FINBLOG.de – Aktuelle Notizen vom Finanzjournalist Andreas Kunze

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8. Januar 2010
ARAG-PR beim Hamburger Abendblatt jetzt kostenpflichtig

Es hat schon zahlreiche Versuche gegeben, aus Scheiße Gold zu machen. Das Hamburger Abendblatt aus dem Axel-Springer-Verlag geht bei diesem Experiment noch einen Schritt weiter: Es macht aus Versicherer-PR Paid Content.

Seit kurzem sind beim Hamburger Abendblatt zahlreiche Online-Artikel kostenpflichtig, zu erkennen an einem Euro-Zeichen. Wer das lesen will, muss entweder Abonnent der gedruckten Zeitung sein oder für 7,95 Euro im Monat Abonnent der Online-Ausgabe werden.
Die Internetnutzer lasen dazu folgendes von der Chefredaktion des Hamburger Abendblattes:

Wir wagen, Werthaltiges im Netz künftig nicht mehr zu verschenken, sondern zu verkaufen. (…) Denn Qualitätsjournalismus ist per se eben nicht kostenlos, sondern kostenintensiv. Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus.

Ein Beispiel dafür, was das Hamburger Abendblatt unter “werthaltig” und “Qualitätsjournalismus” versteht, ist dann offenbar dieser kostenpflichtige Artikel:

Stürze bei Schnee und Glatteis – Wer zahlt?
Nun hat der Winter und damit auch Schnee und Glatteis Deutschland erreicht. Wer haftet im Unglücksfall wann für wen. Wir geben Auskunft.

Wem es zu blöd ist, wegen seines Hungers auf Qualitätsjournalismus Abonnent des Hamburger Abendblattes zu werden, der hat eine einfache Ausweichmöglichkeit: Er liest den gleichen Text an der Quelle, und zwar als PR-Veröffentlichung des Rechtsschutzversicherers ARAG.
Das Hamburger Abendblatt hat diese Pressemitteilung online wörtlich übernommen – und möchte offenbar nun Geld dafür haben, dass sie den Text in eine sechsteilige Klickstrecke zerbröckelt hat.
Diese Werthaltigkeit, dieser Qualitätsjournalismus powered by ARAG ist Ihnen keinen Cent wert?

Mein Tipp: Wer das ehrenwerte Hamburger AbzockAbendblatt nicht abonnieren mag, aber trotzdem sich regelmäßig über die neuesten PR-Veröffentlichungen der Finanzwirtschaft informieren möchte, der verwendet einfach den Browser Firefox, installiert die Erweiterung User Agent Switcher und stellt “Googlebot” ein. Damit wird dem Server des Hamburger Abendblattes vorgegaukelt, Sie seien Google. Und da das Hamburger Abendblatt gerne bei Google wichtig sein möchte, lässt es den Googlebot (also Sie) kostenlos rein.

Sie brauchen m.E. keine Bedenken haben, wenn Sie dem Hamburger Abendblatt vorgauklen, Sie seien Google. Das Hamburger Abendblatt tut schließlich auch so, als würde es Ihnen werthaltigen Qualitätsjournalismus verkaufen.

PS: Medien-Kritiker Stefan Niggemeier hat das Paid-Content-Modell des Hamburger Abendblattes umfassend kommentiert.

Qualitätsjournalismus des Hamburger Abendblattes:

Arag1 in ARAG-PR beim Hamburger Abendblatt jetzt kostenpflichtig

Der Ursprung des Qualitätsjournalismus des Hamburger Abendblattes:
Arag3 in ARAG-PR beim Hamburger Abendblatt jetzt kostenpflichtig

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Kommentare

Kommentar von ROFLcOptimist am 8.1.2010 um 9:18

Dazu ist das Paid Content Model also nützlich:
Um uns von unlauterer Schleichwerbung zu schützen. Danke Axel Springer Verlag!

Kommentar von Andreas Kunze am 8.1.2010 um 9:35

@Optimist: So kann man das natürlich auch sehen.

Kommentar von Dome S. am 8.1.2010 um 9:42

Is typisch erst klauen sie die Texte, geben sie als ihre eigenen aus und schliesslich verkaufen die dir den Dreck auch noch.
Typisch A.S.- Verlag.
Des mit dem Googlebot ist ne feine Sache, musst ich doch gleich mal probieren. Danke

Kommentar von mrx am 8.1.2010 um 10:23

Ist es Absicht, dass der Niggemeier-Link mitten in die Kommentarschlacht des Artikels zeigt?

Kommentar von Andreas Kunze am 8.1.2010 um 10:31

Nein, das war unbeabsichtigt und ist korrigiert.

Kommentar von Jan Manz am 8.1.2010 um 10:46

Danke für diesen Beitrag – wunderbar. :))

Kommentar von Peter Brodmeier am 8.1.2010 um 11:00

Bei der gedruckten Ausgabe des Hamburger Abendblattes bezahlt man Werbeanzeigen und PR-Veröffentlichungen ja auch mit – was regen Sie sich hier also so kleinkariert auf? Wenn Sie das Angebot nicht nutzen wollen, dann benehmen Sie sich wie jeder mündige Verbraucher in der freien Marktwirtschaft und lassen es einfach – anstatt nach dem Gezetere auch noch Anleitungen zu verteilen, wie man unter Vorspiegelung falscher Tatsachen weiterhin gratis an das Angebot rankommt. Ist Ihnen so etwas gar nicht peinlich?

Kommentar von Mike Lakowski am 8.1.2010 um 11:22

“Bei der gedruckten Ausgabe des Hamburger Abendblattes bezahlt man Werbeanzeigen und PR-Veröffentlichungen ja auch mit – was regen Sie sich hier also so kleinkariert auf?”

Mir ist das gedruckte Hamburger Abendblatt nicht bekannt, aber zumindest in meinen Zeitungen sind PR-Beilagen entweder vom restlichen Blatt haptisch abgetrennt oder durch “Anzeige” deutlich gekennzeichnet. Keinesfalls finde ich aber auf Cover oder im Inhaltsverzeichnis (damit würde ich die Seite mit der Bezahlschranke gleichsetzen) die Anpreisung des wertlosen PR-Contents.

Insofern kann ich die Kritik durchaus nachvollziehen: wer Bezahlinhalte an den Mann bringen will (und damit sowohl der Branche als auch den eigenen Mitarbeitern durchaus einen wichtigen und guten Dienst erweist), der sollte mit offenen Karten und ohne billige Tricks spielen.

Kommentar von Christian am 8.1.2010 um 11:31

@Peter Brodmeier

Ulknudel.

Kommentar von Ben am 8.1.2010 um 11:48

@ Peter Brodmeier

Sind sie der Peter Brodmeier von “brodmeier-wagner”? Dann
sind sie vermutlich nicht ganz Unschuldig an der Platzierung
der ARAG-Werbung in der Zeitung, wenn man sich mal ihre
Referenzen-Liste anschaut.

Möchten sie uns darüber ein wenig mehr erzählen?

Kommentar von Peter Brodmeier am 8.1.2010 um 12:28

@ Ben:

Da ich hier – im Gegensatz zu Ihnen – mit vollem Namen auftrete, habe ich auch nichts zu verbergen. Ja, ich bin Peter Brodmeier von Brodmeier | Wagner und darf Ihnen an dieser Stelle mitteilen, daß unsere Tätigkeiten für ARAG, auf die Sie sich beziehen, zurückliegen und unsere Agentur nicht mehr für den Kunden tätig ist.

Grundsätzlich wollte ich auch nur feststellen: Der Online-Zugang zum Paid Content des Abendblattes wird monatlich pauschal gezahlt – man kauft also alle Artikel und nicht selektiv einen. Insofern ist die Darstellung, man bezahle hier für einen einzelnen PR-Abdruck genauso falsch wie die Absicht dem springer Verlag zu unterstellen, den Abdruck einer PR-Nachricht als “Qualitäts-Journalismus” darstellen zu wollen.

So viel zu meinem Kommentar. Wurden Ihre Fragen beantwortet?

Kommentar von Sascha am 8.1.2010 um 13:07

Beim HA darf man eigentlich schon gar nichts anderes mehr erwarten. Aber es gibt halt doch keine Grenze der Dreistigkeit. Der Google-Bot-Trick ist mir auch neu… Danke jedenfalls für den aufklärenden Artikel!

Kommentar von Bernhard Bruno am 8.1.2010 um 14:16

Herr Brodmeier? Wir warten!

Kommentar von Jan Berger am 8.1.2010 um 15:44

@Herr Brodmaier

Es ging bei dem Artikel wohl weniger um den Sinn oder Unsinn von kostenpflichtigen Inhalten, sondern mehr um die Behauptung des Hamburger Abendblatts, man solle doch für Qualitätsjournalismus im Internet auch bezahlen. Nun wird dem Leser im aktuellen Beispiel aber ein kostenpflichtiger Text untergejubelt, für den das HA sicherlich keinen Cent ausgegeben hat, geschweige denn Qualitätsjournalismus betrieb. Und ich gehe jede Wette ein, dass es sich hier weder um ein Versehen noch um einen Einzelfall handelt. Aktuell tauchen in vielen Printmedien quer durch die journalistische Ausrichtung zunehmend Artikel auf, die eher den Werbetexten einer PR-Agentur entsprechen, als wirklich von journalistischer Recherge zu zeugen.

Und ja darüber darf man sich aufregen.

Kommentar von Christian am 8.1.2010 um 17:20

Die interessante Frage ist nun, in wieweit sich online Nachrichtendienste, die ein Bezahlabo verlangen, ihre Webseiten weiterhin mit Werbung bespielen. Findet sich denn hinter der Paywall des HA noch Bannerwerbung oder wird die dann ausgeschaltet? Meiner Meinung nach wäre es erstrebenswert, dass wenn die Zeitungen sich schon für eine Paywall entscheiden, die Abozahlung sämtliche Kosten der Inhalteproduktion abdeckt (Druckkosten entfallen ja offensichtlich). Wenn das Abo lediglich Teil einer Mischfinanzierung bleibt fände ich es als Leser wesentlich weniger attraktiv.

Kommentar von Max Mustermann am 8.1.2010 um 17:28

Was regt sich Brodmeier hier eigentlich so kleinkariert auf? Jeder zahlende Kunde müsste sich verarscht vorkommen, dass Texte, die woanders frei angeboten werden, von AS kostenpflichtig und mit Werbung garniert angeboten werden. (So zum Beispiel auch PR der Polizei Hamburg, da werden ein paar Synonyme ausgetauscht und aus einer neutralen PM ein rechtskonservativer Hetzartikel, eben “Qualität” aus dem Hause Springer.) Was den Tip mit dem Gratis-Lesen angeht: Sie wissen ja bestimmt, wie man eine Suchmaschine bedient, den können Sie überall lesen. Ausser vielleicht in der Springer-Presse. Ist es Ihnen nicht peinlich, sich unbezahlt zum Hausmeister Krause des Springer-Verlags zu machen? Sei es drum: Langfristig wird Springer mit seiner Strategie auf die arrogante Fresse fliegen, soviel steht fest. Wer das Internet nicht verstanden hat, sollte nicht versuchen, etwas im selbigen zu verkaufen. New School grüsst Old School. ;-)

Kommentar von Peter Brodmeier am 8.1.2010 um 17:52

Lieber Herr Berger,

ich will Ihnen nicht vorschreiben, worüber Sie sich aufzuregen haben – wirklich nicht. Es ist nur so: Auch bei Print-Produkten erwerben Sie mit dem Kaufpreis abgedruckte PR-Berichterstattung. Jetzt ist es online also “auch so weit”. Das kann man mögen, das kann man hassen – und ja! – man kann sich auch darüber aufregen. Das Problem ist nur: das hat überhaupt nichts mit Paid Content im Internet zu tun. Entsprechend sollte dann eine Diskussion eher dahingehen, warum PR-Nachrichten in bezahlten Medien erscheinen. In Zeitungen. In Zeitschriften. Im Fernsehen. Im Hörfunk. Im Kino. Und ja: auch im Internet.

Nochmal – gehen Sie ruhig darauf ein – das Abendblatt verkauft Ihnen einen monatlichen Gesamtzugang zum Content (wie immer dieser entsteht und was immer dieser kostet) und versucht in keiner Weise Ihnen einen einzelnen PR-Artikel für Geld zu verkaufen. Dieser Artikel – man muß ihn wirklich nicht mögen! – ist nur 0,001% dessen, was Sie erwerben. Die PR-Quote Online wird vermutlich nicht höher sein als bei jedem bezahlten Offline-Produkt.

Um den Burgfrieden zu wahren:

Ich gebe Ihnen recht, daß dieser Artikel lästig wirkt und von null-komma-null “journalistischer Qualität” ist. Es ist in der Tat ein 1:1 Pressetext aus irgendeiner Agenturfeder, der nur übernommen und veröffentlicht wurde. Das spricht für mich – dies ist eine private Meinung – weder bei einem bezahlten noch bei einem unbezahlten Medium für Qualität.

Was auf keinen Fall passieren darf – Sie haben in diesem Punkt 100% Recht – ist, daß man guten Journalismus – dafür steht in meinen Augen das Hamburger Abendblatt – mit solchen Veröffentlichungen zu stark verwässert. Dieses würde der zahlende Leser (ob online oder offline) sicherlich auf Dauer nicht hinnehmen wollen und ggf. seine persönliche Produktentscheidung revidieren.

Kommentar von Flo Klein am 8.1.2010 um 18:34

Naja, wenn man eben für den verlangten Preis nicht ausreichend “exklusive” Artikel bereitstellen kann, die dann den zahlungswilligen Leser auch befriedigen, muss man eben günstige oder kostenlos zu beschaffende Masse nachreichen, die ja auch irgendwo herkommen muss.

Schade nur, dann man wohl gedacht hat, der mündige Bürger bekommt das nicht mit…

Gruß.

Kommentar von Benjamin Fredrich am 9.1.2010 um 11:45

“Wir wagen, Werthaltiges im Netz künftig nicht mehr zu verschenken, sondern zu verkaufen.”

Vor allem vergessen die Befürworter der kostenpflichtigen “Qualtitätsjournalismus” zu sagen, dass auch durch frei Zugängliche Artikel verkauft werden. Werbung, Anzeigen, Versicherungsvermittlung, wie in diesem Blog auch. Der Besucher zahlt mit der Möglichkeit auf die Angebote einzugehen und Kunde des beworbenen zu werden. Negativ ausgedrückt, setzt er sich der Gefahr der Werbung aus. Im Gegenzug bekommt der den Artikel.

Da die Werbung im Hamburger Abendblatt nicht abgeschafft werden wird, soll der Leser nun doppelten Wert bringen.

Kommentar von Marc am 9.1.2010 um 13:02

Schwierig. Soll man jetzt jede Pressemitteilung aus kostenpflichtigen Angeboten weglassen, weil man sie kostenlos im Internet findet?

Wenn hier die Kommunalpolitiker eine Entscheidung zu einem Projekt via Pressemitteilung kommentieren, soll man diese dann im Blatt oder der Onlineausgabe auslassen und sagen: “Lieber Leser, was CDU, SPD etc. sagen, kannst Du bei denen im Internet nachgucken, hier sind die Links, klick mal schön”. Online geht das ja noch, aber mit der Zeitung in der Hand wäre das eher doof erstmal den PC starten zu müssen, um dann auch Inhalt zur Überschrift zu bekommen.

Das würde man dann auch mehr oder weniger gut finden; weniger, wenn die PMs sehr lang und selbstbeweihräuchernd sind; mehr, wenn man gerne lieber die ganzen 3000 Zeichen hat, anstelle einer Zusammenfassung.

Kommentar von Peter Brodmeier am 9.1.2010 um 13:25

@ Benjamin Fredrich:

Aber auch bei bezahlten Print-Produkten setzen Sie sich doch der darin geschalteten Werbung aus – die wird ja auch nicht “abgeschafft”, nur weil Sie für die Zeitung / Zeitschrift zahlen. Neben dem Verkauf des Produktes ist die Werbung doch eine wichtige Erlössäule für Verlage – die refinanzierend ist und somit – theoretisch zumindest – auch den Verkaufspreis des Produktes senkt. Werbefreiheit in einer 1€-Zeitung dürfte sicherlich 30 Cents oder mehr (ich bin bei Anzeigenpreisen kein Fachmann) extra kosten.

Vielleicht wird es irgendwann den “normalen” kostenpflichtigen Basis-Zugang zu Paid-Content-Angeboten geben und einen “Premium”-Zugang, der dann werbefrei (und teurer) ist?

Und was den “Qualitätsjournalismus” angeht, so hat sich aus meiner Sicht die Verlagsbranche keinen Gefallen damit getan, diese Bezeichnung in den Umlauf und die Diskussion zu bringen. Denn was ist schon Qualität? Was ist der Focus zum Beispiel? Einige würden das Heft noch nicht mal mit der Kneifzange anfassen, andere legen es stolz auf den Sofatisch und freuen sich, daß sie über die Gala hinausgekommen sind.

Wer will da nun festlegen, was “Qualität” ist? Die Mehrheit der Menschen? Die würde für Wetten daß und DSDS votieren. Eine intellektuelle Minderheit? Dann könnten wir 99% aller Medienprodukte gleich abschaffen. Also muß es jeder, der Medien produziert oder Medien konsumiert, für sich selbst festlegen. Und da ist der Anspruch von Lesern dieses Blogs anscheinend deutlich höher als der von den Machern des Abendblattes, die den ARAG-PR-Artikel einkopiert haben.

Die Verlage haben – Gott alleine wird wissen, warum – im Internet auf eine ihrer beiden starken Erlössäulen verzichtet. Das kann die Werbebranche alleine auf Dauer eben nicht finanzieren. Also muß zwangsläufig sich der Verbraucher auch im Web wieder an Kaufpreise gewöhnen. Klar tut das weh. Ich würde auch ungern für etwas zahlen, was ich jahrelang kostenlos bekommen habe.

Ich selbst habe mit Paid Content kein all zu großes Problem da ich zu einer Generation gehöre, die früher bei Stilke oder anderen großen Zeitschriftenläden auch mal 50, 60 oder 70 DM bei einem einzigen Besuch nur für Zeitschriften ausgegeben hat – daran erinnere ich mich eben noch. Andererseits werde ich sicherlich die Vielfalt des Angebotes vermissen, wenn eines Tages alles mit Bezahl-Schranken abgesperrt ist. Denn das war “früher” noch nicht einmal so: da konnte man stundenlang vor den Zeitschriftenregalen stehen und in den Zeitschriften rumblättern. Wenn das im Internet abhanden kommt, da gebe ich jedem recht, das wäre schrecklich.

Ich bin gespannt zu sehen, wie sich die Medien- und Internet-Welt nach dem “Tablet Tuesday” am 26. Januar verändert, wenn Apple seinen Slate rausbringt und zum ersten mal Print-Produkte über den iTunes Store verkauft werden. Meine mittelfristige Prognose: Weil sich Presseprodukte dort sehr gut gegen € verkaufen werden, werden die Browser-basierten Angebote der Verlage extrem schnell mit Bezahlschranken versehen werden.

Kommentar von peter Brodmeier am 9.1.2010 um 13:26

PS:

Wem ist der Schreibfehler in der Abendblatt-Headline aufgefallen? :-)

Kommentar von Björn am 9.1.2010 um 16:06

@Marc, das Stichwort heißt Recherche.

Frei zugängliche Informationen sind schliesslich die Hauptquelle für Journalismus und dürfen natürlich zitiert und in den Artikel eingearbeitet werden. Genau das macht Qualitätsjounalismus doch aus: Gut aufbereitete Information, die einen Sachverhalt auch für den Nicht-Fachmann verständlich formuliert beleuchtet.

Die 1:1-Übernahme von fremden Meldungen (ohne Nennung des Urhebers) verbietet sich hier unabhängig vom Medium, in dem veröffentlicht wird.

Nur weil es im Printbereich schon seit langem üblich ist, Agenturmeldungen und PR-Veröffentlichung als eigene Artikel zu verkaufen (und dabei z.T. sogar noch durch parallele Werbeschaltungen zu profitieren), ist es noch lange nicht richtig. Weil nun einige Massenmedien den bezahlten Content zu etablieren suchen, fällt es aktuell hier besonders auf und darf daher auch (wie hier geschehen) kritisch beleuchtet werden.

Kommentar von Stefan am 9.1.2010 um 18:47

Dass das HA diesen Artikel in den Paid Content-Bereich aufgenommen hat, ist mit Sicherheit nicht besonders klug. Die Aufregung um die Tatsache gründet jedoch auf der Annahme, dass das absichtlich geschehen ist. Und das kann ich mir im Moment bei besten Willen nicht vorstellen. Ich glaube eher, dass die Zuordnung der Artikel zum PC-Bereich aktuell noch nach dem Zufalls- oder bestenfalls Trial&Error-Prinzip funktioniert. Wieso sollte man sonst einen Artikel wie den hier — http://www.abendblatt.de/hamburg/schule/article582692/Spenden-Sie-Abonnements-fuer-Schulen-in-Hamburg-und-der-Metropolregion-und-foerdern-Sie-damit-die-Lesekompetenz-der-Schueler.html — im PC-Bereich verstecken. Ein Spendenaufruf, den ich nicht lesen kann ohne vorher zu bezahlen? Das sieht momentan alles noch sehr nach Sandbox aus.

Kommentar von Thomas Television am 9.1.2010 um 20:26

An einer Unternehmenskultur die dazu führt, dass es häufiger vorkommt das grenzwertige PR stattfindet kann also auch der Paid Content nichts ändern. Die Gewohnheit scheint hier einfach weiterhin drinzublieben. “Wieso denn, der Text ist doch gut!?”, wird der Verantwortliche vielleicht auch heute noch den Kopf schütteln und nicht verstehen, was er oder sie da eigentlich falsch gemacht haben soll.

Kommentar von Guybrush Threepwood am 11.1.2010 um 9:59

Dann brauchst Du nicht einmal das Plugin. Kannst das Abendblatt einfach bei Google im Cache lesen :)

Kommentar von Psy4 am 11.1.2010 um 17:26

Ich habe eben mal beim Abendblatt nach dem Stichwort “Arag” gesucht und mir die ersten 5 Ergebnisse angeschaut. Die Überschriften der Artikel hab ich dann bei google eingegeben. Ergebnis: Alle diese Artikel sind PR-Texte von Arag, mehr oder weniger unverändert.
Einzig der oben erwähnte Artikel fehlt…

Kommentar von bertel becks am 12.1.2010 um 11:39

So sehr ich Werbung ohne Kennzeichnung hasse – Peter Brodmeier hat vollkommen Recht. Diese Problematik ist unabhängig vom jeweiligen Medium zu diskutieren. Die Tatsache, dass auch kostenpflichtiger Online-Content Werbung besitzt, ist per se nichts Verwerfliches.

Grundsätzlich ist auch klar: wenn das Geld im Internet für kostenlose Web-Auftritte nicht mehr hereinkommt, weil jeder Nutzer die Werbung mit Blockern ausblendet, muss man über kostenpflichtige Angebote nachdenken. Die Form, in der das derzeit geschieht, ist aber mehr als dürftig. Man kann nicht einfach Zeitungsinhalte 1zu1 als PDF übernehmen und das dem User für den Zeitungspreis zum Download anbieten.

Kommentar von Justus am 12.1.2010 um 16:56

Die mobile Variante des Hamburger Abendblatt fürs Handy/Smartphone bringt bisher (noch) ausschließlich kostenfreie Artikel, darunter auch solche, die auf ihrer “Normalseite” kostenpflichtig sind…

Kommentar von Corvus Ruber am 14.1.2010 um 11:23

Nicht nur bei ARAG: auch dpa-Artikel, die z.B. bei den Kieler Nachrichten frei sind, kosten beim Abendblatt. cr

Kommentar von Doktorweb am 10.2.2010 um 16:19

Zum Thema Qualitätsjournalismus in meiner Eigenschaft als Vortragender:

97% meiner Studenten leben in der (anerzogenen) Definition von Stuart Hall.
99% haben die Tragweite von Web 2.0 erfahren aber nicht begriffen.
100% schreiben ohne Ihren Auftrag zu kennen.

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