FINBLOG.de – Aktuelle Notizen vom Finanzjournalist Andreas Kunze

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Archiv für die Kategorie 02 - Geld

20. August 2010
Google Street View: Der wahre Skandal

In Deutschland könnte man Google Street View in Google Streit View umbenennen. Die einen finden es schlimm, die anderen finden es toll, dass Hausfassaden künftig im Internet angeguckt werden können. Die ZEIT hat Google diese Woche sogar zum Titelthema gemacht.

Die Medien-Meinung scheint aber mittlerweile pro Google zu kippen. Die verständnisvollen Kommentare (”kann doch sowieso jeder sehen”) nehmen jedenfalls zu. Mit den ganzseitigen Google-Anzeigen in den Zeitungen hat das natürlich nichts zu tun.
Am Ende steht Bundesministerin Ilse Aigner als große Verliererin da. Das geht ja schon damit los, dass Google auf Wunsch die Häuser nicht schwärzt, sondern pixelt. Beim Schwärzen hätte die CSU-Frau wenigstens darauf verweisen können, welche Farbe für den Schutz der Privatsphäre steht. Noch nicht mal diesen Triumpf gönnt ihr Google.

Schlimmer noch:
Den wahren Skandal haben Ilse Aigner und viele andere Google-Gegner glatt übersehen: Google Street View ist frauenfeindlich und politisch indoktrinierend. Denn wie kommt man zur Straßensicht? Ein kleines gelbes Männchen muss in die Straße gezogen werden! Wieso ein Mann? In einer aufgeklärten, gleichberechtigten Gesellschaft müsste es selbstverständich sein, dass der Internet-Nutzer die Wahl zwischen einem Google-Männchen und einem Google-Frauchen haben.

Und wieso gelb? Wanzt sich Google etwa an die Liberalen ran, um am Ende einen Keil zwischen die schwarz-gelbe Koalition zu treiben? Will Google etwa andeuten: Mit Liberalen sieht man mehr? Oder sind die kleinen gelben Männchen gar ein Zugeständins an die Machthaber in China, die tatsächlich Google Schranken gezeigt haben?

Sollte ein Google-Street-View-Gesetz doch noch kommen, wäre es m.E. folgerichtig, zumindest für das deutsche Territorium ein schwarz-rot-gelbes Alternativ-Frauchen vorzuschreiben, etwa so:
Google-gesetz in

6. August 2010
“Erträgnisaufstellung”: 25 Euro Gebühren zurückholen

Unter Kunden der früheren Dresdner Bank (von Commerzbank geschluckt) rumort es: Ihnen wurden 25 Euro für eine “Erträgnisaufstellung” berechnet, die zuvor kostenlos war. Dazu gab es nur einen kurzen Hinweis auf Kontoauszügen. Die Kunden mögen doch bitteschön widersprechen, wenn sie zu zu diesen Konditionen keine “Erträgnisaufstellung” mehr haben wollen.

“Ich habe diesen Hinweis auf dem Kto-Auszug übersehen. Sicher meine Schuld. Allerdings finde ich zum einen die Gebühr doch etwas überzogen, zum anderen das Geschäftsgebahren an sich mehr als fragwürdig”, schrieb mir ein Finblog-Leser. Eine Commerzbank-Sprecherin hat auf Anfrage bestätigt, dass die übernommenen Kunden der Dresdner Bank lediglich per Kontoauszugsdrucker über die Preisänderung informiert wurden (Commerzbank-Kunden zahlten schon früher 25 Euro) . Das sei nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine ausreichende Information.

Die Commerzbank-Sprecherin erklärte allerdings auch:

Da es nachvollziehbar ist, dass ein Kunde diese Information auch einmal übersehen kann, bieten wir unseren Kunden in der Regel an, die angefallenen Gebühren für die Eträgnissteueraufstellungen zurückzuerstatten.

Das verstehe ich so: Wer darauf drängt, kriegt das Geld zurück.
Die umfangreiche Erträgnisaufstellung ist mit Einführung der Abgeltungssteuer für die meisten Kunden sowieso unnötig geworden. Wer statt des pauschalen Abzuges indes die Veranlagung wählt, dem kann die Erträgnisaufstellung hilfreich sein. Recht gut erklärt sind die unterschiedlichen Bescheinigungenbeim Online-Broker Flatex.

4. August 2010
Verbraucherschutz für Einsteiger

Wie schwer ist es eigentlich, Verbraucherschützer zu werden? Gar nicht! Wer mal auf die typischen Verbraucherschutz-Phrasen in Interviews achtet, stellt fest: Das kann jeder, das passt auch zu jedem Thema. Hier meine aktuelle Lieblingsliste:

    >>>Vergleichen Sie stets mehrere Angebote!
    >>>Unterschreiben Sie niemals voreilig!
    >>>Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen!
    >>>Das teuerste Angebot muss nicht das Beste sein!
    >>>Es gibt große Qualitätsunterschiede!
    >>>Immer genau das Kleingedruckte lesen!
    >>>Achten Sie auf mögliche Fallen!
    >>>Neben dem Preis ist die Leistung wichtig!
    >>>Suchen Sie unabhängigen Rat (Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest)
    >>>Kalkulieren Sie Ihre Ausgaben vorsichtig
    >>>Es könnte sich lohnen…

Egal, ob Versicherung, Geldanlage oder Stromtarif: Mit diesen Phrasen lässt sich alles verbraucherschützig kommentieren, ohne irgendein Detail zu kennen.

Beispiel: Ein fiktives Interview zu Riester-Rente.

? Sollte man eine Riester-Rente abschließen?
! Sie kann sich lohnen, es gibt aber große Unterschiede bei den Angeboten!
? Und welche?
!Neben dem Preis/ Prämie ist die Leistung wichtig, da sollte unabhängiger Rat eingeholt werden!
? Also besser nicht das erstbeste Angebot unterschreiben?
! Nein, um Gottes Willen, lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen!
? Was sind die Risiken?
! Es lauern zahlreiche Fallen im Kleingedruckten, das sollten Sie daher immer genau lesen.
?Noch ein Tipp zum Schluss?
!Ja, Sie sollten Ihre Ausgaben immer gut im Griff behalten, damit Sie nicht mehr ausgeben als sie einnehmen.

23. Juli 2010
Stresstest: Deutsche Banken haben nur einen Kranken

Die Ergebnisse des mit Spannung erwarteten Stresstests für 91 europäische Banken sind da.
Von den 14 deutschen Banken ist nur die Münchener Hypothekenbank Hypo Real Estate (HRE) durchgefallen – was jeder ahnte.
Darüber hinaus haben fünf spanische und eine griechische Bank nicht bestanden. Das bedeutet: Sie könnten in Krisen zu wenig Eigenkapital haben, könnten zum Notfall werden. Sie müssen sich nun weiteres Kapital besorgen.

Bei Yahoo werden viele Fragen zum Banken-Stresstest sehr gut beantwortet.
Wer mag, kann Einzelheiten direkt bei der europäischen Bankenaufsicht CEBS nachlesen

22. Juli 2010
ING-Diba: Jetzt 7 Millionen Kunden (und 2.800 Mitarbeiter)

Liebe ING-DiBa, herzlichen Glückwunsch. Nach eigenen Angaben hast Du jetzt mehr als 7-Millionen Kunden.

Am 9. Juni 2010 konnte Deutschlands größte Direktbank die 7-millionste Kundin begrüßen. Brigitte Sinzig aus Pfaffenhofen an der Ilm in Oberbayern hat an diesem Tag ein Girokonto bei der ING-DiBa eröffnet und kann sich als 7-millionste Kundin nun über ein Startguthaben von 1.000 Euro freuen.
(…)
Im Jahr 2002 konnte die ING-DiBa den 1-millionsten Kunden begrüßen. Mit seitdem sechs Millionen neuen Kunden steht die ING-DiBa für eine
einmalige Erfolgsgeschichte im deutschen Bankenmarkt. Beim Wachstum profitiert die Bank sehr stark davon, dass ING-DiBa Kunden überdurchschnittlich zufrieden sind und ihre Bank nach unabhängigen Studien weit häufiger weiterempfehlen als die Kunden von anderen
Kreditinstituten.

Zählen da die Kunden von der Tochter in Österreich mit? Egal, 7 Millionen ist schon toll. Was mich noch am meisten beeindruckt: Wie wenig Arbeitsplätze die ING-Diba trotz Millionen neuer Kunden in den vergangenen Jahren geschaffen hat. Ganze 2.750 Mitarbeiter waren es laut Website im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Die “neue” Commerzbank (mit Dreba) kommt auf rund 14,5 Millionen Privat- und Firmenkunden weltweit, also etwa das Doppelte der ING-Diba. Sie hat aber fast 23 Mal so viel Mitarbeiter, rund 63.000.

Ich mag Unternehmen lieber, die wachsen, Arbeitsplätze schaffen und Sozialabgaben zahlen. Das sind für mich echte Erfolgsgeschichten. Aber trotzdem herzlichen Glückwunsch zu den sieben Millionen Kunden. Ich bitte um Nachricht, wenn eines Tages die Marke von 3.000 Mitarbeitern durchbrochen werden sollte.

20. Juli 2010
Banken-Test: Beratungsprotokoll wird ignoriert (PM Stiftung Warentest)

Die Qualität der Anlageberatung von Banken ist in den vergangenen Monaten noch schlechter geworden. Hauptgrund: Die meisten Kreditinstitute halten sich nicht immer an die gesetzlichen Vorgaben. Sie stellen den Kunden zum Beispiel nicht alle Fragen, die sie stellen müssten, und klären häufig über wesentliche Eigenschaften und Kosten der Anlageprodukte nicht auf. In über der Hälfte der Fälle kamen die Bankberater ihrer Pflicht nach der Aushändigung eines Beratungsprotokolls nicht nach, obwohl die Kunden danach gefragt hatten. Außerdem empfahlen die meisten Banken einen zu riskanten Anlagemix. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in der August-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest, für die sie die Anlageberatung von 21 Kreditinstituten getestet hat. Sechs Banken bekamen dabei das Urteil “Mangelhaft”, zwölf waren “ausreichend”, drei “befriedigend” und keine einzige war “gut”.

Ende 2009 veröffentlichte Finanztest einen Test der Anlageberatung bei 21 Banken. Das Ergebnis war eine große Blamage. Keine einzige Bank hatte “gut” abgeschnitten, zwei waren sogar “mangelhaft”. Daraufhin drohte Verbraucherschutzministerin Aigner den Banken mit schärferen Kontrollen und weiteren Gesetzen, sollten sie ihre Leistungen nicht verbessern. Außerdem wurde ein Beratungsprotokoll Pflicht, wenn über Wertpapiere beraten wird. Die Kreditinstitute selbst gelobten Besserung.

Jetzt hat die Stiftung Warentest fast alle dieser Banken noch einmal unter die Lupe genommen. Die Testkunden haben 146 Beratungsgespräche durchgeführt. Sie wollten 35 000 Euro zehn Jahre lang anlegen. Das Ergebnis ist noch verheerender als beim letzten Mal: Wieder ist keine einzige Bank “gut”, dafür vergab die Stiftung sogar sechsmal die Note “Mangelhaft”, und zwar an die Postbank, Hypovereinsbank, Targobank, BW Bank, Nassauische Sparkasse und Volksbank Mittelhessen. Das größte Problem ist, dass die Banken das Wertpapierhandelsgesetz missachten. Sie müssen die Kunden nach ihren finanziellen und persönlichen Verhältnissen fragen, sind verpflichtet zu ermitteln, welches Ziel die Kunden mit ihrer Geldanlage erreichen wollen und welche Kenntnisse sie haben. Bei der Beratung über Wertpapiere muss zudem ein Beratungsprotokoll ausgehändigt werden.

Der ausführliche Test “Anlageberatung der Banken” ist in der August-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und online unter www.test.de/anlageberatung veröffentlicht.

(Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung des Unternehmens Stiftung Warentest)