FINBLOG.de – Aktuelle Notizen vom Finanzjournalist Andreas Kunze

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Archiv für März 2009

31. März 2009
“Versicherer-Schufa”: Ab 1. April gibt es Auskünfte

Seit 1993 haben die Versicherer ein so genanntes „Hinweis- und Informationssystem“ (HIS). Das ist eine gewaltige Datensammlung mit derzeit fast 10 Millionen Einträgen, gespeist vor allem von Auto- und Lebensversicherern. Dort kann schon landen, wer nach einem Unfall sein Auto nicht reparieren lässt und stattdessen lieber eine Bar-Entschädigung nimmt. Schließlich könnte das jemand sein, der öfter in Unfälle verwickelt wird und so abkassiert.

Die Versicherer verkaufen die Datensammelei gerne als “Betrugs-Abwehr”, als “Betrugs-Datei”, also als etwas, wofür jeder Verständnis aufbringen kann. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn gespeichert wird z.B. auch der Kunde, der seine Rechtsschutzversicherung in kurzer Zeit mehrfach in Anspruch nimmt. Das ist sein gutes Recht und hat mit Betrug gar nichts zu tun. So jemand ist vielleicht in den Augen der Versicherer ein schlechter Kunde, ganz gewiss jedoch nicht kriminell.

Ab 1. April kann man nun beim Versichererverband GDV anfragen, ob und wie man in diesem System gespeichert ist. Die Adresse lautet:

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
Hinweis- und Informationssystem
Wilhelmstraße 43/43 G
10117 Berlin

Der Anfrage ist eine schriftliche Kopie des Personalausweises beizufügen (s. GDV-Info).
Außerdem wollen die Versicherer bei neuen Einträgen unaufgefordert informieren.
Damit besteht zumindest die Möglichkeit, gegen falsche oder veraltete Einträge vorzugehen.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn das Bundesdatenschutzgesetz verpflichtet generell sowohl zur Benachrichtigung des Betroffenen (§ 33) als auch zur Auskunft an den Betroffenen (§ 34).

Die Versicherer allerdings fanden aber lange Zeit, dass das für sie nicht gilt. Warum jetzt der Sinneswandel? Uwe Schmidt-Kasparek, vor einigen Jahren Pressesprecher des GDV, erklärt das bei Capital.de so:

Die neue Offenheit der Assekuranzen geht auf eine Initiative der Datenschutzbeauftragten Bettina Sokol aus Nordrhein-Westfalen zurück. Sie soll als Übergangslösung im Rahmen einer bis 2011 dauernden Reform praktiziert werden.

Die “Initiative” bestand darin, dass die NRW-Datenschutzbeauftragte im Februar 2009 den in NRW tätigen Versicherern Bußgelder angedroht hatte, wenn sie weiterhin Auskünfte verweigern. Zuvor war eine Frist bis Jahresende 2008 gesetzt worden, wie mir ein Sprecher der Datenschutzbeauftragten heute sagte. Vielleicht fürchteten die Versicherer eine bundesweite Bußgeld-Aktion der Datenschutzbeauftragten in den Ländern und lenkten ein.

Hoffentlich wird der Umfang der Auskünfte nicht zum nachträglichen April-Scherz.

30. März 2009
Wirtschaftsjournalist: Relaunch zum Mitmachen

Das Branchenmagazin “Wirtschaftsjournalist” arbeitet an einem Relaunch und lässt über Cover-Entwürfe via Internet abstimmen:
http://www.wirtschaftsjournalist-online.de/
Mein Favorit, die Nr. 5, liegt leider bislang ziemlich weit hinten.

29. März 2009
Wenn Frauen Bedienungsanleitungen schreiben

…dann kommt so etwas dabei raus und liegt wie eine Anklageschrift im Badezimmer:

Gebrauchsanweisung für WC-Rollen-Halter-Mechaniker oder solche, die es werden wollen

Weißen Deckel anheben. Sie sehen die Papierrollen-Halterung mit der leeren WC-Rolle. Verzweifeln Sie nicht (Es sei denn Sie haben keine Ersatzrolle zur Hand)!

Halten Sie nun mit der linken Hand die leere WC Rolle locker zwischen Daumen und Zeigefinger. Mit der rechten Hand gehen Sie nun an die WC-Rollen-Halterung, umklammern diese mit dem Daumen und dem Zeigefinger und auch noch dem Ringfinger.

Bleiben Sie in dieser Stellung und wenden einen leichten Druck auf alle Finger und schieben die rechte Hand nun ganz vorsichtig und behutsam nach links, bis die Halterung sich aus dem Gewinde löst. Nun lösen Sie die leere Rolle leicht aus der Halterung und schieben nun die neue prall gefüllte WC Rolle mit Blattkante nach vorne in die Röhre rein.

Danach balancieren Sie den Klorollenhalter mit Rolle gefühlvoll und sanft in die Nut und hängen dies darin vorsichtig ein. Lösen Sie nun beide Hände von Rolle und Halterung. Wenn die WC Rolle mit Halterung nicht runterfällt haben Sie es geschafft. Dann nehmen sie Ihre Hände und legen sie diese wie beim Gebet aufeinander und klatschen nun 3x in die Hände und rufen gleichzeitig: ICH HABS GESCHAFFT!!!!

Der erste Schritt zum erfolgreichen WC-Rollen-Halter-Mechaniker ist gemacht!

28. März 2009
ING-Diba: Nur noch 1,5 Prozent Tagesgeldzins

Im Tagesgeld-Markt räumt die ING-Diba das Feld jetzt von unten auf:
Ab 1. April sinkt der reguläre Zins beim so genannten Extrakonto von 2,25 auf nur noch 1,50 Prozent p.a.
Die Lockzins-Aktion mit 4 Prozent für “neue Euros” läuft noch bis Ende April.

Bei der ING-Diba heißt das so:

Die Europäische Zentralbank hat in den letzten Monaten mehrere Male in Folge den Leitzins gesenkt. Auch wir reagieren auf die aktuelle Marktsituation und senken zum 01.04.2009 die Guthabenzinsen für das Extra-Konto auf 1,50% p.a. Ihr Guthaben, das den Kontostand vom 31.12.2008 übersteigt, wird im Rahmen der Extra-Zins Aktion vom 01.02.2009 bis 30.04.2009 selbstverständlich weiter mit 4% p. a. verzinst.

27. März 2009
Mit Thomas Bieler hat die ING-Diba einen guten Mann eingestellt

In der Berliner Morgenpost warnt heute Sebastian Wieschowski vor Geschenken von Banken. CitiBank, Comdirect oder Volkswagen-Bank würden eine Art Begrüßungsgeld zahlen, wenn ein neues Girokonto eingerichtet wird. Aber vielleicht sei dann das Girokonto gar nicht so gut.

Zum Schluss kommt dann der große Auftritt von Thomas Bieler, vorgestellt als Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (die seit Jahren Spenden von der ING-Diba erhält). Thomas Bieler (der demnächst Pressesprecher der ING-Diba wird) hat laut Bericht folgendes gesagt:

Viel wichtiger als eine mögliche Prämie für den Vertragsabschluss seien beispielsweise die Überziehungszinsen – denn wer kurzfristig in finanzielle Turbulenzen gerät, verliert den geldwerten Vorteil der Vertragsprämie durch hohe Überziehungszinsen im Handumdrehen.

Nun raten wir mal, was die ING-Diba bei ihrem Giro-Konto als großen Vorteil sieht – den “besonders günstigen Dispositionskredit”.

Sie wünschen sich finanziellen Extra-Spielraum? Dann beantragen Sie einen Dispokredit bis 10.000 Euro! Der ist mit nur 9,50%1 Zinsen p.a. einer der günstigsten in Deutschland.

Ich bin sicher: Thomas Bieler wird ohne größere Einarbeitungszeit seinen neuen Job als Pressesprecher bei der ING-Diba antreten können.

PS: Beim Thema Girokonto rate ich, eine Überziehung oder einen Dispo-Kredit ganz zu vermeiden. Denn auch knapp 10 Prozent effektiv der ING-Diba sind angesichts des Zinsniveaus mehr als happig und keineswegs “günstig”. Und: Dieser Satz gilt bei der ING-Diba ohnehin nur, wenn tatsächlich ein Dispo-Kredit beantragt und genehmigt wurde. Die reinen Überziehungszinsen liegen bei der ING-Diba sogar bei 13,24% p.a. effektiv.
Darüber hinaus würde ich neben den Kosten etwa für postalische Kontoauszüge auf die Versorgung mit kostenlosen Geldautomaten achten.

26. März 2009
Verschenken Sie kein Geld vom Staat!

Die Abwrackprämie finde ich gut. Ich finde eigentlich alles gut, was den privaten Konsum in Schwung bringt. Viel zu viel Geld landet auf Konten und in Versicherungen, wo es für die Binnennachfrage nichts nutzt.

Die Abwrackprämie ist in einigen Fällen aber auch ökonomischer Blödsinn, wie ein sehr guter Beitrag von Stern TV gestern Abend bei RTL zeigte (Hier der Textbeitrag). Um die 2.500 Euro vom Staat einzusacken, haben Leute ein Auto verschrottet, dass 4.000 oder 5.000 Euro Marktwert hatte.

Ist das ungewöhnlich? Nein, wenn der Bundesbürger glaubt, er bekomme vom Staat etwas geschenkt, setzt der Verstand aus. Das war mit Steuervorteilen für Ost-Immobilien vor 15 Jahren so, das ist mit der Abwrackprämie noch heute so.

Um die Staatsfinanzen zu sanieren, muss der Staat eigentlich nur Geld verschenken. Etwa: 5.000 Euro für jeden zum Geburtstag (und 10.000 Euro holt der Fiskus dann übers Kleingedruckte zurück.). Die Werbung lautet dann: Verschenken Sie kein Geld vom Staat!

Die Bundesbürger würden wie bekloppt mitmachen.
Man sieht es an der Riester-Rente.

PS: M.E. ist es ein guter Test sich zu fragen, ob man ein Geschäft auch ohne jegliche staatliche Prämie/Zulage/ Förderung oder sonstwas machen würde. Wenn nicht, ist es nach meiner Erfahrung kein gutes Geschäft.