17. Juli 2006
Angebot für Rechtsanwälte
Telefonat mit einem Rechtsanwalt. Vorher hatte ich kurz auf die Homepage der Kanzlei geschaut, bei der immer noch ein Baustellen-Schild zu sehen ist.
- Mensch, da hat sich ja immer noch nichts getan!
- Nun, wir hatten da schon so eine Internet-Firma zum Gespräch. Die haben auch ein Konzept gemacht. Aber wir kamen nicht so richtig weiter.
- Wieso, was wollten die denn haben?
- Die sagten, das würde mindestens 10.000 Euro kosten.
Nach etwa zwei Minuten hatten sich die Lachkrämpfe wieder gelöst. Die Kanzlei will eigentlich nur eine bessere Visitenkarte im Internet mit der Möglichkeit, mal den oder andere Fachbeitrag selber online zu stellen.
Ich vermute: Die “Internet-Firma” hat irgendwann mal eine Abmahnung bekommen und ist jetzt sauer auf Rechtsanwälte.
Von: Andreas Kunze | Kategorie: 01 - Allgemein |
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Kommentare
Kommentar von Kyu am 17.7.2006 um 19:04
Diese Preisangaben habe ich schon öfter gehört und gelesen. Ich glaub’, die meinen das ernst.
Pech für die IT-Firma. Ein CMS zu installieren sollte doch so das Problem nicht sein, dafür nimmt man doch keine 10.000 Taler.
Kommentar von marcc am 17.7.2006 um 19:11
So billig wie ein Student darf man aber auch nicht sein, sonst glauben die, das wäre der reguläre Preis. Inwieweit sind bei den 10.000 denn auch Änderungswünsche mit drin? Denn wenn es zu billig ist, dann wuchern doch die Sätze wie “könnten sie nicht noch hier was ändern… und mal eben das noch einbauen…”
Kommentar von Daniel am 17.7.2006 um 20:55
Ohne jetzt die genauen Anforderungen zu kennen, aber abwegig sind solche Preisangaben nicht!
Es geht auch nicht darum, mal kurz ein OpenSource-CMS zu installieren, sondern darum, dass viele Firmen (ob Visitenkarte oder umfangreiche Präsenz) ein individuelles Erscheinungsbild wollen. Da sitzen Grafiker dran, die das Layout machen. Dann gibt’s diverse Rücksprachen mit dem Kunden, von wegen “hier noch ein kleiner Button, da noch ein kleines Bildchen”. Hinzu kommen Lizengebühren für Fotos etc. Und dann muss das grafische Layout noch in HTML-Templates umgesetzt werden. Das alles dauert und kostet Zeit. Das ist im Prinzip der gleiche Grund, warum es Standardsoftware für ein paar Euro gibt und Individualsoftware richtig viel Geld kostet. ;-)
Kommentar von Malte Diedrich am 17.7.2006 um 22:03
Doch, der Preis ist deutlich überhöht. Selbst wenn ich 4 Tage rechne (1 Tag Graphiker, einen Tag CMS aufsetzen und CSS bauen, 1/2 Tag Photos, 1/2 Tag Texte reinschreiben und einen Tag Korrekturen komme ich nicht auf 10.000 €. Und länger sollte es wirklich nicht dauern.
Kommentar von Andreas Kunze am 17.7.2006 um 22:30
@Daniel: Ein CMS (Typo3)zum fairen Preis mit Top-Service gibt es zum Beispiel bei http://www.netzrezepte.de. Da bin ich Kunde. Für um die 1000 Euro kriegst Du eine richtig gute Seite. http://www.fintext.de ist von denen gemacht.
Kommentar von Daniel am 17.7.2006 um 22:34
@Malte: wo wurde bei deiner Rechnung Zeit eingeplant für die Konzeption? Irgendwo muss ja auch festgehalten werden, was alles verlangt wurde und ob die Ziele erreicht wurden. Sonst heißt es später “das war so nicht gewollt, da müsst ihr hier nochmal nachbessern und da noch einmal nachbessern”. Auch die Vorgespräche möchte man ja irgendwie wieder refinanziert bekommen. Außerdem fehlen z.B. die Lizenzgebühren für Fotos; auch Fotografen wollen leben. Wenn man hochwertige Bilder will, die man auch später noch für Printwerbung verwenden kann, reichen die günstigen Bildagenturen, die von Hobbyfotografen beliefert werden, nicht aus.
BTW: Ich habe vor zwei Jahren mal bei verschiedenen Webdesign-Agenturen Angebote eingeholt für die Erstellung eines Internetauftritts. Die Preisspanne lag zwischen 1.200,- und 23.000,- bei gleichen Anforderungen.
Kommentar von Daniel am 17.7.2006 um 22:44
@Andreas: dass wir hier nicht aneinander vorbei reden. Wenn die Webagentur was Individuelles angeboten hat, dann gehen die Preise schnell nach oben. Bei Netzrezepte wird zwar von “Individuellem Webdesign” gesprochen, allerdings “auf Basis eines netzrezepte.de Templates”. Soll heißen, da werden Baukastensysteme gemacht und zusammengestellt. Eine auf weißem Hintergrund völlig neu entwickelte Website wird auch mE bei denen viel teurer sein.
Kommentar von Malte Diedrich am 18.7.2006 um 9:48
Ja, die grosse Konzeption. Lassen wir doch mal die Kirche im Dorf, es geht um eine kleine Seite zum Vorstellen des Anwalts. Wer bin ich, was mach ich, wo findet man mich, wie erreicht man mich, was sind meine Schwerpunkte usw. Das ist nun nicht wirklich grosse Konzeptionsarbeit.
Photos: Stockphotographien z. B. über iStockphoto, die anderen vom Anwalt, vom Gebäude und Team macht der Photograph, deren Aufwand mit 2-3 Stunden auch im Rahmen liegen sollte.
1200 halte ich aber auch für deutlich zu wenig, ich würde das mit ca. 2400,- bis 3000,- netto rechnen.
Kommentar von Daniel am 18.7.2006 um 10:29
@Malte: ok, wir nähern uns ja dann doch schon etwas an. ;)
Ich habe nur in letzter Zeit häufig mit Leuten gesprochen, die eine individuelle Lösung mit Datenbank haben wollten, dazu noch ein eigenes Layout und das Ganze am besten für unter 1.000 EUR.
BTW: Für eine von dir beschriebene Homepage würde ich auch nicht viel ausgeben wollen, denn diese kostet mich ausschließlich Geld und bringt mir nichts ein, da darüber keine neuen Kunden akquiriert werden können. Eine derartige Seite wird auch selten in den Suchmaschinen gefunden, denn warum sollte sie auch vorne gelistet werden? Die einzig relevanten Begriffe befinden sich auf der “Was mach ich”-Seite und evtl. noch auf der “Wer bin ich ich”-Seite, das war es aber auch schon. Und diese zwei haben keine Chance gegen Domains mit vielen tausend relevanten Inhaltsseiten.
Grundsatzfrage: will ich einen Internetauftritt, weil man den heutzutage einfach haben muss oder sehe ich diesen als Investition, die mir wiederum viel Geld einbringen soll?
Kommentar von Torsten am 18.7.2006 um 11:05
Sehen wir es so: Es gibt mittlerweile so viele qualitativ hochwertige Bausätze, dass niemand das Rad neu erfinden muss. Wenn der gute Herr eine Visitenkarte mit ein paar Fachbeiträgen will, dann kann man ihm keine 10000-Euro-Seite anbieten. Das kann man bei dem machen, der unbedingt aus der Masse herausstechen will.
Kommentar von A. John am 18.7.2006 um 11:29
Von den 10.000 EUR sind vermutlich 8.000 EUR als Prozesskostenrücklage kalkuliert. Bei Anwälten und Behörden als Auftraggeber ist der Stress vorprogrammiert.
Zuerst wollen sie die einfachste (billigste) Minimallösung und kaum hat man angefangen, kommen sie ständig mit Zusatzanforderungen und Änderungswünschen, die natürlich nix kosten sollen.
Kommentar von Malte Diedrich am 18.7.2006 um 18:38
Daniel, ich glaube wir sind da ganz zusammen. Alles andere hängt vom Anwalt ab :D
Wie kommen “Kraut- und Rübaenanwälte” eigentlich zu ihren Kunden? Spielt da das Internet überhaupt eine Rolle, oder sind es mehr die Empfehlungen durch andere Kunden, eine gewisse Sichtbarkeit in der lokalen Presse und eigene Kontakte?
Kommentar von Kongo Hans am 18.7.2006 um 20:01
Warum sollte man Mitleid mit den Herren Rechtsanwälten haben? So richtig eine Soziale Ader zeigt dieser Berufsstand meiner Erfahrung nach im Allgemeinen nicht.
Abgesehen davon will man was verdienen. Bei einem Rechtsanwalt als Kunden bedeutet das, lieber vorher schon die Kosten für einen Rechtsstreit draufschlagen. So gesehen sind die 10 TE deutlich zu wenig.
Kommentar von xwolf am 18.7.2006 um 23:23
Naja, 4 Tage Arbeit braucht ne professionelle Website schon,
wenn alles ordentlich geregelt ist und der Kunden nicht dauernd mit vorher undefinierten Dingen reinhaut.
4 Tage sind etwa 2000,- Euro.
Wenn man nach Standard STundensatz rechnet.
Bei Anwälten wäre und ist es aber sicherlich fair den Satz anzunehmen, die diese durch den BRAGO auch für ihre Standardienstleistungen nehmen :)
Also rechnen wir doch mit 240 Euro/Stunde. Dann kommen wir den 10.000 Euro doch schon recht nah …
Kommentar von Andreas Skowronek am 19.7.2006 um 3:33
Eine Kanzlei, die die Kosten für ihren Internet-Auftritt auf der Basis nur eines Angebotes beziffert?
Sachen gibt´s.
Kommentar von Danny Faak am 19.7.2006 um 10:28
Also ich hab grad ne E-Mail verfasst mit nem “Angebot”.
Klar ist das etwas teurer wenn es ein selbstständiger macht, bzw. eine Agentur. Aber ne “bessere Vistienkarte” und “Facjbeiträge veröffentlichen” ist wenig.
Typo3 und Wordpress sind kostenlos. Typo3 ist in ner halben Stunde installiert, Wordpress ebenso. Template erstellen 1 1/2 Stunden für Typo und 1 Stunde für Wordpress.
Grafiken je nach Aufwand, aber man kann in 2 Stunden schon was schönes machen. Und Buttons usw. bekommt man auch wie Sand am Meer, ansonsten ist auch da in ner Stunde einiges drin.
Das ist noch nicht mal ein Tag, und wenn jemand meint ich spinn rum, ich hab diverse Seiten gemacht die auf genau diesen Systemen basieren. Teilweise bezahlt man Agenturen auch damit Sie den richtigen Umgang mit diesen Systemen lernen.
http://www.squaredancer.de ist ein Beispiel. Wobei ich sagen muss das hier das Layout doch etwas komplexer war … wegen der Grafiken in der Mitte und dem Flash Soundplayer (der sich die Titel aus Typo3 holt, und bei dem die Playlist per php dynamisch aktualisiert wird.)
Kommentar von Malte Diedrich am 19.7.2006 um 11:25
Ja Danny, nach nicht mal einem Tag Aufwand sieht die Seite dann auch leider aus.
Kommentar von Daniel am 19.7.2006 um 11:52
@Malte: ich hab’s mir verkniffen. ;)
Wobei man anmerken muss, dass auch diese Art von Seiten (vom Optischen her gesehen) durchaus erfolgreich sein können. Nämlich genau dann, wenn sie viele aktuelle Inhalte bieten, dementsprechend gut verlinkt sind und von Suchmaschinen vollständig erfasst werden können. Gerade unter dem Gesichtspunkt ist die o.g. Seite nicht wirklich State-of-the-Art.
Mit anderen Worten: eine solche Seite kostet einmalig ein paar Euro, bringt aber rein gar nichts ein. Da bin ich halt der Meinung lieber ein paar Euro mehr ausgeben, dafür aber auch eine Seite haben, die mir wieder was einbringt.



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