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Neue Börsengänge 2018: Homes & Holiday AG – Malle für alle

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2018

Homes & Holiday hat für 2018 den Börsengang angekündigt, also den IPO (Initial Public Offering). Der Name sagt vermutlich den meisten noch nichts, denn die Homes & Holiday AG ist eine neugegründete Aktiengesellschaft in München. Darunter versammeln sich aber drei bekannte Immobilienunternehmen.

Wer ist Homes & Holiday AG?

Homes & Holiday ist eine Holdinggesellschaft, die nach eigenen Angaben drei bestehende Unternehmen aus der Branche Immobilien vereint: Die deutsche Aktiengesellschaft Porta Mondial (Immobilienmakler Deutschland und Spanien), Porta Mallorquina (Immobilienmakler Mallorca, spanische GmbH) und Porta Holiday (Ferienvermietungsmakler vor allem auf Mallorca, spanische GmbH). Man sei der „einzige deutsche Franchise-Immobilienmakler, der sich auf Ferienimmobilien spezialisiert hat“, heißt es. Porta Mondial ist in neun deutschen Städten aktiv, Porta Mallorquina hat auf Mallorca zwei eigene sowie sechs Franchise-Filialen. Hier die Chronik.

  • 2005: Porta Mallorquina auf Mallorca gegründet
  • 2008: Expansion nach Ibiza, Deutschland (2010), auf die Kanaren (2011) und das spanische Festland (2015).
  • 2014: Porta Holiday gegründet als Erweiterung des Geschäftsmodells um die Ferienvermietung.
  • 2017 Homes & Holiday gegründet, die auf Wunsch auch das gesamte Property Management übernimmt.

Spezialisierung auf Ferienimmobilien mag für die Süd-Europa-Standorte zutreffen, wohl aber kaum auf Deutschland. Weder Essen, Paderborn oder Krefeld sind bislang als Feriendestinationen bekannt, das Angebot von Immobilien bei Porta ist offenbar ohnehin überschaubar. Für Krefeld werden online derzeit gerade mal 20 Immobilien gezeigt. 

Wer steckt hinter dem Unternehmen?

Vorstandsvorsitzender ist Joachim Semrau (69), der am Niederrhein geboren wurde, zwischenzeitlich auf Mallorca lebte und nun seinen Wohnsitz in München hat. Er ist einer der Online-Pioniere in Deutschland. Im März 2000 brachte er sein Reiseportal Travel24 an die Börse. Wenig später platzte allerdings die Dotcom-Blase. Dass so etwas nochmal passiert, sei nicht zu erwarten, sagte Joachim Semrau dem Manager-Magazin. „Das Umfeld ist ja weiterhin gut. Die Fundamentaldaten stimmen und die Wirtschaft wächst. Die meisten Experten glauben nicht an einen echten Börsencrash, sondern bestenfalls an eine vorübergehende Korrektur, und die ist nach den guten Jahren ja auch überfällig“, wird Semrau in einem Interview zum IPO von Homes & Holiday zitiert.

Herzstück der Gruppe ist die 2005 auf Mallorca gegründete Porta Mallorquina. Als Spezialist für exklusive Immobilien und mit mehr als 2.000 Ferienimmobilien im Bestand gehört sie inzwischen zu den TOP 3 Maklern der Insel.

(Pressemitteilung  Homes & Holiday)

Wie viel Umsatz, wie viel Gewinn macht Homes & Holiday?

Im Jahr 2017 hat die Gruppe ihre Verkaufsumsätze von 95 Mio. Euro um mehr als 25% auf über 120 Mio. Euro erhöht – Tendenz weiter stark steigend, so Angaben von Homes & Holiday in einer Veröffentlichung zum geplanten IPO. Verkaufsumsätze sind der Wert der vermittelten Immobilien. Bei einer Maklerprovision von 5 Prozent würde das etwa Jahreseinnahmen von etwa 5 bis 6 Millionen Euro bedeuten. Allerdings ist das Unternehmen an den meisten Standorten nur Franchisegeber und erhält nicht die volle Provision, sondern etwa 30 Prozent zuzüglich der jährlichen Franchisegebühr. Die tatsächlichen Einnahmen dürften daher deutlich unter 5 Millionen Euro/ Jahr liegen. Branchenkenner schätzen sie 2,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr; etwa 90 Prozent davon dürften auf Mallorca erzielt worden sein.

Angaben über den Jahresüberschuss wurden nicht gemacht.  Veröffentlicht sind für 2016 die Geschäftszahlen der Porta Mondial AG, die nun zu Homes & Holiday gehört. Die Bilanz lässt aber m.E. nicht viel Gutes vermuten: Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag wird mit 4.2 Millionen Euro angegeben, nach 3.3 Millionen im Vorjahr. Und über Porta Mallorquina ist dort Folgendes zu lesen:

Anteilsbesitz
Die Gesellschaft ist alleinige Gesellschafterin der Porta Mallorquina Real Estate SL, Spanien. Das Beteiligungsunternehmen weist zum 31. Dezember 2016 ein negatives Eigenkapital von € 97.622,52 und einen Jahresfehlbetrag von € 131.253,59 aus.

Das sind, wie gesagt, die aktuell verfügbaren Zahlen. Wie das Jahr 2017 abgeschlossen wurde, ist mir nicht bekannt. Die Homes & Holiday AG wollte auf Anfrage dazu auch nicht sagen. Man müsse wegen Compliance-Richtlinien den Mund halten.

Welche Story bietet Homes & Holiday als börsennotierte AG?

Der Kauf von Ferienimmobilien liegt laut Homes & Holiday im Trend.  Mehr als 60 % der Eigentümer kaufen auch zur Vermietung. Genau dabei unterstützt die Homes & Holiday Gruppe mit ihrem Rund-um-Sorglos Service. Homes & Holiday habe sich den Eintritt ins Geschäft an Nord- und Ostsee als Ziel gesetzt, sowie später auch in den Feriengebieten in Süddeutschland, sagte Joachim Semrau dem Manager-Magazin. Man wolle nicht nur organisch wachsen, sondern auch bestehende Makler- und  Ferievermietungs gesellschaften übernehmen. Dafür werde das Kapital aus dem Börsengang der Homes & Holiday benötigt. 

Wann genau ist der Börsengang geplant?

Der Zeitpunkt für den IPO von Homes & Holiday  steht noch nicht fest, erklärte Chef Joachim Semrau der Mallorca Zeitung. Auch angestrebtes Aktienvolumen und erhoffter Erlös wurden demnach noch nicht genannt. Nur eben, dass mit dem eingesammelten Geld soll unter anderem das Geschäft mit der Ferienvermietung ausgeweitet werden soll. Durch Zukäufe wolle man zunächst von 200 auf etwa 800 Objekte zur Vermietung auf Mallorca kommen. Branchenkennern zufolge wird etwa ein Erlös von 5 Millionen Euro aus dem Börsengang angestrebt

Welche Erfahrungen gibt es mit Homes & Holiday?

Da Homes & Holiday ein neues Unternehmen ist, sind mir Erfahrungen von Kunden oder Geschäftspartnern nicht bekannt. Ich erspare mir deshalb auch Anfragen bei Auskunfteien etwa zur Bonität. Geschäftszahlen der bisherigen Obergesellschaft Porta Mondial lassen sich im Bundesanzeiger nachlesen. Porta Mallorquina, das „Herzstück“ des Börsen-Aspiranten, hat zahlreiche, sehr positive Erfahrungen von Kunden auf der Website veröffentlicht.

Welche Kritik /Vorbehalte könnte es seitens Investoren geben?

Ob ein Börsengang erfolgreich ist und der Kurs später steigt, ist von vielen Faktoren abhängig, etwa dem Marktumfeld. Steigen z.B. die Zinsen, sinkt das Interesse an Aktien. Private wie institutionelle Investoren achten unter anderem auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Ein Unternehmen, das bislang keinen oder nur wenig Gewinn gemacht hat, wird nur dann gekauft werden, wenn es außergewöhnliche Wachstumsphantasie verspricht und Alleinstellungsmerkmale aufweist, die vom Wettbewerb nicht so schnell eingeholt werden können.

Würde ich vor der Frage stehen, ob ich in die Homes & Holiday AG investiere, wäre für mich sehr wichtig, in welcher zyklischen Phase sich das Unternehmen gerade befindet. Das wäre bei Homes & Holiday für mich ein Kritikpunkt, denn der Immobilienmarkt Deutschland geht bereits in das 8. Aufschwungjahr, und mittlerweile warnt die Bundesbank offen vor einer Immobilienblase. Ein Einbruch würde die Aktien der Homes & Holiday AG sicher mit nach unten reißen. 

In Spanien ist der Immobilienmarkt zwar noch in einer Erholungsphase, die 2014 nach einer schweren Krise einsetzte. Allerdings ist der Aufschwung derzeit insbesondere auf Mallorca so schnell, dass ich bereits Übertreibungstendenzen sehe. Zudem ist nicht absehbar, wie steigende Zinsen sowie der Brexit sich auf den spanischen Immobilienmarkt auswirken. Es wird in Spanien vielfach immer noch mit variablen Zinsen finanziert.

Mein Fazit zum gepanten IPO von Homes & Holiday AG

Immobilien sind generell ein solides Investment, vor allem wenn sie Sehnsüchte bedienen, so wie das bei Ferienimmobilien der Fall ist. Als Franchise-Unternehmen mit Fokussierung auf den Online-Vertrieb hat sich Porta Mondial / Mallorquina eine gute Marktposition erarbeitet. Aber für einen erfolgreichen Börsengang wird Homes & Holiday AG viele berechtigte Fragen von Investoren überzeugend beantworten müssen, um eine erfolgreiche Platzierung zu erreichen.



Kommentare

Thomas Othmer 20. Februar 2018 um 16:27

Ich lese direkt oder zwischen den Zeilen einige Fragezeichen, die ich mehr als unterstützen möchte.
Durch Zukäufe will man auf Mallorca von 200 auf 800 Objekte kommen. Ob dabei berücksichtigt wurde, dass airbnb gerade eine Strafe von € 300.000 aufgebrummt wurde, weil dort weiterhin Objekte ohne Vermietlizenz angeboten werden?

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