Dossier | Arag

08. Januar 2010 | Autor:

ARAG-PR beim Hamburger Abendblatt jetzt kostenpflichtig

Es hat schon zahlreiche Versuche gegeben, aus Scheiße Gold zu machen. Das Hamburger Abendblatt aus dem Axel-Springer-Verlag geht bei diesem Experiment noch einen Schritt weiter: Es macht aus Versicherer-PR Paid Content.

Seit kurzem sind beim Hamburger Abendblatt zahlreiche Online-Artikel kostenpflichtig, zu erkennen an einem Euro-Zeichen. Wer das lesen will, muss entweder Abonnent der gedruckten Zeitung sein oder für 7,95 Euro im Monat Abonnent der Online-Ausgabe werden. Die Internetnutzer lasen dazu folgendes von der Chefredaktion des Hamburger Abendblattes:

Wir wagen, Werthaltiges im Netz künftig nicht mehr zu verschenken, sondern zu verkaufen. (…) Denn Qualitätsjournalismus ist per se eben nicht kostenlos, sondern kostenintensiv. Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus.

Ein Beispiel dafür, was das Hamburger Abendblatt unter “werthaltig” und “Qualitätsjournalismus” versteht, ist dann offenbar dieser kostenpflichtige Artikel:

Stürze bei Schnee und Glatteis – Wer zahlt?
Nun hat der Winter und damit auch Schnee und Glatteis Deutschland erreicht. Wer haftet im Unglücksfall wann für wen. Wir geben Auskunft.

Wem es zu blöd ist, wegen seines Hungers auf Qualitätsjournalismus Abonnent des Hamburger Abendblattes zu werden, der hat eine einfache Ausweichmöglichkeit: Er liest den gleichen Text an der Quelle, und zwar als PR-Veröffentlichung des Rechtsschutzversicherers ARAG.
Das Hamburger Abendblatt hat diese Pressemitteilung online wörtlich übernommen – und möchte offenbar nun Geld dafür haben, dass sie den Text in eine sechsteilige Klickstrecke zerbröckelt hat. Diese Werthaltigkeit, dieser Qualitätsjournalismus powered by ARAG ist Ihnen keinen Cent wert?

Mein Tipp: Wer das ehrenwerte Hamburger Abendblatt nicht abonnieren mag, aber trotzdem sich regelmäßig über die neuesten PR-Veröffentlichungen der Finanzwirtschaft informieren möchte, der verwendet einfach den Browser Firefox, installiert die Erweiterung User Agent Switcher und stellt “Googlebot” ein. Damit wird dem Server des Hamburger Abendblattes vorgegaukelt, Sie seien Google. Und da das Hamburger Abendblatt gerne bei Google wichtig sein möchte, lässt es den Googlebot (also Sie) kostenlos rein.

Sie brauchen m.E. keine Bedenken haben, wenn Sie dem Hamburger Abendblatt vorgauklen, Sie seien Google. Das Hamburger Abendblatt tut schließlich auch so, als würde es Ihnen werthaltigen Qualitätsjournalismus verkaufen.

Qualitätsjournalismus des Hamburger Abendblattes:

Bild  Arag1 ARAG PR beim Hamburger Abendblatt jetzt kostenpflichtig

Der Ursprung des Qualitätsjournalismus des Hamburger Abendblattes:
Bild  Arag3 ARAG PR beim Hamburger Abendblatt jetzt kostenpflichtig

Bewertungen

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Meinungen/Erfahrungen

Meinungen

  1. Corvus Ruber sagt:

    Nicht nur bei ARAG: auch dpa-Artikel, die z.B. bei den Kieler Nachrichten frei sind, kosten beim Abendblatt. cr

  2. Justus sagt:

    Die mobile Variante des Hamburger Abendblatt f

  3. bertel becks sagt:

    So sehr ich Werbung ohne Kennzeichnung hasse – Peter Brodmeier hat vollkommen Recht. Diese Problematik ist unabh

  4. Psy4 sagt:

    Ich habe eben mal beim Abendblatt nach dem Stichwort "Arag" gesucht und mir die ersten 5 Ergebnisse angeschaut. Die

  5. Guybrush Threepwood sagt:

    Dann brauchst Du nicht einmal das Plugin. Kannst das Abendblatt einfach bei Google im Cache lesen :)

  6. An einer Unternehmenskultur die dazu f

  7. Stefan sagt:

    Dass das HA diesen Artikel in den Paid Content-Bereich aufgenommen hat, ist mit Sicherheit nicht besonders klug. Die Aufregung um die Tatsache gr

  8. Bj sagt:

    @Marc, das Stichwort hei

  9. peter Brodmeier sagt:

    PS:

    Wem ist der Schreibfehler in der Abendblatt-Headline aufgefallen? :-)

  10. Peter Brodmeier sagt:

    @ Benjamin Fredrich:

    Aber auch bei bezahlten Print-Produkten setzen Sie sich doch der darin geschalteten Werbung aus – die wird ja auch nicht "abgeschafft", nur weil Sie f

  11. Marc sagt:

    Schwierig. Soll man jetzt jede Pressemitteilung aus kostenpflichtigen Angeboten weglassen, weil man sie kostenlos im Internet findet?

    Wenn hier die Kommunalpolitiker eine Entscheidung zu einem Projekt via Pressemitteilung kommentieren, soll man diese dann im Blatt oder der Onlineausgabe auslassen und sagen: "Lieber Leser, was CDU, SPD etc. sagen, kannst Du bei denen im Internet nachgucken, hier sind die Links, klick mal sch

  12. "Wir wagen, Werthaltiges im Netz k

  13. Flo Klein sagt:

    Naja, wenn man eben f

  14. Peter Brodmeier sagt:

    Lieber Herr Berger,

    ich will Ihnen nicht vorschreiben, wor

  15. Max Mustermann sagt:

    Was regt sich Brodmeier hier eigentlich so kleinkariert auf? Jeder zahlende Kunde m

  16. Christian sagt:

    Die interessante Frage ist nun, in wieweit sich online Nachrichtendienste, die ein Bezahlabo verlangen, ihre Webseiten weiterhin mit Werbung bespielen. Findet sich denn hinter der Paywall des HA noch Bannerwerbung oder wird die dann ausgeschaltet? Meiner Meinung nach w

  17. Jan Berger sagt:

    @Herr Brodmaier

    Es ging bei dem Artikel wohl weniger um den Sinn oder Unsinn von kostenpflichtigen Inhalten, sondern mehr um die Behauptung des Hamburger Abendblatts, man solle doch f

  18. Bernhard Bruno sagt:

    Herr Brodmeier? Wir warten!

  19. Sascha sagt:

    Beim HA darf man eigentlich schon gar nichts anderes mehr erwarten. Aber es gibt halt doch keine Grenze der Dreistigkeit. Der Google-Bot-Trick ist mir auch neu… Danke jedenfalls f

  20. Peter Brodmeier sagt:

    @ Ben:

    Da ich hier – im Gegensatz zu Ihnen – mit vollem Namen auftrete, habe ich auch nichts zu verbergen. Ja, ich bin Peter Brodmeier von Brodmeier | Wagner und darf Ihnen an dieser Stelle mitteilen, da

  21. Ben sagt:

    @ Peter Brodmeier

    Sind sie der Peter Brodmeier von "brodmeier-wagner"? Dann

    sind sie vermutlich nicht ganz Unschuldig an der Platzierung

    der ARAG-Werbung in der Zeitung, wenn man sich mal ihre

    Referenzen-Liste anschaut.

    M

  22. Christian sagt:

    @Peter Brodmeier

    Ulknudel.

  23. Mike Lakowski sagt:

    "Bei der gedruckten Ausgabe des Hamburger Abendblattes bezahlt man Werbeanzeigen und PR-Ver

  24. Peter Brodmeier sagt:

    Bei der gedruckten Ausgabe des Hamburger Abendblattes bezahlt man Werbeanzeigen und PR-Ver

  25. mrx sagt:

    Ist es Absicht, dass der Niggemeier-Link mitten in die Kommentarschlacht des Artikels zeigt?

  26. Dome S. sagt:

    Is typisch erst klauen sie die Texte, geben sie als ihre eigenen aus und schliesslich verkaufen die dir den Dreck auch noch.

    Typisch A.S.- Verlag.

    Des mit dem Googlebot ist ne feine Sache, musst ich doch gleich mal probieren. Danke

  27. Dazu ist das Paid Content Model also n

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