FINBLOG.de – Aktuelle Notizen vom Finanzjournalist Andreas Kunze

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20. Juli 2010
Banken-Test: Beratungsprotokoll wird ignoriert (PM Stiftung Warentest)

Die Qualität der Anlageberatung von Banken ist in den vergangenen Monaten noch schlechter geworden. Hauptgrund: Die meisten Kreditinstitute halten sich nicht immer an die gesetzlichen Vorgaben. Sie stellen den Kunden zum Beispiel nicht alle Fragen, die sie stellen müssten, und klären häufig über wesentliche Eigenschaften und Kosten der Anlageprodukte nicht auf. In über der Hälfte der Fälle kamen die Bankberater ihrer Pflicht nach der Aushändigung eines Beratungsprotokolls nicht nach, obwohl die Kunden danach gefragt hatten. Außerdem empfahlen die meisten Banken einen zu riskanten Anlagemix. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in der August-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest, für die sie die Anlageberatung von 21 Kreditinstituten getestet hat. Sechs Banken bekamen dabei das Urteil “Mangelhaft”, zwölf waren “ausreichend”, drei “befriedigend” und keine einzige war “gut”.

Ende 2009 veröffentlichte Finanztest einen Test der Anlageberatung bei 21 Banken. Das Ergebnis war eine große Blamage. Keine einzige Bank hatte “gut” abgeschnitten, zwei waren sogar “mangelhaft”. Daraufhin drohte Verbraucherschutzministerin Aigner den Banken mit schärferen Kontrollen und weiteren Gesetzen, sollten sie ihre Leistungen nicht verbessern. Außerdem wurde ein Beratungsprotokoll Pflicht, wenn über Wertpapiere beraten wird. Die Kreditinstitute selbst gelobten Besserung.

Jetzt hat die Stiftung Warentest fast alle dieser Banken noch einmal unter die Lupe genommen. Die Testkunden haben 146 Beratungsgespräche durchgeführt. Sie wollten 35 000 Euro zehn Jahre lang anlegen. Das Ergebnis ist noch verheerender als beim letzten Mal: Wieder ist keine einzige Bank “gut”, dafür vergab die Stiftung sogar sechsmal die Note “Mangelhaft”, und zwar an die Postbank, Hypovereinsbank, Targobank, BW Bank, Nassauische Sparkasse und Volksbank Mittelhessen. Das größte Problem ist, dass die Banken das Wertpapierhandelsgesetz missachten. Sie müssen die Kunden nach ihren finanziellen und persönlichen Verhältnissen fragen, sind verpflichtet zu ermitteln, welches Ziel die Kunden mit ihrer Geldanlage erreichen wollen und welche Kenntnisse sie haben. Bei der Beratung über Wertpapiere muss zudem ein Beratungsprotokoll ausgehändigt werden.

Der ausführliche Test “Anlageberatung der Banken” ist in der August-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und online unter www.test.de/anlageberatung veröffentlicht.

(Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung des Unternehmens Stiftung Warentest)

21. Mai 2010
Hausratversicherungen im Test: Günstige Policen aus dem Sumpfgebiet

Bei Ammerländer denke ich automatisch erst mal an Würstchen. Das liegt vielleicht an der Deutschländer-Werbung (”Meister, ….”). Eisgekühlter Bommerlunder fällt mir auch noch ein.
Ammerländer ist aber eine Versicherung, und zwar im Ammerland, worüber Wikipedia weiß: “Der Landkreis Ammerland (von Ameri + Land = indogermanisch: Sumpfland) ist ein Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen.

Im Sumpfland ist also die Ammerländer Versicherung zu Hause, und vielleicht liegt es an günstigen Grundstückpreisen, dass auch die Prämien bei der Hausratversicherung der Ammerländer ausgesprochen günstig sind.

Das hat jedenfalls die Stiftung Warentest in einem Test zu Hausratversicherungen herausgefunden. “Die” günstige Hausratversicherung gibt es übrigens nicht. Je nach Stadt gibt es unterschiedliche Hitlisten. Die Ammerländer ist aber meist in der Soitzengruppe zu finden. Hier eine Übersicht von Gesellschaften im Hausratversicherungen-Vergleich von Finanztest, die zu den Top 5 bei 4 verschiedenen Städten gehörten. Die Versicherer mit den meisten Nennnungen stehen oben.

Ammerländer
LBN
Docura

Grundeigentümer
Haftpflichtkasse Darmstadt

Huk24
Asstel

Mit einem Angebot dieser Gesellschaften kann man gut erkennen, ob die eigene Hausratversicherung vielleicht viel zu teuer ist. Die Preisunterschiede sind, wie stets in der Versicherungswirtschaft, erheblich. Teure Anbieter von Hausratversicherungen verlangen das Dreifache im Vergleich zu den günstigsten. Andererseits muss man es m.E. auch nicht übertreiben. Wer in einer günstigen Stadt (=geringes Einbruchsrisiko) wohnt und wenig Hausrat hat, der spart am Ende vielleicht nur 20 Euro im Jahr. Für Leute in großen Städten mit hohen Versicherungssummen lohnt sich ein Vergleich und ein Wechsel schon eher.
Wichtiger als Erbsenzählerei bei der Prämie erscheint mir der Versicherungsumfang, inbesondere bei Überspannungsschäden. Gerade wenn viel High-Tech im Hause herumsteht, sollten solche Schäden mitversichert sein. Denn sehr viel öfter als direkter Blitzschlag verursacht der Blitzschlag Schäden, weil er zum Beispiel in die Dachantenne fuhr und im Stromnetz des Hauses eine Überspannung auslöste. Das kann teure Geräte wie Fernseher, Hifi-Anlagen oder Computer demolieren. Eine solche indirekte Blitzfolge ist nur dann versichert, wenn in der Police ausdrücklich Überspannungsschäden mitversichert sind.

18. Mai 2010
Baufinanzierung im Test: Wohnriester zu teuer

3. Mai 2010
Hausratversicherungen: “Welt” recherchiert knallhart bei Toptarif

Der “Welt” liegt nach eigenen Angaben eine “aktuelle Studie” von Toptarif vor, die sich mit Preisunterschieden bei Hausratversicherungen beschäftigt. Das war vermutlich ein hartes Stück Recherechearbeit, an diese aktuelle Studie überhaupt heranzukommen.

Die Überschrift des Artikels:

Auf die Postleitzahl kommt es an
Beiträge für Hausratversicherung variieren teilweise um 100 Prozent

Die Überschrift der aktuellen Pressemitteilung

Auf die Postleitzahl kommt es an: Hausratversicherung kann je nach Wohnort das Doppelte kosten / Versicherer schätzen Risiken unterschiedlich ein / Tarifwechsel kann Kostenvorteile von über 200 Euro bringen

Die “Welt” schreibt außerdem:

“Da die Tarifzonen der Versicherer nicht einheitlich sind, können hier große Unterschiede auftreten”, sagt Thorsten Bohg vom unabhängigen Vergleichsportal Toptarif.

Da sind die investigativen Recherchen vielleicht nicht weit genug gegangen. Man kann natürlich Toptarif.de als “unabhängiges Vergleichsportal” bezeichnen. Aber in erster Linie ist Toptarif.de ein Versicherungsvermittler:

Die TopTarif Internet GmbH wurde der zuständigen Behörde (IHK Berlin) gemeldet und hat eine Eintragung im Vermittlerregister als Versicherungsmakler mit einer Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO und einer entsprechenden Registrierungsnummer vornehmen lassen. Die Registernummer lautet: D-ESHE-05MUO-71

Danach kann die Eintragung im Vermittlerregister wie folgt überprüft werden:
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) e.V.
Breite Str. 29
10178 Berlin
Tel. 0180-500-585-0*
www.vermittlerregister.info

Das steht vielleicht nicht in der aktuellen Studie drin, die der Welt vorliegt. Aber im Impressum von Toptarif.de

Hier gibt die Toptarif-Pressemitteilung oder sagen wir auch Studie vollständig.

26. April 2010
Test Rechtschutz-Versicherungen: Allrecht doch nicht so toll

Vor kurzem erklärte das “Deutsche Institut für Service-Qualität” den Rechtsschutzversicherer Allrecht zum Testsieger im Vergleich von Rechtsschutzversicherungen (s. Finblog 9. April 2010).
Nun kommt ein Dementi:

Die am 3. April 2010 veröffentlichte Studie wurde am 15. April aktualisiert, da einige wenige Anbieter statt der günstigsten Normaltarife spezielle Sondertarife kommuniziert hatten, die u. a. nur für Gewerkschaftsmitglieder oder Angestellte im öffentlichen Dienst gelten.

Ohne Sondertarife sehen die Top 5 nun so aus:

WGV
BGV Badische
Concordia
Örag
DEVK

Hier die Tabelle mit allen Rechtsschutzversicherern in diesem Vergleich.
Vorher waren als Top 5 veröffentlicht worden:

Allrecht
BGV Badische
Deurag
Concordia
WGV

Es kommt nach meiner Erfahrung übrigens immer wieder vor, dass Unternehmen – natürlich versehentlich – bei Vergleichsanfragen Spezialtarife nennen. Mal fehlt dann die eingerechnete Vermittlerprovision, mal die Versicherungssteuer, mal der Ratenzahlungszuschlag, mal sind es Tarife nur für Mitarbeiter usw. Das passiert, wie gesagt, natürlich rein versehentlich und ist nicht so zu verstehen, dass sich ein Versicherer ein besseres Tabellenlisting ermogeln will.

21. April 2010
Verbraucherzentralen-Hotlines im Test

Wie gut beraten Verbraucherzentralen am Telefon zu Finanzthemen? Dazu hat die Zeitschrift procontra mit dem Finanzvertreter-Verband AfW-Bundesverband Finanzdienstleistung einen Test durchgeführt. “Das Ergebnis war in Teilen verheerend”, heißt es in einer Pressemitteilung. Auszüge:

Getestet wurden kostenpflichtige Hotlines der Verbraucherzentralen der einzelnen Bundesländer zu den Themen Altersvorsorge und Versicherungen. Im Test rief jeweils ein zuvor entwickelter Musterkunde an, welcher Bedarf für eine Beratung zu einem fällig werdenden Anlagebetrag von 10.000 Euro zeigte.

Das Positive vorab: Bei der überwiegenden Zahl der von procontra und dem AfW getesteten Hotlines wurde von einer telefonischen Beratung Abstand genommen und auf die Notwendigkeit einer persönlichen Beratung vor Ort hingewiesen. Nichts anderes hätte man von einem seriösen Berater erwarten dürfen. Ärgerlich für die Anrufer, die bis zu 2 Euro pro Minute für diesen Verweis zahlen müssen. Aber immer noch günstiger, als es für den Testkunden von procontra in zwei besonders dramatischen Fällen hätte kommen können.

Dem Testkunden wurde in einem Fall empfohlen, sein Geld lieber in Einzelwerte statt in teure Aktienfonds zu investieren und sich auf diese Weise seinen eigenen Aktienfonds zusammenzustellen. (…)

Die Berater der Verbraucherzentralen in NRW und Berlin verstießen überdies gegen die eigenen Empfehlungen und Checklisten der Verbraucherzentralen. „In der telefonischen Beratung fehlten klare Fragen nach konkreten Bedürfnissen und zur Risikoabsicherung des Testkunden. Stattdessen wurden teilweise nach wenigen Minuten konkrete Produkte empfohlen. Wer zu Recht auf der einen Seite Qualität in der Finanzberatung fordert und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, steht natürlich besonders in der Verpflichtung, in der eigenen Beratung alles besser zu machen – und nicht vieles schlechter“, resümiert Philipp B. Siebert, Chefredakteur bei procontra.

Wenn überwiegend eine telefonische Beratung abgelehnt wurde, dann haben die Verbraucherzentralen sich überwiegend richtig verhalten. Das Testergebnis wird vielleicht etwas überzogen negativ dargestellt.
M.E. ist es gleichwohl längst überfällig, etwa wegen solchen Vorfällen, dass die Verbraucherzentralen selber vor Ort getestet und kontrolliert werden. Nahelliegend wäre es, wenn das die Stiftung Warentest täte. Warum gehen die da nicht ran?