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o2 Mobilfunk: Am besten gleich eine Rechtsschutzversicherung abschließen

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2017

Wer darüber nachdenkt, einen Mobilfunkvertrag mit o2 abzuschließen, also mit Telefonica, der spanischen Mobilfunkgesellschaft, zu der o2 gehört, sollte möglichst eine Rechtsschutzversicherung haben oder eine neu abschließen sowie einen guten Anwalt haben. Das ist jedenfalls mein Fazit nach den bisherigen Erfahrungen mit dem o2-Kundenservice bzw. Telefonica. 

Ich werde hier chronologisch berichten, was ich mit diesem Kundenservice zu einem über „Tarifhaus“ vermittelten Tarif erlebt habe und wie der Prozess gegen o2 Telefonica ausgeht, den ich wegen Unterschiebens eines angeblichen bestellten Tarif-Updates angestrengt habe. Letzter Stand: o2 Telefonica bestätigt nach fast 2 Monaten fristgerechten Widerruf und will die Anwaltskosten übernehmen.

9. April 2017: o2 Telefonica bestätigt eine nie getätigte Buchung

In der Nacht zum Sonntag, um 0:49 Uhr, sendet o2 Kundendienst eine Mail und bestätigt eine angebliche Bestellung, und zwar eine Erhöhung des Datenvolumens.


Hallo Herr Kunze, viel Spaß mit Ihrem neuen Pack. Ihre Konditionen, sowie alle weiteren Vertragsbestandteile finden Sie hier zusammengefasst… Sie haben das Surf Upgrade L gebucht.
• 5 GB mit bis zu 50 Mbit/s
• Die Mindestlaufzeit für das Paket beträgt 1 Monat(e) 19,99

Der Vertragsabschluss über den Mobilfunkvertrag ist, Zufall oder nicht, genau ein halbes Jahr her. Ein Surf Upgrade L für fast 20 Euro extra im Monat habe ich nie gebucht. Mein erster Gedanke: Vielleicht gibt es gar einen Automatismus, dass Neukunden von o2 nach einem halben Jahr ein teures Mobilfunktarif Upgrade bestätigt wird, egal ob sie etwas bestellt oder nicht.

Im Netz finden sich jedenfalls zahlreiche Stimmen von o2-Kunden, die davon sprechen, ihnen seien nie gebuchte Leistungen berechnet worden – auf Proteste würde nicht reagiert. Sogar auf dem o2-eigenen Hilfe-Portal gibt es unwidersprochen solche Aussagen, auch zu anderen Produkten als Mobilfunk. Screenshot https://hilfe.o2online.de/thread/30118

Bild   o2 Mobilfunk: Am besten gleich eine Rechtsschutzversicherung abschließen

 

Oder unter https://hilfe.o2online.de/thread/24687

Bild   o2 Mobilfunk: Am besten gleich eine Rechtsschutzversicherung abschließen

 

9. April 2017: o2 Telefonica erhält einen Widerspruch und einen Widerruf

Am gleichen Tag teile ich dem o2 Kundendienst mit, dass ich eine solche Leistung nicht gebucht habe, erkläre den Widerspruch und vorsorglich den Widerruf (selbst wenn ich etwas gebucht hätte, könnte ich mit dem Widerruf diese ungewollte o2 Leistung loswerden).

Meine Mail an den o2 Kundendienst im Wortlaut:

Guten Tag,

ich habe weder eine zusätzlich Leistung gebucht noch eine Vertragsänderung gewünscht. Einer Vertragsänderung wird ausdrücklich widersprochen, vorsorglich wird zudem der Widerruf erklärt.
Bestätigen Sie mir bitte bis 12.4. 2017 in Textform, dass

a) der Vertrag unverändert fortbesteht und keine zusätzliche Leistungen gebucht wurden.
b) Sie es künftig unterlassen werden zu behaupten, es seien Leistungen gebucht worden, wenn sie nicht von mir gebucht wurden.
c) Sie es unterlassen werden, für nicht gebuchte Leistungen Gebühren einzuziehen.

Sollte Ihre Erklärung nicht bis zum genannten Datum vorliegen, werden die Ansprüche im Wege der Feststellungs- und Unterlassungsklage geltend gemacht.

Der o2 Kundendienst antwortete wie folgt:

Vielen Dank, dass Sie mit uns Kontakt aufgenommen haben.

Wir haben Ihre Nachricht vom 09.04.2017 erhalten und werden uns so schnell wie möglich mit Ihnen in Verbindung setzen, um Ihr Anliegen zu Ihrer Zufriedenheit zu klären.

Wir tun unser Möglichstes, um unsere Erreichbarkeit und Antwortzeit wieder auf ein normales Maß zu bringen. Dies wird jedoch aufgrund der Vielzahl von Anfragen noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

In diesem Punkt bitten wir um Ihr Verständnis und um etwas Geduld. Vielen Dank.

Freundliche Grüße

Ihre o2 Kundenbetreuung

13. April 2017: o2 Telefonica erhält eine anwaltliche Unterlassungsaufforderung

Da o2 auf meine Mail mit Fristsetzung nicht reagiert hat, erhält der Mobilfunkanbieter Telefonica als Vertragspartner des o2-Tarifes nun ein Schreiben meiner Anwältin. Auszug:

Namens und mit Vollmacht meines Mandanten widerspreche ich nochmals der Buchung dieses „Surf Upgrade L“-Packs und weise ich den unter dem 09.04.2017 vorgebrachten Zahlungsanspruch über 19,99 € zurück.

Eine solche Forderung Ihrerseits besteht nicht; mein Mandant hat zu keinem Zeitpunkt ein „Surf Upgrade L“-Pack bei Ihnen bestellt – darauf hat er Sie auch bereits selbst mit Mail vom 09.04.2017 an
widerruf@cc.o2online.de und impressum@cc.o2online.de hingewiesen und bereits Widerspruch, vorsorglich Widerruf und äußerst vorsorglich die fristlose Kündigung hinsichtlich der angeblichen Zusatz-Buchung eines „Surf Upgrade L“-Packs erklärt.

Mangels einer entsprechenden Buchung hat er auch keine Kosten für irgendwelche Nutzung eines solchen Pakets zu tragen.

Ich fordere Sie hiermit auf,

bis zum 28.04.2017 eingehend

rechtsverbindlich und schriftlich (ggf. vorab per Telefax oder Mail) zu erklären, dass kein wirksamer Vertrag zwischen Ihnen und meinem Mandanten über die Buchung eines „Surf Upgrade L“-Packs besteht, Ihnen keine Ansprüche aus einem solchen angeblichen Vertrag zustehen und sie sich solcher auch nicht weiter berühmen.

Ein Vertrag über das „Surf Upgrade L“-Pack besteht nicht;

vorsorglich widerrufe ich

namens und mit Vollmacht meines Mandanten jedoch noch einmal ausdrücklich eine etwaig darauf gerichtete Erklärung meines Mandanten und erkläre namens und mit Vollmacht meines Mandanten nochmal auch

hilfsweise vorsorglich ausdrücklich die fristlose Kündigung eines etwaigen Vertrages über ein „Surf Upgrade L“-Pack.

2.)

Durch die unberechtigte Buchung des Zusatzpacks und indem Sie Kosten hierfür von meinem Mandanten verlangen, die Ihnen nach dem Vertrag nicht geschuldet sind, haben Sie Ihre Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme nach § 241 Abs. 2 BGB verletzt und hierdurch in die Rechts meines Mandanten eingegriffen, nicht in weitergehendem Umfang in Anspruch genommen zu werden als vertraglich vereinbart.

Die Buchung des Zusatzpacks und die Berechnung der Kosten hierfür, sind sachlich unbegründet und im Sinne des § 280 Abs. 1 Satz 1 BGB pflichtwidrig.

Insoweit fordere ich Sie hiermit ausdrücklich und unmissverständlich auf, es zu unterlassen, vermeintliche Vertragsabschlüsse meinem Mandanten „unterzuschieben“, die er nicht gebucht hat und ihm nicht gebuchte Leistungen in Rechnung zu stellen und spätestens

bis zum 28.04.2017

(hier eingehend) die beigefügte oder eine andere, hinreichend strafbewehrte Unterlassungserklärung unterschreiben an mich zurückzureichen. Die Vorabübermittlung per Telefax oder per Mail wird zur Fristwahrung akzeptiert, sofern das Original unverzüglich nachgereicht wird.

28.04.2017: o2 Telefonica lässt die anwaltliche Frist verstreichen

Wie bei meiner Mail an den Kundendienst, reagiert o2 / Telefonica auf das Schreiben meiner Anwältin: überhaupt nicht. Nun ist als nächstes die Frage, ob o2 / Telefonica tatsächlich auch noch Frechheit besitzt, die Gebühr für diese nicht bestellte Leistung zu berechnen und abzubuchen. Dann ist eine Klage unausweichlich.

11.05.2017: o2 Telefonica berechnet die nicht gebuchte Leistung

Von Telefónica Germany GmbH & Co. OHG Georg-Brauchle-Ring 23-25 80992 München Deutschland www.o2.de kommt heute die neue Rechnung per Mail. Für den Abrechnungszeitraum 08.04.2017 –
07.05.2017 wird tatsächlich das nicht gebuchte Surf Upgrade L-Pack berechnet, also rund 20 Euro extra.

Dieses Unternehmen ist nur durch ein gerichtliches Urteil zu stoppen. Ich habe meine Anwältin beauftragt, nun Klage zu erheben. Wenn o2 sich genau verhält wie bislang, also gar nicht reagiert, wird das ein einfaches Verfahren. Daneben wird eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht sowie eine Strafanzeige bei der Staatsanwalt München gestellt.

Bei der Bundesnetzagentur ist o2 ist bereits einschlägig bekannt. Die ZEIT berichtete online im Herbst 2016:

Nach Kundenbeschwerden über die Servicequalität von O2 erwägt die Bundesnetzagentur Schritte gegen den Mobilfunkanbieter. „Wir prüfen, ob und welche Maßnahmen gegen das Unternehmen eingeleitet werden können“, sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde dem Tagesspiegel. (…) Bereits vor zwei Monaten hatten Portale wie Teltarif.de über massive Probleme bei O2 berichtet. Geändert habe sich seither offenbar nichts, berichtet der Tagesspiegel.

17.5.2017: Klage gegen o2 Telefonica eingereicht

Es war unvermeidlich: Da o2 auf keinerlei Schreiben reagiert hat, vielmehr die Gebühren für eine nie gebuchte Leistung von meinem Konto abgebucht hat, musste nun Klage eingereicht werden, die ich hier auszugsweise wiedergebe. Zum besseren Verständnis wurde Beklagte durch o2 ersetzt, damit jedem gleich klar ist, dass es sich bei der Beklagte um o2 bzw. Telefonica handelt. Auszug der Klage auf Feststellung, Forderung, Unterlassung:

…erhebe ich namens und mit Vollmacht des Klägers Klage und werde beantragen,

festzustellen, dass kein Vertrag über eine Zusatz-Buchung „Surf Upgrade M“ und/oder „Surf Upgrade L“-Packs, insbesondere auch nicht für die Zeit vom 08.04.2017 bis 07.05.2017 besteht,

die Beklagte – im Fall der erfolgten Abbuchung dieses Betrages – zu verurteilen, diesen Betrag in Höhe von 19,32 € an den Kläger zurückzuzahlen,

die Beklagte zu verurteilen, es bei Meidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung vom Gericht festzusetzenden Ordnungsgeldes ( mindestens 2.001,00 €) zu unterlassen, dem Kläger vermeintliche Zusatz-Buchungen/Vertragsänderungen, die der Kläger nicht gebucht hat „unterzuschieben“ sowie ihm nicht gebuchte Leistungen in Rechnung zu stellen, wie geschehen am 11.05.2017 für eine vermeintliche Zusatz-Buchung eines „Surf Upgrade L“- Packs,

die Beklagte (o2 / Telefonica) zu verurteilen, die außergerichtlichen Rechtsanwaltskosten in Höhe von 93,44 € aus der Kostennote der Prozessbevollmächtigten des Klägers vom 13.04.2017 zu zahlen.

(…)

Zwischen den Parteien besteht kein wirksamer Vertrag über ein „Surf Upgrade-Paket“, insbesondere nicht im Zeitraum 08.04.2017 bis 07.05.2017 und auch nicht zeitlich darüber hinaus gehend.

Zwischen den Parteien liegt kein über den ursprünglich abgeschlossenen Telekommunikationsvertrag Tarif „O2 Blue All-in M Flex“ zum Preis von 9,99 € pro Monat hinausgehender Vertrag (Vertragsänderung) über „Surf Upgrade M“ und/oder „Surf Upgrade L“ vor.

Ein Vertrag oder eine Vertragsänderung bedarf zu seiner Wirksamkeit grundsätzlich zweier entsprechender übereinstimmender gegenseitiger Willenserklärungen der Vertragsparteien.

Der Kläger hat aber zu keinem Zeitpunkt eine solche Vertragsänderung/-erweiterung über die (kostenpflichtige) Zusatz-Buchung „Surf Upgrade M“ und/oder „Surf Upgrade L“ bei der Beklagten gebucht; es ist insoweit bereits keine entsprechende Willenserklärung des Klägers für eine solche Zusatz-Buchung erfolgt.

Der Kläger hat auch auf die ihm von der Beklagten (o2 / Telefonica)  am 09.04.2017 per Mail zugesandte „Buchungsbestätigung“ unmittelbar und unverzüglich mit vorsorglichem schriftlichen Widerruf unter dem 09.04.2017 sowie 13.07.2017 reagiert; eine etwaige Vertragsänderung (von der hier aber nicht ausgegangen werden kann) ist durch diesen Widerruf des Klägers jedenfalls somit rückwirkend unwirksam geworden.

Aufgrund der vorsorglichen hilfsweise erklärten Kündigung ist die Zusatz-Buchung jedenfalls wirksam zum Ablauf des Buchungsmonats mit dem 07.05.2017 wirksam beendet.

(…)

Wegen der eigenmächtig Zusatz-Buchung der Beklagten (o2 / Telefonica)  für den Kläger, ihres Nicht-Reagierens auf die Widerspruchsschreiben des Klägers auf die ihm von der Beklagten „untergeschobene“ Zusatz-Buchung, sowie der Rechnung und Abbuchung des Rechnungsbetrages durch die Beklagte für diese „Zusatz-Buchung“ ist Klage geboten.

Trotz Aufforderung durch den Kläger hat die Beklagte (o2 / Telefonica)  keine (ausreichend strafbewehrte) Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung abgegeben; der Kläger hat jedoch einen Anspruch gegen die Beklagte, dass diese sich verbindlich verpflichtet, keine eigenmächtigen (kostenpflichtigen) Zusatz-Buchungen vorzunehmen, die grundsätzlich seines Auftrags bedürften – und zur Unwirksamkeit ggf. jedenfalls seines Aktivwerdens durch ausdrückliches Handeln, etwa durch Widerruf bedürften.

(…)
Bei der durch das Gericht festzusetzenden Vertragsstrafe möge das Gericht die Hartnäckigkeit der Beklagten berücksichtigen, sich über die Rechte des Klägers hinwegzusetzen. Das ist offenbar kein Einzelfall. Es finden sich bei Internetrecherchen zahlreiche Kundenberichte, wonach die Beklagte möglicherweise sogar systematisch Kunden nach einer gewissen Zeit nicht gebuchte Leistungen unterschiebt, dann auf keinerlei Widerspruch reagiert und möglicherweise darauf spekuliert, dass dem Einzelnen die gerichtliche Geltendmachung seiner Ansprüche zu aufwändig ist.

26.05.2017: Tarifhaus beteuert: Unsere Tarife sind keine Lockangebote von Telefónica

Vermittelt wurde der zunächst günstige wirkende Tarif von o2 Telefonica von dem recht jungen Vermittler Tarifhaus, der wie Telefonica den Sitz in München hat. Als Tarifhaus im Herbst 2016 an den Markt ging, gab es einige Verwunderung, dass sie so Mobilfunktarife mit o2 Telefonica zu diesen Preisen anbieten können. Schließlich sind es Originaltarife, die dann statt 35 nur noch rund 10 Euro kosten sollen.

Da aber wenige Monate nach Vertragsschluss bereits seitens o2 Telefonica mir eine nie gebuchte Zusatzleistung für rund 20 Euro untergeschoben wurde, kam bei mir der Verdacht auf, dass Ganze könnte System haben: Mit günstigen Preisen Kunden anlocken, später dann mit absurden, nie gebuchten Zusatzleistungen die Kunden abzocken und auf Widersprüche und Widerrufe gar nicht reagieren, sondern einfach abbuchen. Absurd ist die Zusatzleistung, dass sich wegen 5 GB statt 2 GB Datenvolumen der monatliche Preis verdreifachen würde.Und, Zufall hin oder her, fast den ursprünglichen Preis vor Tarifhaus Rabatten erreichen würde.

Also habe ich mal nachgefragt bei Tarifhaus, ob ihnen ähnliche Fälle bekannt sind. Eigentlich könnte die Antwort ganz einfach sein: Ja oder Nein. Es kam aber ganz anders. Zunächst bat Tarifhaus, ich möge meinen gesamten Rechnungen zur Verfügung stellen. Tarifhaus würde dann bei o2 Telefonica reklamieren. Antwort auf meine Frage: keine. Ich habe daraufhin Tarifhaus erklärt, dass die Klage bereits eingereicht sei und eine „Reklamation“ keinen Sinn machen würde. Ich würde aber gerne wissen, ob es denn ähnliche Fälle gebe.

Daraufhin antwortete Tarifhaus wie folgt:

Leider können wir auf Ihre Anfrage nicht antworten. Unsere Tarife sind keine Lockangebote von Telefónica, welche nach einer gewissen Zeit erhöht werden. Die Tarife sind mit den Rabatten dauerhaft verfügbar. Es tut uns sehr leid, dass es bei Ihrem Tarif zu Problemen gekommen ist und Sie nun diesen Schritt gehen müssen. Herzliche Grüße Ihr Tarifhaus-Team

Was sie sagen ist: Unsere Rabatte sind dauerhaft. Das war aber gar nicht die Frage. Die Frage war, ob auf diese rabattierten Tarife nach kurzer Zeit willkürlich Zusatzleistungen gebucht werden, wodurch sich die Preise vervielfachen – und ob Tarifhaus weitere Fälle dieser Art bekannt sind. Wie gesagt: Die Frage ließe sich mit Ja oder Nein beantworten. Tarifhaus aber sagt, man könne darauf nicht antworten. Ein deutliches Dementi klingt für mich anders aus…

29.05.2017: 02 Telefonica bestätigt eine weitere nie veranlasste Bestellung

Neues von Deutschlands größter Wundertüte: o2 Telefonica bedankt sich diesmal mittags per Mail für eine angebliche Bestellung und erklärt nun, ich habe ein Surf Upgrade M für 9,99  Euro gebucht. Demnach hätte ich beantragt, statt Surf Upgrade L nun Surf Upgrade M zu haben – so wie es ursprünglich mal Vertragsgegenstand war und was per Klage festgestellt werden soll.  Eine Klage als neue „Bestellung“? Das wäre eine originelle Sichtweise von o2 Telefonica.

Allerdings lässt sich noch nicht mal sagen, dass o2 Telefonica nach Klage-Zustellung nun guten Willen zeigt, um schnellstmöglich den Vertrag so wieder herzustellen, wie er geschlossen war. Denn o2 Telefonica will ganz offensichtlich für  Surf Upgrade M eben jene 9,99  Euro abkassieren, obwohl das vorher im über Tarifhaus abgeschlossenen Tarif inklusive war.  Besonders dreist: Mit der Bestätigung für die angebliche Bestellung versucht o2 Telefonica nunn auch noch, geänderte AGB und Preise unterzujubeln. Folgendes haben sie von mir als Antwort erhalten.

Guten Tag,

Sie haben mich am 29.5. über eine angebliche Bestellung des Surf Upgrade M informiert.
Hierzu stelle ich fest: Ich habe keine Bestellung oder Buchung veranlasst. Rein vorsorglich widerrufe ich jene Willenserklärung, die mir von Ihnen unterstellt wird.

Insbesondere verwehre ich mich dagegen, dass Sie versuchen, wesentliche Vertragsgrundlagen mit einer vorgetäuschten Bestellung bzw. Buchung zu ändern. Sowohl die nun übermittelten AGB (Stand: November 2016) als auch die Preisliste (Stand: 05.01.2017) entsprechen nicht dem Stand bei Vertragsschluss (AGB: Stand: Februar 2016, Preisliste: Stand 5.10.2016).

Auf Grund Ihrer einseitigen Vertragsänderung samt vorgetäuschter Bestellung im April ist bereits eine Klage anhängig; führen Sie weitere Korrespondenz zu diesem Vertrag und diesem Verfahren bitte mit der zuständigen Rechtsanwältin.

Mit freundlichen Grüßen

Diese erneute Täuschung über eine angebliche Bestellung bestärkt mich leider in dem Eindruck, dass es sich bei o2 Telefonica um einen vollkommen außer Kontrolle geratenes Großunternehmen handelt, für das man als Kunde geradezu zwingend einen Anwalt und eine Rechtsschutzversicherung braucht. Ansonsten machen die mit ihren Kunden, was sie wollen. So wie offenbar bei diesem Kunden, der auf einem Beschwerdeportal eine sehr ähnliche Erfahrung beschreibt:

 

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02.06.2017: o2 Telefonica bestätigt den Widerruf vom 9. April und will meine Anwaltskosten übernehmen

Neues aus der Wundertüte 02 Telefonica: Außergerichtlich erhielt meine Anwältin nun ein Schreiben von „Telefonica Kundenbetreuung Rechtsprozesse“, mit dem nach fast 2 Monaten der (vorsorgliche) Widerruf der angeblichen Bestellung vom 9. April bestätigt wurde.

Bild   o2 Mobilfunk: Am besten gleich eine Rechtsschutzversicherung abschließen

 

Zudem erklärte man sich bereit, meine Anwaltskosten zu übernehmen. Dass sie mir diese Bestellung untergeschoben haben, wird von o2 Telefonica allerdings bestritten. Vielmehr habe ich eine Bestellung über die o2 App abgegeben. Nice try! Denn das ist von 02 Telefonica im Prozess zu beweisen. Wir sind sehr darauf gespannt, was sie sich einfallen lassen werden. Sie können dann bei der Gelegenheit gleich erläutern, warum das offenbar immer wieder o2 Kunden passiert:

 

Quelle: https://hilfe.o2online.de/

 

o2 Telefonica gibt auch einen Einblick, was sie vom gesetzlichen Widerrufsrecht halten: offenbar gar nichts. Denn einerseits wird bestätigt, dass am gleichen Tag der angeblichen Bestellung der Widerruf eingegangen ist, also am 9. April, andererseits wolle man zum 30. Mai den Vertrag in der ursprünglichen Form wiederherstellen. Das ist geradezu eine Verhöhnung des gesetzlichen Widerrufsrechtes. Denn der Widerruf bedeutet, dass die auf den Vertragsabschluss oder Vertragsänderung gerichtete Willenserklärung im gleichen Moment ungültig wird – so, als sei sie gar nicht erfolgt. Selbst wenn ich also irgendetwas bestellt hätte (was ich nicht habe), wäre durch den Widerruf eine Vertragsänderung nicht erfolgt. o2 Telefonica setzt sich darüber hinweg und legt vollkommen willkürlich einen Termin fest, zu dem der alte Vertragszustand wieder herstellt wird. Zugleich ein Termin, bis zu dem man das 3-fache der Gebühren kassieren möchte.

Das ist mit anderen Worten Kundendienst nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip: Ich mache mir dir Welt, wie sie mir gefällt. Und Pippis Piratenflagge passt zu den Geschäftsgebahren von o2 Telefonicanach meinen bisherigen Erfahrungen wirklich ganz gut. 

 

Allerdings, liebe o2 Telefonica, sind wie hier nicht in Taka-Tuka-Land.

13.06.2017: o2 Telefonica erstattet Geld – ich habe jetzt Guthaben bei o2 Telefonica

Eine neue Rechnung von Deutschlands größter Wundertüte. Und tatsächlich sind sie wieder für eine Überraschung gut. In einem komplizierten Verfahren hat es o2 Telefonica geschafft, so ungefähr, die bislang zu viel abgebuchten Gebühren zu erstatten. Einzelheiten möchte ich den Lesern hier ersparen. Um es kurz zu machen: Im Mai hatte o2 rechtswidrig 30 statt 10 Euro abgebucht, also 20 Euro zu viel. Darauf hat man den Anspruch im Juni angerechnet, also wiederum 10 Euro. Blieben 10 Euro Schulden. 3 Euro wurden mir berechnet, weil ich angeblich meine eigene Handynummer angerufen habe. Das dürfte schon deshalb nicht berechnet werden, weil für Deutschland eine Flatrate vereinbart ist. Aber das klären wir noch. Rund 7 Euro habe ich nun Guthaben, wobei es schon ziemlich eigenmächtig ist, das Geld einfach zu behalten. Aber auch das klären wir noch.

Auf die Klage ist bei meiner Anwältin bislang keine Klageerwiderung eingegangen. Als erledigt kann man nun betrachten die Klagepunkte: Erstattung der Anwaltskosten, Erstattung der Gebühren sowie Feststellung, dass der Vertrag unverändert fortbesteht. Eine Unterlassungserklärung, dass sich so ein Chaos nicht wiederholt, will o2 Telefonica nicht abgeben – angesichts der offenkundigen Unberechenbarkeit des Unternehmens kann ich das sogar ein wenig verstehen. Denn wenn bei jeder Willkür mit o2 Telefonica Kunden eine Vertragsstrafe fällig würde, wäre das Unternehmen möglicherweise in kürzester Zeit ein Fall für den Insolvenzverwalter. Allerdings wird dieses Argument das Gericht im Sinne von o2 Telefonica sicher nicht überzeugen.

Ich berichte hier weiter über meine Erfahrungen mit dem o2-Kundendienst und Telefonica.  Sie können hier in der Zwischenzeit schon mal Rechtsschutzversicherungen vergleichen.

 



Kommentare


Udo Fischer 13. Juli 2017 um 13:30

Bei mir ist es die zu Telefonica/02 gehörende „Blau“, die mich seit einem halben Jahr mit Rechnungen und Mahnungen verfolgt, obwohl ich keinerlei Vertrag mit denen habe. Meine Einschreiben mit Rückschein (!) sowie diverse emails blieben unbeantwortet.
Als nächstes werde ich wohl meinen Rechtschutz einschalten.
Da es mit der Telefonica und ihren Unterfirmen offensichtlich weitverbreitete Probleme gibt, frage ich mich ob es
nicht mal an der Zeit wäre, über WISO, Frontal 21 oder ähnliche TV-Formate diese Dinge an die Öffentlichkeit zu tragen damit die Praktiken dieser Firmen ein Ende finden

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Victor Hahn Castell 10. Juli 2017 um 20:23

Guter Artikel über die Story, danke! Telefonica ist mir auch als reichlich wirr bekannt – aber da sind unter den Telcos beileibe nicht die Einzigen.

Mein Tipp gegen offensichtlich unberechtigte Forderungen: Einfach Lastschrift widerrufen. Glücklicherweise ist man hier als Kunde am deutlich längeren Hebel.

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François 30. Juni 2017 um 18:24

Wer Rechtsschutz versichern will, sollte sich erst mal mit dem Begriff „Karenzzeit“ auseinandergesetzt haben.
Und mit dem Umstand, daß Rechtsschutzversicherungen gerne ihrerseits Verträge kündigen, wenn sie es leid sind, andauernd Kostentragungszusagen treffen zu müssen, weil O2 schon wieder Sch… gebaut hat und ihr Vertrag („Police“) mit einem nur Miese macht, weil vll. die Beweislage nicht so klar ist oder weil O2 nicht zahlt. Außerdem verpetzen sie einen dann bei ihren Konkurrenten.

Ansonsten kann man Anwälte auch ohne Rechtsschutz mandatieren. Bei einer so klaren Rechts- und Sachlage ist die Obsiegensaussicht nur von dessen Kompetenz abhängig. Und zahlen wird der Gegner den Schaden, die außergerichtlichen und die gerichtlichen Verfahrenskosten.

Und wer den formalen Krempel einigermaßen beherrscht, kann auch selber klagen. Er hat im Obsiegensfalle dann Aufwandsersatzansprüche gegen den Beklagten. Zwar nicht ganz in der Höhe, in der Anwälte das dürfen, aber wer über einem Schriftsatz einige Stunden Mühewaltung glaubhaft macht, kann dafür auch was einstellen.

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toni dantzer 16. Juni 2017 um 11:56

Genau das waren/sind auch unsere Erfahrung mit O2.
Ebenso wie der Beitragsautor haben wir den Klageweg beschritten.
Das ist der einzige Weg mit diesem Sauhaufen O2 umzugehen.

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Lutz 21. Mai 2017 um 12:56

Genau das ist mir auch passiert! 02 reagiert auf keinerlei Schreiben und zieht das Geld ein. Diesen modernen Raubrittern muss das Handwerk gelegt werden!

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Thomas Othmer 12. Mai 2017 um 18:21

Vielen Dank Herr Kunze für den sehr interessanten und informativen Bericht. Ich habe ihn sofort an meine Schwägerin und Ihre Freundin weitergeleitet, die Beide ebenfalls unter Einschaltung eine RA gegen O2 vorgehen. Sowohl Ihre Erfahrung und Internetrecherche, als auch die ziemlich nahe Betroffenheit hinterlassen bei mir den Eindruck, dass es weit über einen Einzelfall hinausgeht.
Viel Erfolg und ich denke Sie werden uns auf dem laufenden halten 🙂

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