17. Mai 2005
Zielgruppe finanzielle Analphabeten
Es kam wieder Post von der ING-Diba, der sensationellsten Bank unseres Sonnensystems. Eine Klage? Ein Scheck? Nein! Es kam neues “Kompaktwissen für kritische Bankkunden”. Oder wie ich sagen würde: Unterhaltung für den finanziellen Analphabeten.
Bei der Themenauswahl der ING-Diba liegt m.E. meist folgendes Muster zu Grunde: Kritisiert wird vorrangig das, was die Bank gerade nicht selber nicht anbietet. Das ist ungefähr so, als würde Aldi gegen die Wursttheken von Edeka oder Spar poltern. Aldi hat schließlich nur Abgepacktes.
Bei “Kompaktwissen” darf natürlich nicht allzu viel Tiefgang erwartet werden, wie hier bereits beschrieben wurde. Die Botschaft “Fonds ohne Ausgabeaufschlag sind nicht immer billiger” ist jedoch ähnlich nutzwertig wie die Aussage, dass auf Mallorca nicht immer die Sonne scheint. Die ING-Diba möchte damit wohl zum Ausdruck bringen, dass die Leute besser Fonds bei ihr mit reduziertem Ausgabeaufschlag kaufen sollten als bei der Konkurrenz ohne Ausgabeaufschlag.
Tatsache ist: Es gibt so genannte No-Load-Fonds, die keinen Ausgabeaufschlag haben, dafür aber höhere laufende Verwaltungskosten. Es ist dann eine schlichte Break-even-Berechnung, wann der Vorteil von erspartem Ausgabeaufschlag in einen Nachteil wegen den höheren Verwaltungskosten umschlägt. Der Zeitpunkt ist insbesondere davon abhängig von der Wertentwicklung des Fonds, da die Verwaltungskosten prozentual auf das Fondsvermögen berechnet werden. Bei einer schwachen Performance etwa von Aktienfonds wie derzeit kann der Vorteil sehr lange anhalten. Für etwa fünf bis zehn Jahre, also für einen kurz- bis mittelfristige Anlagezeitraum, sind die No-Load-Fonds zumeist besser, nachzulesen unter anderem bei der Stiftung Warentest. Es kommt also auf den Anlagehorizont an.
Bei der ING-Diba hört sich das so an: “Liegt bei ausgabefreien Fonds die Jahresgebühr um einen Prozentpunkt höher als bei der klassischen Variante, summieren sich diese Mehrkosten im Lauf von fünf Jahren bereits auf fünf Prozent.” Uuiiuuiiiuii. Ja, und 1*1=1; 3*3=9; 5*5=25 usw. Da haben die Milchmädchen aber kompakt ihr Wissen zusammengeworfen.
Kritische Bankkunden sollten vielleicht was Anderes lesen.
Von: Andreas Kunze | Kategorie: 01 - Allgemein |



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