, Anleger müssten die von der WGF beantragte Insolvenz in Eigenverwaltung unbedingt verhindern, damit die bisher Verantwortlichen (z.B. Vorstand, Aufsichtsrat, Mittelverwendungskontrolleur, Treuhänder etc.) „die bislang gezeigte Verschleierungstaktik nicht weiter betreiben können“. Es gehe jetzt um lückenlose Aufklärung der Geschehnisse und Verantwortlichkeiten. „Diese darf nicht denjenigen überlassen werden, die diese Pleite verursacht oder die Strukturen entworfen haben“, so Anwalt Professor Julius Reiter in der Stellungnahme.

Die WGF AG erarbeitet nach eigenen Angaben mit Hilfe einer Unternehmensberatung im Rahmen des Insolvenzverfahrens ein Sanierungskonzept, das die bereits begonnene Neuausrichtung des Unternehmens als Projektentwickler auf eine „langfristig solide Basis“ stelle. Der bisherige Geschäftsbereich Immobilienhandel werde durch den Bereich  „Projektentwicklung für institutionelle Investoren und Family Offices abgelöst“.

WGF findet Geschäftsmodell weiterhin stimmig

Die WGF AG möchte offenbar weiter Hoffnung verbreiten. Der Aufsichtsratsvorsitzende Professor Hans-Peter Schwintowski sehe mit allen AR-Mitgliedern klare Chancen für eine Sanierung des Unternehmens, da das Geschäftsmodell der WGF AG insbesondere mit der Neuausrichtung als Projektentwickler „weiterhin stimmig“ sei. Ganz anders sehen das die Anleger-Anwälte von Baum, Reiter & Collegen: „Die WGF hat in den letzten Jahren aus Gründen der Bilanzkosmetik ein für den normalen Anleger nicht mehr durchschaubares Firmengeflecht geschaffen.“



Kommentare


Lehmann 3. März 2013 um 06:00

Insolvenzplan da seit 01.03.2013. Gläubigerversammlung m 22.05.2013. Insolvenzplan liegt aus am Amtsgericht Düsseldorf. Informationen unter http://www.insolvenzbekanntmachungen.de, AZ 504 IN 269/12. Schade eigentlich, dass man da so rückständig ist und diese Pläne nicht online stellt.
Gläubiger müssen ab sofort bis Anfang Mai ihre Forderungen gegenüber der WGF dem Insolvenzsachwalter (Prof. Rattunde) melden.
Plan sieht Weiterführung vor. Zulässig, wenn die Gläubiger in dem Fall besser gestellt sind als bei Auflösung des Unternehmens. Ob das bei den handelnden Personen künftig der Fall ist, stellt sich offensichtlich nicht mehr als fraglich hin.

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Lehmann 28. Februar 2013 um 18:20

WGF hält erneut nicht Wort. Am 31.01.2013 äußerte sich der für die Insolvenz geholte RA Depping, dass er zuversichtlich sei, bis Ende Februar 2013 den Insolvenzplan vorlegen zu können. Liegt nicht vor.

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Krystian Bandzimiera 11. Dezember 2012 um 22:41

Der
Ausfall der WGF-Anleihe liegt nicht in externen Faktoren, sondern
vielmehr in ihrer ganz eigenen internen Struktur begründet. Die
Frage, ob Pino mit seiner Villa im Fernsehen erscheint trägt zur
Diskussion neben einem gedachten „Recht so!“ nicht weiter bei,
einer eingehenden Untersuchung des Ausfalls allerdings fehlt es den
Tagesmedien leider an Tiefe und Zeit.

Es
ist das Produkt selbst, das schädlich arrangiert wurde und daher
kollabiert; die Organe, die für eine taugliche und erfüllbare
Anleihe sorgen, sind nahezu alle ausgelassen oder nur oberflächlich
behandelt worden:
„- Mindestens bei der Emission waren die Immobilien nicht vorhanden.

– Es ist heute fraglich, ob überhaupt soviele Immobilien – berechnet
nach Marktwerten – vorhanden sind, um sämtliche ausstehenden
Anleihen zu decken; es stehen bei der WGF ja immerhin € 240
Millionen an Schuldtiteln aus.

– Das Geld aus den Anleiheplatzierungen wurde zu mindestens 18 % für
andere Zwecke als den Erwerb und die Finanzierung von Immobilien
ausgegeben.

– Eine etwaige Sicherheit bestand auf dem Niveau von Marktwerten, die
in der Krise keinesfalls zu erzielen sind.

– Projektentwicklungen wurden finanziert, so dass die die Investoren
auch Projektrisiken tragen, die sich jetzt realisieren.“

Wir
schließen uns Kunze in der, für den Immobilienmarkt wichtigen,
Debatte mit einer Analyse an, die wir bereits vergangene Woche http://essenceoffinance.com/de/2012/12/08/analyse-truegerischer-sicherheit/
veröffenticht hatten. Unser Beitrag soll den Part der Analyse
erfüllen, der für diese richtige und richtungsweisende Diskussion
essentiell ist.

Antworten

Lehmann 11. Dezember 2012 um 20:31

1. Schuld waren laut WGF GB die unberechtigten Anwürfe eines Düsseldorfer Anwalts und die böse, weil schlechte Presse (gemeint sind Dittke von DSKP Ddorf und Börsennews)
2. deshalb sei die Anschlussfinanzierung unmöglich gewesen, der Verkauf von GS an zwei Banken und auch der Verkauf von Immo zu fairen Preisen
3. was natürlich Quatsch ist, denn der Anwalt hat nur auf die Fehler der WGF aufmerksam gemacht (fehlende Ratings) und dies hat die Presse berichtet
4. gleichzeitig wurde auf Auffälligkeiten der Bilanzierung aufmerksam gemacht (Riesen-Umsatz durch konzerninterne Transaktionen, und die Verrechnungspreise bzw. Bewertungen der Immo wurden angezweifelt…)
5. und wie sich heute herausstellt: völlig zu Recht
6. der Realitätsverlust bzw. Felix-Krull-Effekt hält an: zur Fortführung wird angegeben, in exklusiven Verhandlungen für die Umsetzung von Projekten im Wert von insgesamt 1,1 Mrd. Euro zu stehen und
7. die Finanzierung dafür stünde auch
8. und der Aufsichtsrat ist zufrieden (klar bei 75.000 Euro Entschädigung p.a.).
9. Die Fortführung wird nicht erfolgen, denn die Prognose für 2012 sieht weitere Verluste von knapp 13 Mio. Euro vor und
10. in 2013 einen gaaanz gewaltigen turn-around auf einen prognostizierten Gewinn von sagenhaften knapp 3 Mio. Euro.
11. Dem steht ein Bilanzverlust von fast 90 Mio. Euro gegenüber!
12. Wer angesichts dieses krassen Missverhältnisses ernsthaft an eine erfolgreiche Fortführung glaubt, ist selber schuld.

Dabei bleibt sogar unberücksichtigt, dass es Ermittlungen gegen Paul Zimmer, Pino Sergio und Raffa Lino wegen
1. Insolvenzverschleppung geben wird, gepaart mit
2. Kursmanipulation (so hat Sergio noch Ende September ein Interview zum Thema Rückzahlung 2012 und 2013 gegeben – anleihefinder – )

Das Private geht ja eigentlich nichts an, aber die Sergio-DHH soll angeblich verkauft sein (ohne Überprüfung vor Ort glaube ich da nichts). Ob Blondie noch lange beim Pino(-cchio) bleibt? Wahrscheinlich, aus Liebe.

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