FINBLOG.de – Aktuelle Notizen vom Finanzjournalist Andreas Kunze

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16. Juni 2010
Über Geld spricht man nicht (PM Comdirect)

Finanzielle Sicherheit ja – selbst um Finanzen kümmern nein. Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie “Kunden-Motive 2010: Geliebt, aber vernachlässigt – die Deutschen und ihre Einstellung zu Geld und Finanzen”, herausgegeben von der comdirect bank und durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Forsa. Obwohl 59 Prozent der Deutschen finanzielle Sicherheit als besonders wichtig in ihrem Leben bewerten, und 71 Prozent sich von der Finanzmarktkrise betroffen fühlen, wollen sich die wenigsten mit Finanzthemen beschäftigen. Nur jeder Dritte (31 Prozent) interessiert sich stark oder sehr stark beispielsweise für sichere Geldanlage oder Altersvorsorge.
Diese Einstellung zeigt sich auch im Alltag: Nur fünf Prozent der Deutschen sprechen häufig mit Bekannten oder Kollegen über Geld.

“Finanzthemen verdienen mehr Aufmerksamkeit”, sagt Michael Mandel, Vorstandsvorsitzender der comdirect bank. “Als Bank informieren wir verständlich und transparent über Geld und Finanzen. Dazu gehört auch, die Bereitschaft zu fördern, sich aktiv mit Finanzthemen auseinanderzusetzen. Unsere Studie zeigt, dass das eine wichtige Aufgabe ist, nicht nur für die comdirect bank, sondern für die gesamte Branche.”

Weitere Ergebnisse der comdirect Studie:

>>>Verhalten durch Krise verändert: Trotz des weit verbreiteten Gefühls der Betroffenheit von der Finanzmarktkrise (71 Prozent) haben nur 38 Prozent ihr Verhalten im Umgang mit Geld verändert. Das sind immerhin mehr als 2009 (21 Prozent).
>>>Sparpotenzial bei Finanzprodukten ungenutzt: 57 Prozent der Deutschen vergleichen regelmäßig Spritpreise, 23 Prozent nehmen Mobilfunktarife genau unter die Lupe. Die Konditionen von Banken und Sparkassen vergleicht dagegen nur jeder Zehnte regelmäßig. Jeder Vierte (27 Prozent) gibt an, bei Finanzdienstleistungen und -produkten nie die Konditionen zu vergleichen.
>>>Geld allein macht nicht glücklich: 69 Prozent der Berufstätigen würden auch arbeiten, wenn sie genügend Geld zur Verfügung hätten und eigentlich gar nicht mehr zur Arbeit gehen müssten.
>>>Klare Prioritäten beim Geldausgeben: Neben alltäglichen Ausgaben haben Schuldentilgung oder Sparen für viele Deutsche Priorität. Freizeitvergnügen stehen erst am Ende der Liste. Allerdings: Jeder Zweite (49 Prozent) gibt beim Einkaufsbummel gelegentlich mehr Geld aus als nötig; 13 Prozent passiert das sogar, obwohl das Konto überzogen ist. Die Unterschiede bei Männern und Frauen sind hierbei nicht sehr groß: Während 51 Prozent der Frauen in die Shoppingfalle tappen, sind es bei Männern 46 Prozent.

Für die repräsentative Untersuchung hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.050 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Der Studienband mit weiteren Ergebnissen und Grafiken steht zum Download bereit unter http://www.comdirect.de/studie.

(Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung des Unternehmens Comdirect)

8. Juni 2010
Focus Online hat mich abgelehnt

So etwa geht mir echt zu Herzen: Abweisung, nicht geliebt werden. Passiert ist mir das heute bei Focus Online. Dort ist ein Renten-Artikel mit dem Titell “Inflation zerstört Alterseinkommen” erschienen, den ich kommentieren wollte – und nicht durfte.
Jedenfalls nicht im ersten Anlauf.

Der Artikel betrifft eine neue “Rentenstudie” des “Deutschen Institutes für Altersvorsorge” (DIA). Wie schon seit über 10 Jahren schildert das vom Deutsche-Bank-Konzern finanzierte Institut, wie düster es um die gesetzliche Rente aussieht und wie nur private Vorsorge das Elend der Alten verhindern kann. Solche Studien veröffentlicht das Deutsche-Bank-Derivat gefühlt etwa jedes Jahr. Focus Online erwähnt lediglich zum Schluss etwas verschämt, dass das DIA “banknah” sei.
Das brachte mich dazu, folgenden Kommentar an Focus Online zu senden:

Bei diesem Institut tut es gut,
wenn man weiß, wer dahinter steckt: Die Finanzwirtschaft. “Gesellschafter des Instituts sind die Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Bauspar AG, DWS Investment GmbH und Deutscher Herold AG, Kooperationspartner ist die Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG.” siehe http://www.dia-vorsorge.de/institut.htm

Focus Online wollte das leider nicht und teilte mir per Mail mit:

Ihr Beitrag wurde von uns nach Prüfung durch einen Administrator nicht veröffentlicht.
Die Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben können, entnehmen Sie bitte unserer Netiquette: http://www.focus.de/community/netiquette
Eine Erläuterung der Ablehnung ist aus personellen und zeitlichen Gründen nicht möglich.
Ihr FOCUS-Online-Administrationsteam

Aber sollte der Tag wirklich so enden, mit dem Gefühl des gescheitert seins? Ich bin flexibel und habe gleich noch einen Kommentar zu dem DIA-Rentenstudien-Artikel an Focus Online gesendet. Und zwar diesmal so:

Danke für diesen Artikel
Endlich wird den Deutschen mal die Augen geöffnet, wie erbärmlich ihre Zukunft ohne private Altersvorsorge aussehen wird. Wer jetzt noch zögert, eine Riester-Rente oder eine andere private Rentenversicherung abzuschließen, soll sich später nicht beklagen – er hätte es besser wissen können. Danke, Focus, für diesen Artikel und die Autklärung. Ihr seid spitze.

Damit kam ich doch noch zu meinem Erfolgerlebenis bei Focus Online:

Vielen Dank für Ihren Kommentar zum Artikel “DIA-Rentenstudie: Inflation zerstört Alterseinkommen”! Wir haben ihn am 08.06.10 um 13.34 Uhr freigeschaltet. Sie finden Ihren Kommentar hier:
http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/tid-18536/danke-fuer-diesen-artikel-dia-rentenstudie-kommentar_2791254.html
Vielen Dank für Ihren Beitrag! Wir freuen uns auf viele weitere Kommentare von Ihnen auf FOCUS Online.
Ihr FOCUS-Online-Administrationsteam

3. Mai 2010
Hausratversicherungen: “Welt” recherchiert knallhart bei Toptarif

Der “Welt” liegt nach eigenen Angaben eine “aktuelle Studie” von Toptarif vor, die sich mit Preisunterschieden bei Hausratversicherungen beschäftigt. Das war vermutlich ein hartes Stück Recherechearbeit, an diese aktuelle Studie überhaupt heranzukommen.

Die Überschrift des Artikels:

Auf die Postleitzahl kommt es an
Beiträge für Hausratversicherung variieren teilweise um 100 Prozent

Die Überschrift der aktuellen Pressemitteilung

Auf die Postleitzahl kommt es an: Hausratversicherung kann je nach Wohnort das Doppelte kosten / Versicherer schätzen Risiken unterschiedlich ein / Tarifwechsel kann Kostenvorteile von über 200 Euro bringen

Die “Welt” schreibt außerdem:

“Da die Tarifzonen der Versicherer nicht einheitlich sind, können hier große Unterschiede auftreten”, sagt Thorsten Bohg vom unabhängigen Vergleichsportal Toptarif.

Da sind die investigativen Recherchen vielleicht nicht weit genug gegangen. Man kann natürlich Toptarif.de als “unabhängiges Vergleichsportal” bezeichnen. Aber in erster Linie ist Toptarif.de ein Versicherungsvermittler:

Die TopTarif Internet GmbH wurde der zuständigen Behörde (IHK Berlin) gemeldet und hat eine Eintragung im Vermittlerregister als Versicherungsmakler mit einer Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO und einer entsprechenden Registrierungsnummer vornehmen lassen. Die Registernummer lautet: D-ESHE-05MUO-71

Danach kann die Eintragung im Vermittlerregister wie folgt überprüft werden:
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) e.V.
Breite Str. 29
10178 Berlin
Tel. 0180-500-585-0*
www.vermittlerregister.info

Das steht vielleicht nicht in der aktuellen Studie drin, die der Welt vorliegt. Aber im Impressum von Toptarif.de

Hier gibt die Toptarif-Pressemitteilung oder sagen wir auch Studie vollständig.

8. April 2010
Frühjahrsumfrage: „Altersvorsorge“ jetzt mit Abstand wichtigstes Sparziel

Die Deutschen sparen, so glauben sie, vor allem für die Altersvorsorge, berichtet der Verband der privaten Bausparkassen in einer Pressemiteilung:

Das Sparziel „Altersvorsorge“ nimmt jetzt klar die Spitzenposition der wichtigsten Sparziele der Bundesbürger ein. Auf Platz 2 folgt ganz stabil das Sparziel „Erwerb/Renovierung von Wohneigentum“. Drittwichtigstes Sparziel ist „Konsum/Anschaffungen“. Gegenüber der letzten Befragung verliert es jedoch merklich an Bedeutung. Das zeigt die zum 38. Mal im Frühjahr 2010 von TNS Infratest, Bielefeld, im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen durchgeführte repräsentative Umfrage zum Sparverhalten der Bundesbürger. Interviewt wurden dabei über 2.000 Bundesbürger im Alter von 14 Jahren und mehr. Die Umfrage wird drei Mal im Jahr durchgeführt.

Mit einem Zuwachs gegenüber der Herbstumfrage 2009 um 7,3%-Punkte auf 67,6 Prozent rangiert das Sparziel „Altersvorsorge“ im Frühjahr 2010 wieder ganz deutlich auf Platz 1. Zweitwichtigstes Sparziel bleibt „Erwerb/Renovierung von Wohneigentum“ mit 52,2 Prozent (Herbst 2009: 52,0 Prozent). Auf Platz 3 steht das Sparziel „Konsum/Anschaffungen“, das mit 50,1 Prozent aber einen Rück-gang von 9,8%-Punkten verzeichnet. Erst mit größerem Abstand folgt das Sparziel „Kapitalanlage“, das zwar um 5,1%-Punkte zulegte, mit 37,3 Prozent aber noch weit von früheren höheren Werten entfernt ist.

Erstaunlich ist daran, dass trotzdem so viel Geld auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten herumliegt, also von der Idee her kurzfristige Geldanlagen.

4. Februar 2010
ibi: Postbank hat die beste Website

Das ibi research an der Universität Regensburg hat die aus ihrer Sicht besten Banken-Websites 2010 gekürt:

1 Deutsche Postbank AG
2 Sparkasse Hannover
3 Dresdner Bank AG
4 Kreissparkasse Köln
5 Sparkasse Aachen
6 Deutsche Bank AG
7 Sparkasse Saarbrücken
8 SEB AG
9 Sparkasse KölnBonn
10 Stadtsparkasse München

Ibi schreibt dazu:

Bereits im 12. Jahr wird der ibi Website Rating Award für die besten Banken-Webseiten verliehen. Die Deutsche Postbank AG geht zum dritten Mal in Folge als Gewinner aus dieser umfangreichsten Untersuchung deutschsprachiger Internet-Auftritte von Banken und Sparkassen hervor. Seit 1997 evaluiert die ibi research GmbH aus Regensburg die Internet-Auftritte der Retail-Banken. Die Beurteilung der Bankenwebsites erfolgt dabei für mehr als 330 Detailkriterien in den Kategorien Beratungsqualität und Usability.

Die Beratungsqualität sagt aus, wie gut der Kunde im Internet in seinem Kaufentscheidungsprozess virtuell beraten und betreut wird. Art und Qualität der abgebildeten Beratungs- und Verkaufsprozesse bestimmen maßgeblich die Vertriebsstärke einer Website. Diese wird z. B. durch richtig platzierte und ausgewählte Informationen, interaktive Elemente und Beratungstools gewährleistet.

Erstaunlich ist für mich daran, dass nicht eine Direktbank vorkommt. Für Direktbanken wäre eigentlich eine gute Website viel wichtiger als für Filialbanken. Aber es gibt sicher noch andere Tests mit anderen Ergebnissen.