14. April 2009
Tschüß, Krise
Goldman Sachs hat im ersten Quartal wieder richtig Geld verdient, die US-Notenbankchef sieht erste Zeichen der Erholung, an den Aktien-Börsen geht es aufwärts – und ich finde, das Posting Anfang März war nicht schlecht.
Zum Pfefferminztee hat mich der Wirt schon vergangenen Donnerstag eingeladen.
Von: Andreas Kunze | Kategorie: 02 - Geld |
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Kommentare
Kommentar von Justus am 14.4.2009 um 19:42
Das ist doch nur eine Wasserstandsmeldung, die nichts besagt.
Erste Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland sehen inzwischen sogar davon ab, überhaupt Konjunkturprognosen für das Kalenderjahr 2010 abzugeben, weil vorangegangene negative Prognosen ständig von der Wirklichkeit kontakariert wurden.
Bei amerikanischen Banken wiederum ist zu beobachten, dass dort zunehmend die Neigung besteht, mit Zwischen-Gewinnmeldungen bzw. positiven Nachrichten i.V.m. Rückgabeangeboten für empfangene Staatsgelder die dadurch aufgedrängte Staatsbeteiligung bzw. die als lästig empfundene Gängelung durch die amerikanische Notenbank/den US-Staat wieder abzuschütteln. Der aufgezwungene “Bonusverzicht” zwackt doch gewaltig!
Dabei beruhen solche propagandistischen Scheingewinne im wesentlichen auf der Umstellung und Verwässerung früherer, strengerer Bewertungsmaßstäbe hinsichtlich der im Depot befindlichen eigenen “Wertpapiere”und der Zuführung frischen, fremden Geldes.
Selbst die Deutsche Bank, die hier keine Staatsgelder angefordert / empfangen hat und mit einer Kernkapitalquote von rd. 10 % ordentlich dasteht, profitiert von staatlichen / europäischen Zugeständnissen bei der Bewertung ihrer fauligen Papiere und der Feinjustierung ihrer Geschäftspolitik, was kürzlich ebenfalls zu Gewinnmeldungen geführt hat.
Von Entwarnung kann daher keine Rede sein; von Panik sind wir aber auch weit entfernt, zumal wohl am 3. Konjunkturpaket still und leise bereits gearbeitet wird.
Ich las z.B. von der Vorbereitung sog. (staatlicher) Transfer- und Qualifizierungsgesellschaften (zur Vermeidung von Unternehmensinsolvenzen) für die befristete Verlagerung ganzer Unternehmensbelegschaften (wie nach Insolvenzeröffnung bei Unternehmen auch heute schon üblich). Diese Auffanggesellschaften sollen von der BFA für (zunächst) 24 Monate finanziert werden, sofern und sobald die gerade erweiterten Kurzarbeitsregelungen nicht mehr greifen und der Arbeitsmarkt brutal einbricht.
Vor diesem Hintergrund, Leute, wozu noch vorsorglich Einkommensüberschüsse für kleine Zinsen sparen, genießt besser das Leben und gebt euer Papiergeld mit vollen Händen aus, solange es noch etwas wert ist; das hilft der Konjunktur und macht vor allem Freude. Hauptsache, das restliche Bargeld reicht für die laufenden Fixkosten (Liquidität vor Rentabilität). Man könnte allerdings darangehen, z.B. alle älteren technischen Haushaltsgeräte gegen modernere und energieeffizientere auszuwechseln. Das spart Energiekosten und hebt Gelder, die man fröhlich woanders wieder ausgeben könnte (sog. selbst generierte Abwrackprämie).
Aber vertraut bloß nicht auf solche zweifelhaften Wasserstandsmeldungen, sonst werdet ihr wieder nur zu Anlageformen verführt, an denen andere verdienen. Kürzlich gab es Berichte, dass die Anlageberatung zahlreicher Banken so weitermacht wie bisher, als habe es die Krise niemals gegeben.
Das Motto muß heißen: Lebenshunger statt Gier!
Kommentar von Andreas Kunze am 14.4.2009 um 20:07
@Justus: Bin ich dabei – das Geld sollte nicht gehortet, sondern ausgegeben werden.
Mit den getunten Bewertungen ist das so eine Sache: Die Banken sollen ja stabilisiert werden, deshalb finde ich die jüngsten Meldungen positiv. Die große Wirtschaftskrise fing mit dern Finanzkrise an. Wenn die Finanzkrise gemeistert ist, wird die Wirtschaftskrise ebenso vorbeigehen.
Kommentar von Manuel am 14.4.2009 um 22:05
Also ich sehe das ganz positiv. Schon seit 2 Wochen ist jetzt durchgehend ein positiver Trend an den deutschen Börsen zu beobachten. Solche Meldungen wie heute tun natürlich besonders gut. Auch der Dax hat ja heute mit 1,5 % + gut aber nicht überreagiert.
Kommentar von Justus am 14.4.2009 um 22:21
Das die geschönten Zahlen von Goldman Sachs den Markt nicht überzeugt haben, zeigt folgender Bericht:
Die Wirtschaftskrise wird vorübergehen, das ist sicher:
Anders als bei früheren großen Wirtschaftskrisen, insbesondere nach Weltkriegen, haben wir weder Millionen Tote noch ein zerstörtes Land zu beklagen. Fabriken und Infrastruktur (die Hardware) müssen nicht erst wieder aufgebaut werden, sondern sind sofort wieder verfügbar, gleichermaßen können die Menschen (die Software) sofort reaktiviert werden.
Also geht es auch schneller wieder aufwärts als damals, denke ich. Und den möglichen zwischenzeitlichen Rückschritt auf eine Wohlstandsniveau des Jahres 2000 werden wir auch noch verkraften. Sorgen mache ich mir mittelfristig nur um unsere Währung und den sozialen Frieden in unserem Land.
Kommentar von Justus am 15.4.2009 um 12:43
@ A.K.
Da zum aktuellen Beitrag von A.K. – die unterschiedliche Medien-Berichterstattung über angeblichen DIW-Verlautbarungen betreffend – die Kommentarfunktion z.Z. nicht funktioniert (zumindest bei mir nicht), verweise ich auf folgenden FTD-Artikel, der die Situation nüchtern beschreibt und auch hierher passt:
Manchmal frage ich mich schon, was in der Berichterstattung einiger Medien nur bzw. vermengte Meinungsäußerung des jeweiligen Journalisten und was bei Zitaten über angebliche Meinungsäußerungen Dritter tatsächlich gesagt wurde oder von Journalisten evtl. hineininterpretiert wurde!!!
Kommentar von Von der Erde am 15.4.2009 um 13:15
Genau. An den Börsen zeigt der Pfeil mal wieder nach oben. Bald investieren wieder alle ihr Geld ehe dann die Kreditkartenblase platzt. Diese Krise hat noch kein Ende gefunden und diese Billionen die hier mal eben locker gemacht werden vertagt sie im besten Fall nur noch einmal. Irgendwann absehbar ist das dann aber vorbei. Mir scheint das, so verschwörerisch das klingt, hat das ganze doch System. Die Superreichen erfinden neue Werkzeugbüchsen und ausbaden solls die Welt.
Kommentar von Justus am 17.4.2009 um 12:23
@ Manuel
Nachfolgend ein differenzierter, mit Fakten unterlegter Beitrag, der sehr zu denken gibt:
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,608921,00.html
Von wegen Tschüß Krise! Schön wär`s ja.
Kommentar von Daniel am 27.4.2009 um 13:28
Es wird bei Goldman wohl ähnlich sein wie bei der dt. Bank:
Man berichtete am Sonntag Abend über vermeintliche 25% Rendite, die die Deutsche Bank im ersten Quartal verdient haben soll. Nun wird das Ergebnis in der Öffentlichkeit zerrissen noch bevor man sich anschaut, wie es zustande gekommen ist. Dabei wird vermutlich ein Teil des Gewinns aus der Wertaufholung im vergangenen Jahr abgeschriebener Aktiva entstanden sein. Damit handelt es sich weder um eine besondere Marktleistung, noch eine riskante Geschäftsstrategie, sondern nur am eine Anwendung der Bilanzierungsvorschriften, die im letzten Quartal 2008 zu blutroten Bilanzen geführt haben.
Hier noch mehr dazu gefunden:



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