2. Februar 2006
Meinungsvielfalt beim DJV
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) weiß offenbar nicht so richtig, was er will.
Auszug “Welt” von gestern:
DJV kritisiert den Nachdruck von Mohammed-Karikaturen
Ein Sprecher des Deutschen Journalistenverbands (DJV) kritisierte hingegen in der „Netzeitung“ den Nachdruck von Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen. Veröffentlichungen in Wort und Bild, die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, seine mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren. WELT.de/dpa
Auszug DJV-Pressemitteilung gestern Nachmittag:
‘Meinungsfreiheit ist ein demokratischer Grundwert’
‘Die Mordaufrufe von Islamisten gegen dänische Journalisten sind durch nichts zu rechtfertigen’, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken am heutigen Mittwoch. Die freie Meinungsäußerung sei ein Grundwert der Demokratie. Konken nahm damit Stellung zu den Reaktionen radikaler Gruppierungen in Bezug auf die Veröffentlichung von islamkritischen Karikaturen in einer dänischen Zeitung. Der Nachdruck der Karikaturen in deutschen Zeitungen sei, so der DJV-Vorsitzende, ein notwendiger Beitrag zur Meinungsbildung, dessen Ziel nicht die Verletzung religiöser Gefühle gewesen sei.
Man kann die Meinungsvielfalt auch übertreiben.
Von: Andreas Kunze | Kategorie: 01 - Allgemein |
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Kommentare
Kommentar von Lisa Rosa am 3.2.2006 um 0:29
Ich finde die sich widersprechenden Pressemitteilungen sehr schön! Sie machen wunderbar deutlich, wie widersprüchlich der Zeitgeist geistet: Einerseits möchte er den Grundwert auf Meinungsfreiheit verteidigen. Andererseits … tja, was denn eigentlich? Und da geht das Problem an. Denn der Grundwert der Religionsfreiheit, genauer: das Diskriminierungsverbot aufgrund einer Religionszugehörigkeit, ist ja gar nicht gemeint mit der merkwürdigen Idee vom “Schutz der religiösen Gefühle”. Man muß mal genauer überlegen, was das eigentlich sein soll: ein Recht auf Unverletzbarkeit von Gefühlen! Und es kommt im Diskurs immer nur in Verbindung mit religiösen Gefühlen vor. Als wären sie etwas besonders wertvolles, besonders schützenswertes. Wieso nicht alle Gefühle? Und dann: ist Religiosität überhaupt ein Gefühl? Religion ist eine bestimmte Sorte von Weltanschauung, von Interpretation von Welt. Wenn man diese religöse Form der Weltanschauung nicht wie alle anderen auch kritisieren, infrage stellen, mit Satire auf die Schippe nehmen darf, dann handelt es sich in der Tat um eine bedeutsame Einschränkung der Meinungsfreiheit. Die aber ist geboten, wenn es sich um völkerverhetzende, zu Gewalt aufrufende öffentliche Meinungsäußerung handelt. Und die trifft im Falle von Gefühlsverletzung nicht.
Diese Unklarheiten bezüglich der Definition von Religiosität führen zu den ambivalenten und in sich widersprüchlichen Haltungen in der Mohammed-Karrikaturen-Frage, und diese Widersprüchlichkeit so offensichtlich – wenn auch offenbar unabsichtlich – sichtbar zu machen, das ist hübsch an der der gespaltenen Pressemitteilung.



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