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Sterbegeldversicherung sinnvoll? Ja, in einem Fall.

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2017

Vor allem in der dunklen Jahreszeit, mit Feiertagen wie dem Totensonntag, fällt häufiger die Werbung für Sterbegeldversicherungen auf. Als Argument für die Sterbegeldversicherung wird unter anderem genannt, dass die gesetzlichen Kassen kein „Sterbegeld“ zahlen.

Ist der Abschluss sinnvoll? Fragt man eine Verbraucherzentrale, lautet die Antwort: Nein! Aber das stimmt nicht – in einem Fall ist die Sterbegeldversicherung sehr sinnvoll.

„Sterbegeldversicherung – Jetzt alles günstig in Ihrem Sinne regeln“, heißt es bei der Ergo . „Mit der Sterbegeldversicherung der Allianz regeln Sie den letzten Weg nach Ihren Wünschen“, heißt es bei der Allianz. Bei älteren Menschen stößt die Werbung durchaus auf offene Ohren. Der Grund, so berichten Bestatter: Viele zweifeln daran, dass die Angehörigen genügend Geld für einen würdigen Abschied locker machen würden. Unter 5000 Euro ist je nach Friedhofsgebühren und Bestatter kaum eine klassische Beisetzung zu bekommen. Mit einer Sterbegeldversicherung kann so etwas nicht passieren, sagen die Lebensversicherungen. Die Kunden bräuchten für diese spezielle Lebensversicherung keine Gesundheitsfragen zu beantworten. Nehmen wir mal die typische Sterbegeldversicherung unter die Lupe.


Wartezeit bei der Sterbegeldversicherung – ohne Wartezeit gibt es auch

Aufnahmegarantie: Der Verzicht auf eine so genannte Risikoprüfung geht einher mit einer wesentlichen Einschränkung des Schutzes. In den ersten eineinhalb bis drei Jahren der Vertragslaufzeit zahlt der Versicherer im Todesfall in der Regel nur die Beiträge zurück, die eigentliche Versicherungsleistung gibt es noch nicht (Ausnahme: Unfalltod).

Das Land­gericht Köln wies deshalb die Prozess einer Witwe ab, deren Mann neun Monate nach Vertrags­abschluss verstorben war (Az: 26 O 209/13). Statt der versicherten 7 500 Euro erhielt sie lediglich 432 Euro. Laut Versicherungs­bedingungen gibt es die vereinbarte Todes­fall­summe in den ersten drei Jahren eben nur, wenn jemand durch einen Unfall ums Leben kommt.

Mein Finanztip: Es gibt auch Sterbegeldversicherungen ohne Wartezeit. Dann aber müssen Gesundheitsfragen beantwortet werden. Das kann bedeuten, dass man wegen Krankheit abgelehnt wird.

Begrenzte Beitragspflicht: Dass der Kunde meist nur bis zum 80. Lebensjahr zahlen muss, bei längerem Leben aber weiterhin den Versicherungsschutz behält, ist geradezu selbstverständlich. Denn bis zu diesem Alter hat der Kunde die Versicherungsleistung mehr als voll durch seine bis dahin erbrachten Beiträge angespart.

Günstige Beiträge: Die monatlich zu zahlenden Prämien wirken gering. Oft wird mit 10 oder 20 Euro geworben. Ganz anders sieht es schon aus, wenn die Gesamtprämie eines Jahres ins Verhältnis zu der Versicherungssumme gesetzt wird. Gar nicht mehr so günstig erscheint es, Jahr für Jahr 500 Euro Prämie zahlen zu müssen, um 5.000 Euro Versicherungsschutz zu erhalten.

Die Sterbegeldversicherung bei der Grundsicherung: Wichtiges Urteil vom Sozialgericht Gießen

Ein Beispiel der Verbraucherzentrale Hamburg: Herr M. ist 66 Jahre alt und will seine Bestattungskosten mit 8.000 Euro absichern. Die Ergo Versicherung bietet ihm eine Sterbegeldversicherung an, in die er 19 Jahre lang monatlich 56,52 Euro einzahlen soll. Die Versicherung berechnet für Abschluss- und Vertriebskosten einmalig 312,46 Euro und verlangt jedes Jahr Verwaltungskosten in Höhe von 72,88 Euro. „Stirbt Herr M. nach 19 Jahren oder später erhalten seine Hinterbliebenen 8.000 Euro, während er fast 13.000 Euro an die Versicherung gezahlt hat“, rechnet Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg vor.

Mein Fazit zur Sterbegeldversicherung:

Die Sterbegeldversicherung lohnt sich für alte oder kranke Menschen, die noch nicht genug Geld gespart haben, um ein Begräbnis zu finanzieren, und bald sterben. Wenn sie nach der Wartezeit, aber noch deutlich vor dem 80. Lebensjahr sterben, haben sie ein gutes Geschäft gemacht. Wenn Herr M. zum Beispiel schon mit 70 stirbt, hätte er nur rund 2.7000 Euro in die Sterbegeldversicherung eingezahlt, ausgezahlt würden von der Ergo aber 8.000 Euro. Das ist genau der Fall, wann die Police sinnvoll ist. Der frühe Todesfall – aber auch nicht zu früh, sonst wird wegen der Wartezeit fast nichts ausgezahlt. Aber wer weiß schon, wann er ins Gras beißt?

Ein wichtiges Urteil zur Sterbegeldversicherung: Sie ist nicht auf die Grundsicherung anrechenbar, entschied das Sozialge­richt Gießen (Az. S 18 SO 108/14). Eine Frau hatte 4200 Euro für ihre Beerdigung gespart. Als sie beim Amt für Grund­sicherung eine Rentenaufstockung beantragte, sollte sie ihre Ster­begeld­versicherung kündigen, um das Geld für ihren Lebens­unterhalt zu verwenden. Es handele sich um „verwert­bares Vermögen“. Das hätte aber einen Verlust von rund 29 Prozent bedeutet. Die Kündigung der Versicherung sei offen­kundig unwirt­schaftlich, meinte das Sozialgericht Gießen. Rund 3.000 Euro Auszahlung stünden in einem deutlichen Miss­verhältnis zum echten Wert der Ster­begeld­versicherung.

Übrigens: In einem älteren Test nannte die Stiftung Warentest Debeka, HDH und SDK als Testsieger bei einem ausführlichen Vergleich von Sterbegeldversicherungen. Das gelte aber nur bei einem Abschluss als 45-jähriger.



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