FINBLOG.de – Aktuelle Notizen vom Finanzjournalist Andreas Kunze

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Archiv für die Kategorie 02 - Geld

19. Februar 2010
Private Altersvorsorge soll zur Pflicht werden

Finlinks vom 19.02.2010

Welt
Banken fordern Pflicht zur privaten Altersvorsorge

(Klar doch, eben noch am staatlichen Notfall-Tropf, nun wieder die Fürsorger der Nation.)

sozialleistungen.info
Studie: Mittelschicht braucht Hartz IV nicht zu fürchten

(Ein beliebtes Verkaufsargument für die Riester-Rente, “Hartz4-sicher”, ist damit entkräftet.)

Spon
Fed wagt die Zinswende

Haufe.de
Instandhaltungsrücklage – BGH kippt langjährige Abrechnungspraxis

IV
Gericht bestätigt: Keine Witwenrente bei “Versorgungsehe”

Faz
Demand Media: Resterampen-Journalismus

Meedia.de
Fünf Dinge, die die Web-Welt nicht braucht

18. Februar 2010
Macht Google bald die Immobilien-Portale platt?

Online-Portale für Immobilienanzeigen waren in den letzten 10 Jahren sehr erfolgreich, den Tageszeitungen das Geschäft mit Miete und Verkauf wegzunehmen. Nun werden die Immobilien-Portale möglicherweise vom Jäger zum Gejagten: Google möchte diesen Markt via Google Maps erobern.

In Australien hat Google gerade vorgestellt, wie die Immobiliensuche laufen soll: Der Immobilien-Interessent gibt z.B. einen Stadtteil ein und bekommt Objekte auf Google Maps angezeigt. Die Suche kann dann mit einem Menü wie bei den bekannten Immobilien-Portalen verfeinert werden, etwa mit einem Maximal-Preis. Zu den angezeigten Objekten werden per Klick Fotos und Infos angezeigt, dazu natürlich Werbung. Mit Google Street View lässt sich die Umgebung erkunden…
Laut Google wurden mit zahlreichen Maklern und kleineren Immobilienportalen Kooperationen geschlossen. Deren Objekte kann Google erfassen und anzeigen. Die großen Anbieter Australiens sind, wenig verwunderlich, nicht dabei. Hier ein Werbefilm von Google:

Wird das den Immobilienmarkt eines Tages umkrempeln? Die Google-Idee wirkt bestechend, es spricht aber auch einiges dagegen: Eine Map-Suche funktioniert nur, wenn der genaue Standort bekannt ist. Es gibt aber Eigentümer, die ihre Verkaufsabsichten nicht unbedingt an die große Glocke hängen möchten. Via Google würden sie eher identifierbar. Außerdem werden manche Objekte von mehreren Maklern angeboten. Das fällt normalerweise kaum auf – bei der Suche sozusagen nach Straße und Hausnummer wäre die Enttarnung unvermeidlich. So viel Marktransparenz, zweifellos gut für Käufer, wird der Immobilienbranche nicht unbedingt recht sein.

Gefunden bei Mallorca-Immobilien-Blog

15. Februar 2010
Wenn die Überweisung auf dem falschen Konto landet (Hamburger Abendblatt zeigt Qualitätsjournalismus)

Was macht den Unterschied aus zwischen einer Pressemitteilung und Qualitätsjournalismus?
Die Antwort am Beispiel des Hamburger Abendblattes, Axel-Springer-Verlag:

Die Bank ING-Diba zu Falschüberweisungen:

Wird der Lapsus umgehend bemerkt, gilt es, sofort die Hausbank zu informieren. Unter Umständen kann sie die Überweisung noch vor der Gutschrift des Betrages auf dem falschen Empfängerkonto stoppen oder stornieren. Auch wenn der Kunde darauf keinen Rechtsanspruch mehr hat, werden kundenfreundliche Institute – soweit dies noch möglich ist – die Notbremse ziehen.
Fällt dagegen der Fehler erst später beim Blick auf den Kontoauszug auf oder wenn der noch nicht bedachte Empfänger den Betrag anmahnt, wird es kompliziert. Denn dann droht unter Umständen eine zeitaufwendige und nervenaufreibende Rückholaktion.

Das Hamburger Abendblatt zu Falschüberweisungen:

Wird der Fehler umgehend bemerkt, sollte sofort die Hausbank informiert werden. Unter Umständen kann sie die Überweisung noch vor der Gutschrift des Betrages auf dem falschen Empfängerkonto stoppen oder stornieren. „Auch wenn der Kunde darauf keinen Rechtsanspruch mehr hat, werden kundenfreundliche Institute – soweit dies noch möglich ist – die Notbremse ziehen.“
Fällt der Fehler erst später auf, droht unter Umständen eine zeitaufwendige Rückholaktion. Das liegt daran, dass Geldhäuser Namen und Anschrift ihrer Kunden ohne deren Zustimmung aus Datenschutzgründen nicht weitergeben dürfen, wie die ING-DiBa erläutert.

Immerhin müssen die Leser für die ING-Diba-Werbung nicht auch noch zahlen.

8. Februar 2010
Neu: Allianz-Sparschatz von der Allianz-Bank: Was taugt der?

Vom Allianz-Vertreter gibt es nun auch einen Sparbrief: Die Allianz Bank hat einen sogenanten Sparschatz aufgelegt und schreibt dazu:

Die Allianz Bank ergänzt ihre Produktpalette um ein neues Anlagekonto mit fünfjähriger Laufzeit. Der „Allianz Bank Sparschatz“ richtet sich sowohl an Bestandskunden als auch an Neukunden. Besonders interessant ist das neue Produkt für Versicherungskunden der Allianz, denn sie profitieren von einem speziellen Zinsbonus: Kunden, die zum Jahresende mindestens zwei Versicherungsverträge der Allianz besitzen, erhalten automatisch einen Bonuszins von jährlich 0,5 Prozent. Damit beträgt die Verzinsung für sie im ersten Jahr 2
Prozent und erreicht bei jährlich steigenden Zinsen im fünften Jahr 3,8 Prozent. „Das überdurchschnittlich verzinste Anlagekonto ist eine attraktive Anlage für Kunden, die völlig unabhängig von Kursschwankungen und Marktgegebenheiten sein wollen und
stattdessen auf fest kalkulierbare Erträge Wert legen. Mit dem Allianz Bank Sparschatz hat der Kunde jederzeit Gewissheit über sein Guthaben am Ende der Laufzeit“, sagt Oliver Klink, Leiter Allianz Bank.

Solche Geldanlagen mit jährlich steigendem Zins (”Zinstreppe”) sind nicht neu. Der Klassiker dafür ist der Bundesschatzbrief. Bei der Allianz Bank werden folgende Prozent-Sätze genannt:
1,5
1,9
2,1
2,3
3,3
Fair wäre es, zumindest den Effektzins anzugeben, wenn der Sparer die volle Laufzeit mitmacht. Leider konnte ich eine solche Angabe nicht finden. Nach meinen Berechnungen sind es 2,2 Prozent effektiver Zins p.a.
Das bringen derzeit bereits sogar einige Tagesgeld-Angebote oder 3-Monats-Festgelder. Bei fünfjährigen Sparanlagen sind bei anderen Banken etwa 3 Prozent p.a. möglich.
Andererseits liegt der Allianz-Bank-Effektivzins nach fünf Jahren noch über dem eines aktuellen Bundesschatzbriefes nach fünf Jahren (1,97 Prozent, Typ A), so dass ich sagen würde: weder wirklich gut noch wirklich schlecht.

Versicherungskunden mit mindestens zwei Allianz-Verträgen erhalten einen Bonus von 0,5 Prozentpunkte. Das würde dann einen Effektivzins von 2,7 Prozent p.a. ergebem. Von einer solchen Koppelung rate ich ab: Die Allianz zählt nach meiner Beobachtung generell zu den teuren Versicherungen. Ein Zinsvorteil geht mögicherweise um ein Vielfaches drauf z.B. wegen einer zu teuren Unfallversicherung.

Nachtrag 9.2. Im Versicherungsjournal hat sich Reinhold Müller gründlich mit dem Allianz-Sparschatz beschäftigt.

Nachtrag 10. 2. Allianz-Sprecher Dr. Michael Lehner legt Wert auf den Hinweis, dass Allianz-Sparschatz-Kunden jeweils nach einem Jahr über ihr Geld verfügen können.

Das handhaben andere Anbieter ähnlich. Bei Bundesschatzbriefen kann man nach einem Jahr Laufzeit z.B. über bis zu 5.000 Euro monatlich verfügen, beim Wachstumssparen der PSD Rhein-Ruhr kann z.B. nach einer 9monatigen Sperrfrist ganz oder teilweise über das Guhaben verfügt werden: “Pro Kalendermonat haben Sie die Möglichkeit, bis zu 2.000 Euro ganz ohne Zinsverlust abzuheben. Höhere Beträge können mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten abgefordert werden. Diese Verfügungen haben keine Auswirkung auf die Verzinsung des Restguthabens.”
Beim “Zinswachstum” der ING-Diba sind ebenfalls 2.000 Euro monatlich verfügbar.

6. Februar 2010
“UBS Stars Express”: Noch mehr Zertifikate-Opfer

Geldanleger haben offenbar mit dem 2007 verkauften Zertifikat UBS Stars Express” ähnlich horrende Verlust gemacht wie mit Lehman-Zertifikaten. Berichten zufolge wurde UBS Stars Express in Deutschland unter anderem von der Hamburger Sparkasse (Haspa) unters Volk gebracht. Der auf Kapitalanlagerecht spezialisierte Hamburger Rechtsanwalt Raoul Sandner schreibt:

Möglich gemacht hat diesen enormen Verlust die spezielle Konstruktion des Zertifikates: Das auf 10 DAX-Werte bezogene Stars Express-Zertifikat sollte sich nach den Anlagebedingungen verlustfrei entwickeln, sofern bis zum Laufzeitende im Mai 2011 keine der zugrunde gelegten 10 Aktien an den jährlichen Beobachtungsstichtagen unter 50 % ihres Ausgangswertes fallen würde. Neben Titeln wie der BASF AG, DaimlerChrysler AG, Deutsche Bank, Deutsche Telekom AG, E.ON AG, RWE AG, Thyssen Krupp AG befand sich auch die Aktie der Hypo Real Estate Holding AG unter den in Bezug genommenen Basiswerten. Infolge der HRE-Verstaatlichung machte UBS Gebrauch von den in Anlagebedingungen enthaltenen, aus Anlegersicht geldvernichtenden Kündigungsklauseln.

Mit dem Stars Express-Zertifikat wurde der Anleger so gestellt, als hätte er von vornherein sein gesamtes Geld in den schlechtesten aller 10 zugrunde gelegten Aktientitel investiert. Wir gehen nicht davon aus, dass diese dem Papier innewohnende Negativauswahl dem Willen eines ordnungsgemäß informierten Anlegers entsprach. Zudem haben wir bis heute keinen Anleger kennen gelernt, der von seiner Bank über das Kündigungsrecht, auf das sich UBS nunmehr beruft, aufklärt wurde. Damit wurde den Anlegern ein wesentliches Risiko der Anleihe, welches sich jetzt verwirklicht hat, verschwiegen. Schadensersatzansprüchen gegen die beratenden Banken messen wir deshalb hohe Erfolgsaussichten bei.

Bei einer Falschberatung dürfte aber noch die alte dreijährige Verjährungstfrist gelten, so dass es bei einem Verkauf 2007 langsam eng wird, Ansprüche gegebenefalls gerichtlich durchzusetzen.

4. Februar 2010
ibi: Postbank hat die beste Website

Das ibi research an der Universität Regensburg hat die aus ihrer Sicht besten Banken-Websites 2010 gekürt:

1 Deutsche Postbank AG
2 Sparkasse Hannover
3 Dresdner Bank AG
4 Kreissparkasse Köln
5 Sparkasse Aachen
6 Deutsche Bank AG
7 Sparkasse Saarbrücken
8 SEB AG
9 Sparkasse KölnBonn
10 Stadtsparkasse München

Ibi schreibt dazu:

Bereits im 12. Jahr wird der ibi Website Rating Award für die besten Banken-Webseiten verliehen. Die Deutsche Postbank AG geht zum dritten Mal in Folge als Gewinner aus dieser umfangreichsten Untersuchung deutschsprachiger Internet-Auftritte von Banken und Sparkassen hervor. Seit 1997 evaluiert die ibi research GmbH aus Regensburg die Internet-Auftritte der Retail-Banken. Die Beurteilung der Bankenwebsites erfolgt dabei für mehr als 330 Detailkriterien in den Kategorien Beratungsqualität und Usability.

Die Beratungsqualität sagt aus, wie gut der Kunde im Internet in seinem Kaufentscheidungsprozess virtuell beraten und betreut wird. Art und Qualität der abgebildeten Beratungs- und Verkaufsprozesse bestimmen maßgeblich die Vertriebsstärke einer Website. Diese wird z. B. durch richtig platzierte und ausgewählte Informationen, interaktive Elemente und Beratungstools gewährleistet.

Erstaunlich ist für mich daran, dass nicht eine Direktbank vorkommt. Für Direktbanken wäre eigentlich eine gute Website viel wichtiger als für Filialbanken. Aber es gibt sicher noch andere Tests mit anderen Ergebnissen.