16. März 2006
BILD und die Rentenkürzung
Das Renten-Geblödel der BILD-Zeitung geht heute munter weiter:
“Weniger Rente für Kinderlose“, fordern dem Schrumpf-Blatt zufolge Politiker und Wissenschaftler. Diverse Medien wie etwa Spiegel-Online haben am Morgen die BILD-Story von der geforderten “Rentenkürzung” prompt weiter verbreitet.
Es gibt da nur einen Schönheitsfehler: Eine solche Rentenkürzung geht gar nicht, und zwar schon wegen der Eigentumsgarantie des Grundgesetzes. Vereinfacht: Es muss mindestens das rauskommen, was eingezahlt wurde. Da sich die Renditen der gesetzlichen Rente schon jetzt knapp über der Nulllinie bewegen, wäre die von BILD proklamierte Rentenkürzung schlichtweg
verfassungswidrig (Wer es vertiefen möchte, hier ist ein guter Beitrag).
Deshalb sagen die von BILD zitierten Wissenschaftler Lauterbach und Sinn auch was ganz Anderes, als die Schlagzeile suggeriert.
Auszug mit Fettungen von mir.
Der SPD-Sozialexperte Prof. Karl Lauterbach: „Wir müßten zu einer Aufstockung der Altersrenten von geringverdienenden Eltern kommen.“
Der Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Hans-Werner Sinn, verlangt eine Aufstockung der Rente von Eltern:…
Sie fordern also keine Rentenkürzung bei Kinderlosen, sondern eine Rentenerhöhung für Mütter und Väter (ohne allerdings zu sagen, wie das finanziert werden könnte).
“Super – mehr Rente für Eltern” fand die BILD-Chefredaktion aber als Schlagzeile vielleicht zu blöd.
Von: Andreas Kunze | Kategorie: 01 - Allgemein |
Ähnliche Beiträge
- Lauterbach gegen Rentenkürzung
- Wieder ein NYC-Bild
- Kommt jetzt BILD-TV?
- BILD und die Börse
- BILD klärt über die Riester-Rente auf
Kommentare
Kommentar von Jean M. am 16.3.2006 um 11:41
Auweia. Inzwischen fühl ich mich mit meiner morgendlichen Pflichtkombination finblog/bildblog (oder, je nach Schläfrigkeitsgrad, umgekehrt) immer häufiger in der déja-vu-Situation. Haben die Herren Schultheis und Kunze gar ein gemeinsames Büro? ;-)
Schade nur, daß man in beiden Blogs bei den Lesern eh offene Türen einrennt. Interessanter wäre es ja, den gläubigen Schäfchen der Riesenletter-mit-vielen-Ausrufezeichen-Offenbarung ein Ausweichmedium nahezubringen. Wie wäre es mit einer Printausgabe “Fb,Bb,GWH”?
Kommentar von Andreas Kunze am 16.3.2006 um 12:27
@Jean: Psst, über GWH-Daily bitte noch nichts weiter verraten.
Kommentar von Clarissa am 16.3.2006 um 20:43
In einem Interview der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” vom 28.07.2002 wird Hans-Werner Sinn allerdings unter der Überschrift “Für Kinderlose muß die Rente halbiert werden” mit den Worten zitiert:
“Bei denen, die keine Kinder haben, sollte man die umlagefinanzierten Renten kürzen – sagen wir mal auf die Hälfte. Das muß man ihnen rechtzeitig mitteilen, damit sie Gelegenheit haben, dagegen anzusparen. (…) Menschen, die Humankapital gebildet haben, indem sie viel Geld und Zeit in die Ausbildung und Erziehung ihrer Kinder investiert haben, haben einen Beitrag zur Finanzierung des Alterskonsums geleistet. Und andere, die das nicht getan haben, haben diesen Beitrag nicht geleistet. (…) Nach dem Umlageverfahren kommt eine Rente nur zustande, wenn Kinder da sind. Und wer keine Kinder hat, hat auch keinen Beitrag geleistet. Mein Vorschlag: Eine volle Riester-Rente und eine halbierte Umlagerente für die Kinderlosen und die volle Umlagerente für die Eltern.”
Ob derselbe Sinn also in den letzten dreieinhalb Jahren seine Meinung geändert hat und heute in “Bild” wirklich “was ganz Anderes” sagt, “als die Schlagzeile suggeriert”, kann ich als Laie allerdings nicht beurteilen.
Kommentar von Andreas Kunze am 16.3.2006 um 22:31
@Clarissa: Sollte die BILD richtig zitiert haben (was ich unterstelle), dann sagt Sinn jetzt tatsächlich was ganz Anderes. Er spricht mit keiner Silbe mehr von Rentenkürzung bei Kinderlosen, sondern von einem “Sonderanspruch auf staatliche Extrarente” bei Eltern.



Kommentar schreiben